Für den Standort Kirchen gibt es diverse Optionen
Schicksalstage eines Krankenhauses

Den Krankenhaus-Standort Kirchen wird es weiterhin geben – nur wie die Rahmenbedingungen aussehen werden, ist derzeit völlig offen. Foto: Archiv
  • Den Krankenhaus-Standort Kirchen wird es weiterhin geben – nur wie die Rahmenbedingungen aussehen werden, ist derzeit völlig offen. Foto: Archiv
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Kirchen. Wenn am Dienstag nächster Woche der Aufsichtsrat der DRK-Trägergesellschaft Süd-West zusammenkommt, sollen sich die Temperaturen wieder in einem sommerlich-gemäßigten Bereich befinden. Doch während man heutzutage das Wetter einige Tage im Voraus ziemlich genau vorhersagen kann, ist dies beim Ausgang dieser Sitzung nicht der Fall. Die alles entscheidenden Fragen sind die: Senkt der Aufsichtsrat des DRK den Daumen über den Krankenhaus-Standort Kirchen oder nicht? Oder wird diese Entscheidung noch einmal vertagt?

Standort als solcher bleibt

Nun könnte man als aufmerksamer Zeitungsleser stutzig werden: Warum sollten Zweifel am Ergebnis aufkommen? In der Tat hatte Geschäftsführer Bernd Decker vor wenigen Tagen per Pressemitteilung ausdrücklich betont, dass das Krankenhaus nicht nur erhalten, sondern sogar noch gestärkt wird. Dies hat er zuletzt auch in persönlichen Gesprächen immer wieder bekräftigt. Zumindest am ersten Teil dieser Aussage darf man Decker beim Wort nehmen, dafür hat Kirchen einen zu großen Stellenwert im Landeskrankenhausplan. Doch keine Krankenschwester, kein Arzt und keine Verwaltungsangestellte lehnt sich deshalb entspannt zurück.

Kaul tendiert zur Abgabe

Denn da ist noch der Aufsichratsvorsitzende Rainer Kaul, der seinen Posten nun wahrlich nicht als Grüß-August versteht. Dem früheren Landrat des Kreises Neuwied wird nachgesagt, dass er von seiner eigenen Meinungen stets sehr überzeugt ist. Und was das Krankenhaus Kirchen angeht, lautet die – etwas flapsig ausgedrückt – so: weg damit! An dieser Haltung hat Kaul zuletzt keinen Zweifel gelassen. Es heißt, dass er das Krankenhaus lieber heute als morgen in die Verantwortung des Kreises Altenkirchen zurückgeben möchte – der sich dann um einen neuen Träger bemühen müsste. Diese „Disharmonie“ wird natürlich auch in Kirchen wahrgenommen – was zu einer quälenden Verunsicherung führt.

Ohnehin entsteht immer mehr der Eindruck, dass Kirchen bei der geplanten Umstrukturierung der Krankenhaus-Landschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz eine – sagen wir mal – untergeordnete Rolle spielt. Das Hauptaugenmerk scheint auf dem Westerwald und der Zukunft der beiden Krankenhäuser in Altenkirchen und Hachenburg zu liegen. Ob beide Kliniken, wie geplant, in einem Neubau auf der grünen Wiese verschmelzen, bleibt abzuwarten. Inzwischen gibt es erste Anzeichen dafür, dass doch noch in einem regional deutlich größeren Rahmen gedacht wird. Soll heißen: zentral im Westerwald ein großes Krankenhaus mit mehreren hundert Betten zu etablieren, das wirtschaftlich langfristig überlebensfähig ist. Kirchen ist bei diesen Überlegungen komplett außen vor – allein schon deshalb, weil der Standort mit den dann auftretenden Patientenströmen völlig inkompatibel ist.

Lage nicht so schlecht

Doch wie genau könnte die Zukunft für den klinischen „Grenzposten“ aussehen? Sollte sich das DRK am Dienstag tatsächlich zu Kirchen bekennen, wäre eine erste Maßnahme völlig kostenneutral: Ein Anfang wäre damit gemacht, diesen Standort nicht permanent selbst klein zu reden. Etliche Mitarbeiter vermuten dahinter seit Jahren eine gewisse Systematik. Denn so schlecht, wie immer kolportiert, ist die Lage gar nicht an. In Kirchen arbeiten weder Schamanen noch Kräuterhexen, auch das vom DRK mit 1,4 Mill. Euro angegebene Minus könnte man durchaus anders berechnen.

Warum nur "kommissarisch"?

