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Problemlöser machen Schule besser
Schülerrat der Michaelschule ausgezeichnet

Für den Schülerrat der Michaelschule gab’s jetzt eine Urkunde. Wahrscheinlich haben sich die Kids aber deutlich mehr über das neue Klettergerüst gefreut, das ebenfalls ihrem Engagement zu verdanken ist.
  • Für den Schülerrat der Michaelschule gab’s jetzt eine Urkunde. Wahrscheinlich haben sich die Kids aber deutlich mehr über das neue Klettergerüst gefreut, das ebenfalls ihrem Engagement zu verdanken ist.
  • Foto: Daniel Montanus
  • hochgeladen von Timo Karl (Redakteur)

damo Kirchen. Auf dem Schulklo müffelt es nicht mehr, die Pausenglocke ist jetzt laut genug, und für den Schulhof wird kein Trampolin angeschafft: All das hat weder Lars Lamowski im stillen Schulleiter-Kämmerlein noch das Lehrerkollegium der Kirchener Grundschule eingetütet, sondern die Kinder selbst. Seit einiger Zeit gibt es an der Michaelschule nämlich ein Gremium, das genau die mitbestimmen lässt, um die es in der Schule wirklich geht: die Kinder. Und weil der Schülerrat einen ziemlich guten Job macht, ist er jetzt auf Landesebene ausgezeichnet worden. Es ist Mittwochmorgen, 10 Uhr. In der Mensa trudeln Klassensprecher und Schülervertreter aus den Klassenstufen 2 bis 4 ein.

damo Kirchen. Auf dem Schulklo müffelt es nicht mehr, die Pausenglocke ist jetzt laut genug, und für den Schulhof wird kein Trampolin angeschafft: All das hat weder Lars Lamowski im stillen Schulleiter-Kämmerlein noch das Lehrerkollegium der Kirchener Grundschule eingetütet, sondern die Kinder selbst. Seit einiger Zeit gibt es an der Michaelschule nämlich ein Gremium, das genau die mitbestimmen lässt, um die es in der Schule wirklich geht: die Kinder. Und weil der Schülerrat einen ziemlich guten Job macht, ist er jetzt auf Landesebene ausgezeichnet worden. Es ist Mittwochmorgen, 10 Uhr. In der Mensa trudeln Klassensprecher und Schülervertreter aus den Klassenstufen 2 bis 4 ein. Sie alle bilden gemeinsam den Schülerrat – und auch wenn sie mit Begriffen wie Demokratie oder Partizipation noch nicht viel anfangen können, werden sie in der kommenden Stunde genau diese Worte mit Leben füllen.
„Ich bin hier, weil ich weiß, dass wir damit unsere Schule besser machen“, sagt Philip. Und Anna ergänzt, dass „es an jeder Schule Probleme gibt, und die besprechen wir hier“. Und im Optimalfall besprechen die Kinder die Probleme nicht nur: Sie lösen sie auch.

Kinder denken in alle Richtungen

So zum Beispiel die Sache mit dem unangenehmen Geruch auf der Schultoilette. Der Schülerrat geschaut, wie man das Problem lösen kann. Und dabei haben die Kids in alle Richtungen gedacht: Klar, ein Duftspender könnte Abhilfe schaffen – aber der muss dann auch so angebracht werden, dass niemand dran rumspielen kann oder die Duftmischung ins Auge bekommt. Oder die Angelegenheit mit dem Trampolin: Im Wunsch- und Sorgenkasten der Schüler hatte ein Zettel gesteckt mit der Bitte, ein Trampolin aufzubauen. Also hat sich der Schülerrat mit dem Thema befasst – und schnell ein paar Haken entdeckt. Es können ja immer nur ein paar Kinder gleichzeitig hüpfen, und das gibt bestimmt Streit in den Pausen, oder? Und wer will garantieren, dass nicht irgendwann doch so viele Kinder gleichzeitig springen, dass das Gerät Schaden nimmt? Also stand am Ende der Diskussion fest: Nein, ein Trampolin ist keine gute Idee. Viel besser ist ein Klettergerüst, und so hat der Schülerrat seine Argumente an der richtigen Stelle vorgetragen: bei Bürgermeister Maik Köhler. Das neue Klettergerüst steht bereits.  Was man aus beiden Beispielen ablesen kann: Die Kinder gehen erstaunlich reflektiert an die Themen heran, sie suchen Pro- und Kontra-Argumente, und am Ende steht eine Entscheidung, die nicht willkürlich ist, sondern begründet. Darüber hinaus lernen die Kinder, wie sie ihre Entscheidungen umsetzen können: Wer ist der richtige Ansprechpartner, und welches der Kinder klemmt sich hinter das Thema?

"Ich bin immer wieder begeistert"

All das funktioniert erstaunlich gut, sagt Astrid Kötting. Sie ist die Lehrerin, die den Schülerrat begleitet, und im Gespräch mit der SZ wird zweierlei deutlich: Zum einen, dass ihr diese Aufgabe richtig viel Spaß macht. Und zum anderen, dass sie ganz schön stolz darauf ist, wie die Kinder in ihrem „Parlament“ arbeiten: „Ich bin immer wieder begeistert, wie gut die Kinder diese Arbeit erledigen.“
Ihre eigene Rolle interpretiert die Pädagogin ziemlich defensiv. Selbst dann, wenn in ihrem Kopf direkt zehn Warnlampen aufleuchten, die gegen ein bestimmtes Projekt sprechen, hält sie sich sich zurück. „Ich moderiere nur“, sagt sie – schließlich geht es ihr darum, dass sie Kinder selbst mögliche Fallstricke erkennen, ihre eigenen Überzeugungen einbringen und eine unverfälschte Entscheidung treffen. Sie ist am Ende dieses Prozesses diejenige, die die Beschlüsse als Sprachrohr des Schülerrats in die Schulkonferenz trägt.Natürlich werden manche Anregungen des Schülerrats vom Lehrerkollegium abgelehnt – aber die Kinder dürfen sich darauf verlassen, dass sie nicht nur die Negativ-Entscheidung übermittelt bekommen, sondern auch die Gründe, die dahinter stehen. „Die Kinder werden ernstgenommen“, sagt Schulleiter Lars Lamowski, „und sie machen die Erfahrung, dass sie mit guten Argumenten und Hartnäckigkeit ihre Ziele erreichen können“.

Unter den Top 5 im ganzen Land

Auch er ist von der Arbeit des Schülerrats begeistert, und so ist er nicht allzu überrascht, dass die Kinder unlängst unlängst ausgezeichnet worden sind: Bei einem Wettbewerb ist der Kirchener Schülerrat als einer der fünf besten im ganzen Land ausgezeichnet worden. Eigentlich hätte eine Kommission nach Kirchen kommen wollen, um noch das genaue Ranking innerhalb der Top 5 auszuloten – das ging wegen der Pandemie nicht. So gab’s am Ende nur einen Trostpreis: 50 Euro.Was mit dem Geld geschehen ist? Hat natürlich der Schülerrat entschieden. Nach einer kurzen Diskussion stand fest: Das Preisgeld wird in Gummibälle und Kreide investiert.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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