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Corona "hat mir das Genick gebrochen"
Reisebüro "Seezeit" in Kirchen schließt nach 14 Jahren

Ulrich Schneider aus Kirchen „streicht die Segel“. Sein Reisebüro hatte mit 95 Prozent Umsatzverlust zu kämpfen.
  • Ulrich Schneider aus Kirchen „streicht die Segel“. Sein Reisebüro hatte mit 95 Prozent Umsatzverlust zu kämpfen.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

gum Kirchen. Eine hart getroffene Branche durch die Corona-Pandemie ist sicherlich der Tourismus. Reisebüros und Reiseveranstalter sind durch die Krise besonders belastet. Nur ganz langsam erholt sich die Branche vom Schock der vergangenen Monate. Aber die zunehmenden Infektionszahlen lassen wenig Raum für Zuversicht.
Ulrich Schneider, der Inhaber des Reisebüros „Seezeit“ in Kirchen, sieht mit einem lachenden und einem weinenden Auge in die Zukunft: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und es geliebt, für andere Reisen zu organisieren“, so Schneider, der mit „Seezeit“ am 1. September 2006 seinen lang ersehnten Traum verwirklichte.
Liebe zum TourismusSchon als Schuljunge habe er sich für den Tourismus interessiert und später in verschiedensten Reisebranchen gearbeitet.

gum Kirchen. Eine hart getroffene Branche durch die Corona-Pandemie ist sicherlich der Tourismus. Reisebüros und Reiseveranstalter sind durch die Krise besonders belastet. Nur ganz langsam erholt sich die Branche vom Schock der vergangenen Monate. Aber die zunehmenden Infektionszahlen lassen wenig Raum für Zuversicht.
Ulrich Schneider, der Inhaber des Reisebüros „Seezeit“ in Kirchen, sieht mit einem lachenden und einem weinenden Auge in die Zukunft: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und es geliebt, für andere Reisen zu organisieren“, so Schneider, der mit „Seezeit“ am 1. September 2006 seinen lang ersehnten Traum verwirklichte.

Liebe zum Tourismus

Schon als Schuljunge habe er sich für den Tourismus interessiert und später in verschiedensten Reisebranchen gearbeitet. Allerdings habe ihm der Kundenkontakt gefehlt, weshalb er nach Jahren wieder zurück in die Heimat gekommen sei, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.
Trotz aller Mühen zeigt sich nun eine Parallele zum Untergang der Titanic. Corona hat viele Menschenleben in den Tod gerissen und Unternehmen sind im Sog der Pandemie gestrauchelt. Auch das Kirchener Reisebüro hat die Pandemie nicht überlebt. Als eines der ersten im Oberkreis muss es am 31. August 2020, praktisch auf den Tag genau nach 14 Jahren, schließen.

Kunden hatten Tränen in den Augen

Das macht Ulrich Schneider doch schwer zu schaffen. In den langen Jahren hat er sich einen großen Kundenstamm aufgebaut und immer versucht, alles möglich zu machen. Dass die Kunden, denen er Bescheid gegeben hat, dass ab September sein Reisebüro nicht mehr existiert, teils sogar Tränen in den Augen hatten, macht ihm die Entscheidung nicht gerade leichter.

Viele Länder fallen als Reiseziel weg

Die Pleite von Air Berlin und Thomas Cook steckte er noch ganz gut weg, da er sich mehr auf Kreuzfahrten, Gruppen- und Busreisen sowie Studienreisen konzentriert hatte. Jetzt steht er vor den Trümmern seiner Arbeit. Viele Länder, ja ganze Kontinente fallen als Reiseziele weg, dürfen zum Teil gar nicht mehr besucht werden. Kreuzfahrten werden kaum gebucht und Busreisen stehen momentan ebenfalls nicht gerade hoch im Kurs.

Corona-Soforthilfe reicht nicht aus

„Das hat mir das Genick gebrochen, ich habe 95 Prozent Umsatzverlust auf einen Schlag“, berichtet er. Die Corona-Soforthilfe habe er zwar bereits nach viereinhalb Wochen ausgezahlt bekommen, die sei allerdings ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen.
Damit habe er die Bürokosten für drei Monate abdecken können, weder durfte er davon seine Mitarbeiterin noch seine Krankenversicherung bezahlen. Einzig für die sog. „Systemkosten“ war die Summe bestimmt.
„Ich wollte weder Privatinsolvenz anmelden noch Kredite aufnehmen“, berichtet er. Dankbar ist er seinem Vermieter, der ihn ohne Probleme nach Aufgabe des Reisebüros sofort aus dem Mietvertrag entlässt.

Neue Aufgabe in der Touristik

Dass Ulrich Schneider im SZ-Gespräch hoffnungsvoll in die Zukunft blickt, liegt daran, dass er schon ab dieser Woche eine neue Aufgabe in der Kreisverwaltung in Altenkirchen gefunden hat:
„Ich bin sehr froh, in dieser Krise weiter arbeiten zu können. Ohne diesen mentalen Druck.“ Die neue Anstellung dürfte auf Schneider geradezu zugeschnitten sein, er ist ab jetzt zuständig für die touristische Koordination im Tourismus-Netzwerk im Rahmen eines europäischen „Leader“-Projektes.

Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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