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Chaos beim Schülertransport
Schulbus lässt Kinder irgendwo raus - nicht aber an der Ersatzhaltestelle

Für die Freusburger Grundschüler ist die Fahrt mit dem Schulbus derzeit viel mehr Abenteuer, als sie und ihre Eltern sich das wünschen würden.
  • Für die Freusburger Grundschüler ist die Fahrt mit dem Schulbus derzeit viel mehr Abenteuer, als sie und ihre Eltern sich das wünschen würden.
  • Foto: Daniel Montanus
  • hochgeladen von Michael Sauer

damo Freusburg. Lenis Schulweg ist durchaus eine Herausforderung: Bis Euteneuen fährt kein Schulbus. Also müsste die Erstklässlerin morgens auf dem Weg nach Kirchen erstmal ein paar Stationen mit dem Linienbus fahren, in Freusburg aussteigen und dort 20 Minuten warten, bevor sie in einen Schulbus einsteigen könnte. Lenis Eltern ersparen ihr das und bringen sie morgens zum Schulbus nach Freusburg. Umständlich, aber: „Damit haben wir uns arrangiert“, sagt Anna Merak. Dass sie jetzt trotzdem gemeinsam mit einigen anderen Müttern auf die Barrikaden geht, hat einen anderen Grund: In Freusburg geht es in Sachen Schülertransport seit dem Ende der Herbstferien offenbar drunter und drüber.

Auslöser dessen, was die Eltern als heilloses Chaos beschreiben, ist ein Baukran.

damo Freusburg. Lenis Schulweg ist durchaus eine Herausforderung: Bis Euteneuen fährt kein Schulbus. Also müsste die Erstklässlerin morgens auf dem Weg nach Kirchen erstmal ein paar Stationen mit dem Linienbus fahren, in Freusburg aussteigen und dort 20 Minuten warten, bevor sie in einen Schulbus einsteigen könnte. Lenis Eltern ersparen ihr das und bringen sie morgens zum Schulbus nach Freusburg. Umständlich, aber: „Damit haben wir uns arrangiert“, sagt Anna Merak. Dass sie jetzt trotzdem gemeinsam mit einigen anderen Müttern auf die Barrikaden geht, hat einen anderen Grund: In Freusburg geht es in Sachen Schülertransport seit dem Ende der Herbstferien offenbar drunter und drüber.

Auslöser dessen, was die Eltern als heilloses Chaos beschreiben, ist ein Baukran. Der steht für einige Wochen im Nelkenweg – mit dem Ergebnis, dass der Schulbus nicht mehr den regulären Weg durch die Siedlung nehmen kann. Gut, könnte man meinen, wenn der Bus die reguläre Haltestelle vorübergehend nicht anfahren kann, gibt’s eben eine Ersatzhaltestelle. Aber ganz so einfach ist es offenbar nicht.

Schulbus in Euteneuen: Ersatzhaltestelle wird nur sporadisch angefahren

Denn die Eltern schildern abenteuerliche Szenen: Die Ersatzhaltestelle werde nur sporadisch angefahren, die Kinder würden irgendwo rausgelassen – mal auf der falschen Seite der dreispurigen B62, mal an der Haltestelle Backhausweg, mal im Tulpenweg.
Eine Logik, welche Bushaltestelle angesteuert wird, gibt’s offenbar nicht: „Weder die Kinder noch wir wissen, wo sie mittags rausgelassen werden“, sagt Kathrin Ehrlich. Manche der Kinder haben schon weinend an einer ihnen völlig fremden Bushaltestelle gestanden: Allein fänden sie den Weg nicht – und „wir können die Kinder nicht in Empfang nehmen, weil wir ja nicht wissen, wo sie aus dem Bus gelassen werden“, sagt Sandra Weber.

Das führt dann zu haarsträubenden Szenen: Anna Merak erzählt, dass ihre Tochter Leni mittags nicht auffindbar gewesen sei. „Mein Mann hat mich angerufen und gesagt: ,Die steht nirgends, ich hab schon alle Bushaltestellen abgefahren.’ Da macht man sich natürlich Sorgen.“
Leni ist zwar wieder aufgetaucht – aber dass sie an der Haltestelle Backhausweg stehen würde, konnte bis dato niemand ahnen. Mittlerweile haben die Eltern – betroffen sind locker 20 Kinder im Grundschulalter – eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet: Mittags tauschen sie sich aus, wo die Kinder stehen. Und sie bläuen den Kindern eine goldene Regel ein, berichtet Kathrin Ehrlich: „Egal wo ihr landet: Bleibt einfach stehen, wir holen euch.“

Ich hab jeden Tag ein blödes Gefühl: Klappt das mit dem Bus?
Kathrin Ehrlich
Mutter einer Erstklässlerin

Dass die Eltern und ihre Kinder mit dieser Situation alles andere als glücklich sind, liegt auf der Hand: „Ich hab jeden Tag ein blödes Gefühl: Klappt das mit dem Bus, oder klappt es nicht?“, sagt Kathrin Ehrlich. Mittlerweile intervenieren die Eltern – sogar schon im Bus: Kim-Michelle Koch ist am Montag eingestiegen und hat dafür gesorgt, dass die Kinder an einem adäquaten Haltepunkt rausgelassen werden.
Aber das kann nicht die Lösung sein. Selbstredend haben praktisch alle Betroffenen auch schon zum Telefon gegriffen: „Schule, Ordnungsamt, Busunternehmen, Stadt: Wir haben schon alle durch, aber einer schiebt dem anderen die Schuld zu“, sagt Sandra Weber.

Schulbus in Euteneuen: Westerwaldbus verspricht Lösung

Die SZ hat auf der Bindweide nachgehakt, schließlich ist die Westerwaldbus für den Schülertransport zuständig. Geschäftsführer Oliver Schrei stellt klar: „Das kann so nicht bleiben, schließlich liegen uns gerade die Kleinen am Herzen.“
Er erklärt die Missstände mit der schwierigen Verkehrssituation, die durch den Kran im Baugebiet entstanden sei. Erschwerend komme hinzu, dass die Ersatzhaltestelle mehrfach von Lastwagen blockiert gewesen sei. Gut möglich, dass zumindest das letztgenannte Problem bald entschärft ist: Ortsvorsteher Michael Bauer will an der Ersatzhaltestelle Halteverbotsschilder aufstellen. „Wenn unsere Busse dort Platz haben, fahren wir die Ersatzhaltestelle auch an“, kündigt Schrei an.

Außerdem sollen die Fahrer die Kinder darauf aufmerksam machen, dass sie nicht auf der falschen Seite der B62 aussteigen müssen, ergänzt Schrei: „Der Bus wendet ja und ist wenige Minuten später auf der richtigen Seite.“ Und: „Wir werden nochmal mit allen Fahrern und dem Subunternehmen sprechen.“
Schreis Fazit: „Wir tun alles dafür, dass hier eine vernünftige Lösung geschaffen wird.“ Leni und die anderen wären sicher sehr dankbar.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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