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Mudersbach und Brachbach
Schutz vor Hochwasser: Gemeinden sehen dringenden Handlungsbedarf

Bernhard Steiner, Ulrich Merzhäuser, Christian Peter und Steffen Kappes (v. l.) blicken mit zunehmender Sorge auf die üppig bewachsenen Siegufer. Bei einem Starkregen könnte das Treibgut zu großen Problemen führen.
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  • Bernhard Steiner, Ulrich Merzhäuser, Christian Peter und Steffen Kappes (v. l.) blicken mit zunehmender Sorge auf die üppig bewachsenen Siegufer. Bei einem Starkregen könnte das Treibgut zu großen Problemen führen.
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thor Mudersbach/Brachbach. „Das ist ein Dschungel, das ist einfach nur ein großer Dschungel.“ Bernhard Steiner, 1. Beigeordneter der Ortsgemeinde Mudersbach, steht auf der Brücke vor dem Kirmesplatz und schaut siegaufwärts. Nicht der Fluss prägt den Blick, sondern die dichte Vegetation auf beiden Uferseiten. Sieht eigentlich wildromantisch aus, ist aber ein Problem. Denn hier lauert eine immense Gefahr bei einem Starkregen. Findet nicht nur Steiner. Seine Sorge teilt er mit den Ortsbürgermeistern Christian Peter und Steffen Kappes sowie Ulrich Merzhäuser als Vorsitzender des Bürgervereins Mudersbach und somit „Hausherr“ des Kirmesplatzes. Gemeinsam traf man sich jetzt vor Ort, um den (dringenden) Handlungsbedarf aufzuzeigen.

thor Mudersbach/Brachbach. „Das ist ein Dschungel, das ist einfach nur ein großer Dschungel.“ Bernhard Steiner, 1. Beigeordneter der Ortsgemeinde Mudersbach, steht auf der Brücke vor dem Kirmesplatz und schaut siegaufwärts. Nicht der Fluss prägt den Blick, sondern die dichte Vegetation auf beiden Uferseiten. Sieht eigentlich wildromantisch aus, ist aber ein Problem. Denn hier lauert eine immense Gefahr bei einem Starkregen. Findet nicht nur Steiner. Seine Sorge teilt er mit den Ortsbürgermeistern Christian Peter und Steffen Kappes sowie Ulrich Merzhäuser als Vorsitzender des Bürgervereins Mudersbach und somit „Hausherr“ des Kirmesplatzes. Gemeinsam traf man sich jetzt vor Ort, um den (dringenden) Handlungsbedarf aufzuzeigen.

An den Ufern ist kaum noch ein Durchkommen.

Siegtal hat eine ähnliche Topographie wie Hochwassergebiet an der Ahr

Keine Frage: Die Katastrophe an der Ahr hat überall dort zu einem gedanklichen Automatismus geführt, wo Flüsse und Bäche in Tälern fließen: Kann das auch bei uns passieren? „Die Auswirkungen hier wären mindestens die gleichen gewesen“, sagt Kappes – und er muss es wissen. Gemeinsam mit Peter hat er als Feuerwehrmann in dem vom Hochwasser völlig zerstörten Gebiet geholfen. Die Topographie sei ähnlich wie im Siegtal, wenn auch etwas enger. In Brachbach und Mudersbach habe man dafür dass Problem, dass die Hänge aufgrund des Holzeinschlags kaum noch Wasser halten könnten, so Kappes.

Spätestens seit den Schäden in der Klotzbach in Kirchen ist das Thema in der Verbandsgemeinde allgegenwärtig, erhielt durch die jüngsten Ereignisse aber nochmals einen Schub. Bürgermeister Andreas Hundhausen setzt alles daran, dass Hochwasserschutzkonzept schnellstmöglich umzusetzen. Konkrete Maßnahmen sollen noch in diesem Jahr in Herkersdorf/Offhausen umgesetzt werden. Für die Kommunen geht es um die sogenannten Gewässer 3. Ordnung, also in Mudersbach beispielsweise den Ölsbach oder den Schindebach.

Bacheinläufe können schnell verstopfen

Christian Peter berichtet, dass man kürzlich nochmals alle neuralgischen Punkte abgegangen sei. Und der Mudersbacher Ortsbürgermeister machte gar keinen Hehl daraus, dass noch einiges getan werden muss. Oftmals befänden sich Gitter zu dicht vor den (verrohrten) Bacheinläufen, sodass es sehr schnell zu Verstopfungen kommen könne und sich das Wasser dann einen anderen Weg suche.

Von Bernhard Steiner war Peter dann auf die spezielle Problematik entlang der Sieg aufmerksam gemacht worden. „Die Natur bleibt hier sich selbst überlassen.“ Die große Gefahr hierbei: Bei einem Starkregen drohen viele Bäume und anderes Gehölz in die Sieg zu stürzen. Laut Uli Merzhäuser weisen etliche Weiden Fäulnis auf. Sämtliches Treibgut könnte in so einem Fall vor den zahlreichen Brücken zwischen Niederschelderhütte und Kirchen landen, denn die allermeisten verfügen über Stützpfeiler in der Sieg. Die Mudersbacher und Brachbacher haben dabei das Bild des in der Ahr treibenden Wohnwagens vor Augen, der unter einer Brücke bei Resch wie in einer Schrottpresse zermalmt wurde.

Die zahlreichen Brückenpfeiler in der Sieg könnten zu Hindernissen werden.

Feuerwehr Brachbach fischt riesigen Ast aus dem Wasser

„Die Zuständigkeit ist klar geregelt“, sagt Steiner. Für die Unterhaltung eines Flusses wie der Sieg sei die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord und damit das Land verantwortlich. Doch hier tue sich seit vielen Jahren wenig bis gar nichts. Liege ein Hindernis in der Sieg, kümmerten sich oftmals die Gemeinden selbst darum. Erst kürzlich habe die Brachbacher Feuerwehr noch einen riesigen Ast aus dem Wasser gezogen, erzählt Kappes. Dasss es früher anders war, ist auf alten Bildern zu erkennen. Als die Wiesen entlang der Sieg noch komplett bewirtschaftet wurden, konnte von einem Dschungel nicht die Rede sein.

Als die Siegwiesen noch bewirtschaftet wurden, konnte von einem „Dschungel“ noch nicht die Rede sein.
  • Als die Siegwiesen noch bewirtschaftet wurden, konnte von einem „Dschungel“ noch nicht die Rede sein.
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Und noch ein Gefahrenpotenzial lauert in Mudersbach: Entlang der Sieg im Bereich der Anschüttungen liegt der Hauptabwasserkanal. Dieser könnte – wie an der Ahr – ebenfalls beschädigt werden. Dann würden sich die Fäkalien von Oberschelden bis Mudersbach mit dem Hochwasser mischen. Die Kommunalpolitiker appellieren daher an die SGD Nord, ihrer Pflicht nachzukommen und sich intensiv mit der Situation an der Sieg zu beschäftigen.

Die eigenen Hausaufgaben will man jedenfalls erledigen. Dazu gehört für Steiner auch die Forstwirtschaft. Auf den Wegen müssten wieder Furten bzw. Querrinnen angelegt werden, damit der Regen in der Fläche bleibe und Grundwasser bilden können: „Das sind ganz einfache Mittel – das ist hier bei uns aber auch kein Streitthema.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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