Dabei gibt es durchaus Perspektiven, gerade auch personell bei wichtigen medizinischen Posten. Und Nicki Billig, der neue Kaufmännische Direktor, hat auf Anhieb einen guten Eindruck vor Ort hinterlassen, zumal er auch mit den notwendigen Kompetenzen ausgestattet wurde. Kompetenzen, die ein Klaus Schmidt nie hatte. Warum Billig die Zusatzbezeichnung „kommissarisch“ trägt, bleibt das Geheimnis der DRK-Geschäftsführung.

Ideen zur Stärkung sind da

Auch strukturell könnte man Kirchen ein ganz anderes Gewicht verleihen – wenn man denn nur will und darauf verzichten würde, die Klinik in ein Altenheim umzuwandeln. Ein Modell, das in politischen Kreisen diskutiert wird: Die Geburtshilfe von Hachenburg nach Kirchen verlagern. Mit dann rund 1600 Geburten im Jahr würde die Abteilung und damit auch das Krankenhaus zu einem Schwergewicht. Dann noch die Innere und die Pädiatrie neu aufstellen – und ab geht die Post.

Enders: Trägerschaft zweitrangig

Dass die Geburtshilfe durchaus ein gutes Beispiel für die Zukunftsfähigkeit des Hauses ist, glaubt u. a. der künftige Landrat Dr. Peter Enders. Auch er erwartet von der DRK-Trägergesellschaft nicht mehr und nicht weniger, als dass der Standort erhalten bleibt und gestärkt wird: „Das ist auch möglich.“ Dabei geht Enders erstaunlich pragmatisch mit dem Thema um: „Für mich ist nicht entscheidend, wer der Träger ist, sondern dass der Standort funktioniert.“

Zweifel an Kooperationen

Ob dazu die von der Geschäftsführung ins Auge gefassten Kooperationen mit den Siegener Krankenhäusern passen, daran werden auf beiden Seiten der Landesgrenze doch eher starke Zweifel laut. Eine solche Zusammenarbeit müsste sich für jeden der Partner buchstäblich rechnen, ohne dass es einen Verlierer und einen Gewinner gibt. Das erscheint im Gesundheitswesen des 21. Jahrhunderts wie die Quadratur des Kreises.

Blockbildung in Siegen

So kommt man zu der Variante, bei der sich Rainer Kaul durchgesetzt hätte: Das DRK verabschiedet sich von Kirchen. Und schon ist man wieder in Siegen – allerdings unter ganz anderen Voraussetzungen. Dieser Tage hat man nicht den Eindruck, dass beide „Blöcke“ kategorisch und dankend ablehnen würden, sich Kirchen einmal genau anzuschauen. Mit „Blöcken“ ist auf der einen Seite die Diakonie Südwestfalen (u. a. Jung-Stilling-Krankenhaus) und auf der anderen die selbsternannte Allianz aus St. Marienkrankenhaus, Kreisklinikum und Kinderklinik gemeint. Hier reift gerade eine Zusammenarbeit, die weit über den gemeinsamen Einkauf von Seife und Kugelschreibern hinaus gehen dürfte. Wer die NATO und wer der Warschauer Pakt ist, darf übrigens jeder selbst entscheiden. Beide haben jedenfalls Gesprächsbereitschaft signalisiert. Und zumindest mit einem der Geschäftsführer hat das DRK schon vor Wochen intensiv beraten.

Viele Patienten pendeln

Fest steht, dass schon jetzt tausende von Patienten aus dem eigentlichen Versorgungsgebiet des Kirchener Krankenhauses in Siegen behandelt werden und jede Seite für sich spezielle Verbindungen in den Kreis Altenkirchen reklamieren kann. Allein im Marien-Krankenhaus liegt der AK-Anteil bei 25 Prozent. Genauso klar ist aber auch, dass weder die Diakonie noch die Allianz ein 360-Betten-Haus übernehmen würden. Eine solche Größenordnung wäre schlicht nicht zu stemmen, und würde in einem Verbund auch keinen Sinn machen. Die Grundversorgung bliebe vor Ort, eventuell einhergehend mit einer Spezialisierung, alles andere würde in einer Entfernung von 20 Kilometern bzw. 20 Minuten geschehen.

Die Zeit läuft davon

Wenngleich das alles noch Zukunftsmusik ist, haben die Verantwortlichen des DRK dennoch keine Zeit mehr. So schnell wie möglich muss Klarheit und vor allem ein schlüssiges Konzept auf dem Tisch liegen. Denn am Ende entscheiden weder Krankenhaus-Manager noch Politiker über einen Standort, sondern allein die Mitarbeiter und Patienten.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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