Schwere Brocken schleppt hier keiner mehr

Seit 75 Jahren Grabmale Buhr:

Brachbacher Familienunternehmen feiert Jubiläum – Vier Frauen und ein Mann sorgen für Qualität

Brachbach. Wer heute noch glaubt, ein Steinmetzgeselle sei ein staubübersäter, kleiderschrankgroßer Kerl mit Händen wie ein Schaufelbagger und einer Feinmotorik wie eine Abrissbirne, hat entweder vom Steinmetz-Handwerk keine Ahnung oder hat schlichtweg vor 75 Jahren das letzte Mal einen solchen Betrieb gesehen. So lange gibt es nämlich schon den Steinmetzbetrieb Buhr in Brachbach. Am 1. Oktober feiern Willi-Gerd und Margret Buhr das 75-jähriges Bestehen des Familienunternehmens.

Zwei nette Mädchen

In der Werkstatt sitzen zwei adrette Blondinen, die weder einen verstaubten noch einen abgekämpften Eindruck machen. Simone Bender ist seit zehn Jahren im Unternehmen, Eva Demolt Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Wenn sie heute einen bearbeiteten Stein zur Freusburg hochbringen wollen, müssen sie kein Kuhgespann mehr fertigmachen, wie das noch der Gründungsvater des Betriebes, der aus Volkesfeld bei Mayen stammende Steinmetz Josef Buhr, tun musste.

Steinmetze aus der Eifel geholt

Sein erster Auftrag war eine Treppenstufe für das Haus Utsch, das heute noch steht. Seine Lehrzeit absolvierte Josef Buhr in einem Ettringer Steinmetzbetrieb, der Eifeler Tuff und Basaltlava verarbeitete. Seine Heirat mit Rosa Hellinghausen führte ihn nach dem Ersten Weltkrieg, den er als Kavallerist erlebte, nach Brachbach. Sieben Söhne und eine Tochter gingen aus dieser Ehe hervor. Alle, die anpacken konnten, mussten mitarbeiten. Opa Josef holte noch einige Eifeler Steinmetze ins Siegerland, die noch beim Scharriern (das Bearbeiten der Steinoberfläche mit dem Steinmetzknüppel und oder einem breiten Schlageisen) an den Gesimsen von Marienkrankenhaus, dem Bahnhof und dem ehemaligen Lyzeum in Siegen beteiligt waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Sohn Franz, der in Siegburg-Mülldorf das Steinmetzhandwerk erlernt hatte, in leitender Funktion in das Geschäft ein. Wie schon sein Vater und seine vier Brüder hatte auch er bei der Wehrmacht gedient. In der Not der ersten Nachkriegsjahre mussten die Kunden den Zement zur Herstellung von Kunststein selbst stellen. Geliefert wurde bis in den Hohen Westerwald, wo damals hauptsächlich in Naturalien „gezahlt” wurde.

Jubiläumstafel angefertigt

1958 begann Willi-Gerd Buhr, Franz Buhrs Sohn, seine Steinmetzlehre in Siegen. Anschließend folgte eine einjährige Ausbildung zum Bildhauer bei Obermeister Hubert Schiffer in Koblenz. Nach zwei Gesellenjahren und zwei Semester Studium an der Steinmetzfachschule in Mayen unter der Anleitung von Bildhauer Anton Woger legte Willi-Gerd Buhr schließlich vor der Handwerkskammer Koblenz die Meisterprüfung im Steinmetz- und Steinbildhauer-Handwerk ab. Danach besuchte er noch einige Seminare mit den Themenschwerpunkten „Moderne Grabmalgestaltung” und „Historische Schriften in Stein”. Heute leitet er das Familienunternehmen zusammen mit seiner Frau Margret. Er ist der Mann fürs „Grobe”, leitet den Verkauf und übernimmt auch gestalterische Aufgaben, sie überwacht die EDV und hat die Buchhaltung unter sich. Anlässlich des Jubiläums hat Eva Demolt eine Jubiläumstafel aus Diabas angefertigt, die Willi-Gerd Buhr in eine Mauer eingearbeit hat. Sie zeigt die Geschichte des Steinmetzbetriebes in Brachbach von den Anfängen bis in die Gegenwart. Was der Steinmetzmeister in Granit oder Diabas, seiner Lieblingsgesteinsart, haut, ist für die Ewigkeit gedacht. Zum einen, weil die Haupteinnahmequelle eines solchen Betriebes immer noch die Grabsteinproduktion ist, zum anderen, weil seine Erzeugnisse nahezu witterungsunempfindlich sind und Jahrzehnte, ja sogar Jahrhunderte überdauern können. Seine Arbeiten sind Visitenkarte und Werbetafeln in einem Stück. Auf nahezu allen Friedhöfen der Verbandsgemeinde stehen Grabsteine aus dem Hause Buhr. Sein Meisterstück steht auf dem Friedhof in Betzdorf, nur seine Gesellenarbeit fiel bereits dem Bagger zum Opfer. Darüber ärgert sich Buhr noch heute. Zu spät hat er davon erfahren, dass das Grab, für das er den Stein anfertigte, aufgelöst werde sollte. Jetzt liegt sein Gesellenstück auf einer Erddeponie.

Kreuz auf dem Schnabelberg

Von seiner Handwerkskunst zeugen aber noch andere Arbeiten. Die Wappen der Ortsgemeinde Scheuerfeld und des Kreises Altenkirchen zieren die Brunnenanlage in Scheuerfeld. Die Kriegsgräber auf dem Schnabelberg hat der Eifel-Steinmetz mit gebeilter Eifellava eingefasst und das fünf Tonnen schwere Kreuz aus bossiertem Eifelbasalt gemeißelt und dort aufgestellt. Um die Zukunft seines Betriebs macht sich Willi-Gerd Buhr keine Sorgen. Sein zweijähriger Enkelsohn Adrian klammert sich schon jetzt bei jedem Spaziergang an alle Steine, die sich in die Hosentasche stecken lassen. Auch mit dem Hammer kann er schon ganz gut umgehen. „Das Steinmetz-Handwerk scheint ihm im Blut zu liegen”, lacht Willi-Gerd Buhr, „das wird ganz sicher ein guter Steinmetz.” ruth

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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