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Gutachten contra Windpark Steeg
Rotmilan vs. Windräder

Diese Aufnahme von Christoph Buchen zeigt: Im Wildenburger Land haben auch 2019 Schwarzstörche gebrütet. Aus Sicht der BI Wildenburger Land würde daher der Bau der Windräder bei Steeg eindeutig gegen geltendes Naturschutzrecht verstoßen.´ Foto: privat
  • Diese Aufnahme von Christoph Buchen zeigt: Im Wildenburger Land haben auch 2019 Schwarzstörche gebrütet. Aus Sicht der BI Wildenburger Land würde daher der Bau der Windräder bei Steeg eindeutig gegen geltendes Naturschutzrecht verstoßen.´ Foto: privat
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damo Friesenhagen. Der Begriff „Adlerauge“ ist weit verbreitet – aber es könnte genauso gut „Milanauge“ heißen, denn auch diese Greifvögel verfügen über perfekt funktionierende Sehorgane. Eine Maus aus mehreren hundert Metern zu erspähen, ist für einen Milan die leichteste Übung. Problem dabei: Wenn er auf Jagdflug ist, hat der Milan den Kopf nach unten gerichtet. Er starrt auf die Wiesen und Weiden, achtet auf die kleinste Bewegung. Und wenn er seinen Blick derart starr auf Mäuse fixiert, dann läuft er Gefahr, etwas viel Größeres schlichtweg zu übersehen: Rotmilane stehen auf der Liste der Windrad-Opfer ganz weit oben.

damo Friesenhagen. Der Begriff „Adlerauge“ ist weit verbreitet – aber es könnte genauso gut „Milanauge“ heißen, denn auch diese Greifvögel verfügen über perfekt funktionierende Sehorgane. Eine Maus aus mehreren hundert Metern zu erspähen, ist für einen Milan die leichteste Übung. Problem dabei: Wenn er auf Jagdflug ist, hat der Milan den Kopf nach unten gerichtet. Er starrt auf die Wiesen und Weiden, achtet auf die kleinste Bewegung. Und wenn er seinen Blick derart starr auf Mäuse fixiert, dann läuft er Gefahr, etwas viel Größeres schlichtweg zu übersehen: Rotmilane stehen auf der Liste der Windrad-Opfer ganz weit oben.

Das haben Christoph Buchen und Horst Braun am Montag noch einmal im Pressegespräch betont, und dabei stützen sie sich nicht nur auf die gängige Fachliteratur und die aktuelle Forschung, sondern auch auf eigene Beobachtungen. Sie haben unter Windmühlen selbst schon einen erschlagenen Rotmilan entdeckt – wohlgemerkt aber nicht vor der eigenen Haustür. Denn noch drehen sich im Wildenburger Land keine Windenergieanlagen, und geht es nach den beiden Naturschützern, dann wird sich daran auch nichts ändern. „Aus arten- und naturschutzrechtlichen Gründen darf es nicht dazu kommen, dass eine Baugenehmigung für die Windräder erteilt wird“, betonen Buchen und Braun unisono.

Gemeinsam mit Christoph Gehrke und Udo Otterbach von der BI Wildenburger Land waren die beiden Ornithologen jetzt bei Landrat Dr. Peter Enders. Ihm haben sie die zweite Fortschreibung ihres Artenschutz-Gutachten zum geplanten Altus-Windpark bei Steeg überreicht.

Seit nunmehr fünf Jahren dokumentieren Braun und Buchen die Vogelwelt des Wildenburger Lands. Vor allem zwei Arten haben sie dabei im Blick: Rotmilane und Schwarzstörche. Beide gelten im immer noch laufenden Genehmigungsverfahren für die sieben Windräder bei Steeg als „planungsrelevant und windkraftsensibel“. Und für beide Arten können Braun und Buchen anhand von unzähligen Beobachtungen belegen, dass ihr Bestand im Wildenburger Land nach wie vor stabil und damit von überregionaler Bedeutung ist. „Und das wollen wir nicht opfern“, meint Braun.

Zwischen 1991 und 2019 seien im Wildenburger Land 50 Schwarzstorchbruten geglückt, 114 Jungstörche seien dokumentiert. „Von hier aus verteilen sich die jungen Störche in andere Regionen, und damit hat unser Bereich überregionale Bedeutung.“

Das gilt auch für den Rotmilan – vielleicht sogar in noch größerem Ausmaß. Hier waren es in den vergangenen fünf Jahren 44 erfolgreiche Bruten. Und die Population im Wildenburger Land ist dank der außergewöhnlichen Landschaftsstruktur nach wie vor so groß, dass sie nach allgemein gültigen Richtlinien den Begriff des „Rotmilan-Dichtezentrums“ rechtfertigt, führen Braun und Buchen aus.

Daraus erwachse nicht nur eine besondere Verantwortung für den Schutz dieser Art, sondern zugleich auch ein Ausschluss-Kriterium für den Bau von Windenergieanlagen: „Das gilt als Totschlagargument“, sagte Buchen. Soll heißen: In einem Rotmilan-Dichtezentrum sei der Bau von Windrädern mit geltendem Natur- und Artenschutzrecht nicht in Einklang zu bringen. Dass die Raumnutzungsanalyse (also die Dokumentation der Flugbewegungen) ausgerechnet in der 1,5-Kilometer-Zone rund um die Windräder eine besonders hohe Dichte belege, untermauert diese Einschätzung. „Gerade dort erkennt man die Landkarte vor lauter roten Linien kaum noch“, sagt Buchen.

Dass so viele Beobachtungen in das aktualisierte Gutachten einfließen konnten, ist das Werk vieler Helfer. Mehr als 70 Menschen aus dem Wildenburger Land haben die beiden ehrenamtlichen Naturschutzwarte des Kreises bei ihrer alljährlichen Sisyphusarbeit unterstützt: Sie haben Rotmilane und Schwarzstörche beobachtet, ihre Flugrichtung notiert und beim „Kuppengucken“ im zeitigen Frühjahr mitgeholfen, exakte Bewegungsprofile dieser beiden windkraftsensiblen und zugleich schutzwürdigen Arten zu erstellen.

Dass sich die BI über dieses Gutachten freut, liegt auf der Hand – wobei klar ist: Das Gutachten trägt die Namen Buchen und Braun, ist also kein Gutachten der BI. Aber der spielt es ins Blatt. Insbesondere die Tatsache, dass die Expertise mehrere Jahre abdeckt, ist für die BI von großer Bedeutung. „Es handelt sich nicht um eine Momentaufnahme, sondern um eine kontinuierliche Datenerhebung“, sagte Otterbach. Und so misst auch Christoph Gehrke dem Gutachten hohes Gewicht bei: „Aus artenschutzrechtlichen Gründen dürfen diese industriellen Anlagen nicht errichtet werden.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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