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Coronavirus hat Holzvermarktung im Griff
See-Container hängen in China fest

Die Aufarbeitung der Käfer-Schäden in den Wäldern ist nach wie vor in vollem Gange (hier unterhalb von Katzenbach). Die Forstbetriebe müssen nun zusätzlich noch mit fehlenden Container-Kapazitäten fertig werden.
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  • Die Aufarbeitung der Käfer-Schäden in den Wäldern ist nach wie vor in vollem Gange (hier unterhalb von Katzenbach). Die Forstbetriebe müssen nun zusätzlich noch mit fehlenden Container-Kapazitäten fertig werden.
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  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Kreis Altenkirchen. Die Rettung für jeden Waldbesitzer ist groß, voluminös, viereckig und eigentlich ziemlich hässlich. Ein Hochsee-Container muss schließlich keinen internationalen Design-Preis gewinnen. In ihnen werden seit Wochen Abertausende Festmeter Käferholz aus den heimischen Wäldern abtransportiert.

Ob nun Wittgenstein, Sauerland, Siegerland oder Westerwald: Überall waren Haubergsgenossen und Förster froh, dass sich in der großen Krise mit China ein neuer Absatzmarkt erschlossen hatte. Wobei man über die Erlöse bzw. Rendite besser den Mantel des Schweigens decken sollte. Nun aber ist der Kreislauf unterbrochen – der Coronavirus sorgt dafür, dass nur noch wenige Container ihren Weg in hiesige Gefilde finden.

thor Kreis Altenkirchen. Die Rettung für jeden Waldbesitzer ist groß, voluminös, viereckig und eigentlich ziemlich hässlich. Ein Hochsee-Container muss schließlich keinen internationalen Design-Preis gewinnen. In ihnen werden seit Wochen Abertausende Festmeter Käferholz aus den heimischen Wäldern abtransportiert.

Ob nun Wittgenstein, Sauerland, Siegerland oder Westerwald: Überall waren Haubergsgenossen und Förster froh, dass sich in der großen Krise mit China ein neuer Absatzmarkt erschlossen hatte. Wobei man über die Erlöse bzw. Rendite besser den Mantel des Schweigens decken sollte. Nun aber ist der Kreislauf unterbrochen – der Coronavirus sorgt dafür, dass nur noch wenige Container ihren Weg in hiesige Gefilde finden.

Es ist dies ein Musterbeispiel dafür, dass a) selbst die kleinste Haubergsgenossenschaft mittlerweile Teil des komplexen Systems einer globalisierten Wirtschaft ist und b) der neue Virus weit mehr Auswirkungen hat als nur geschlossene Schulen und leergeräumte Nudel-Regale.

„Wir sind wie alle anderen Wirtschaftszweige betroffen“, sagt Frank Schneider, der beim Forstamt Altenkirchen die Holzvermarktung koordiniert. Denn in der Tat teilt die vom Borkenkäfer angenagte Fichte das Schicksal mit Turnschuhen, Spielzeug und Motorenteilen. Die Sorgen um die Weltkonjunktur sind hinlänglich bekannt.

Fakt sei, dass viele Schiffe mit dem Käferholz derzeit in China gar nicht mehr entladen würden, weil die Arbeiter unter Quarantäne gestellt seien oder aus welchen Gründen auch immer. „Das stockt schon gewaltig. Für uns ist das ein großes Problem.“ Denn die Folgen sind klar: Wird die Ladung nicht gelöscht, kann der Container auch nicht leer oder mit neuer Ware zurückgeschickt werden. Überdies hat Schneider aus China gehört, dass in einem großen Sägewerk die Hälfte aller Anlagen stillsteht. Dabei sei der Hunger nach Holz nach wie vor riesengroß.

Auch das Prinzip von Angebot und Nachfrage gilt in diesem Fall: Wo etwas knapper wird, wird es auch teurer: „Die Kosten pro Container sind schon um einiges gestiegen“, berichtet Schneider. Die spannende Frage, die daraus resultiere: „Inwieweit ist man bereit, mit den Preisen noch weiter runterzugehen?“

Der Forstamt Altenkirchen steht demnach in ständigem Kontakt mit den Exporteuren. Dort gehe man davon aus, dass der Höhepunkt des Stillstands erreicht ist. Ob das freilich eine seriöse Einschätzung oder nur ein Vertrösten ist, kann Schneider nicht sagen. Inzwischen hat das Forstamt reagiert und sich umorientiert. In den vergangenen Tagen ist vermehrt Holz in die Benelux-Länder geliefert worden. „Noch geht die Welt nicht komplett unter“, meint Schneider, wobei er damit nicht nur die Vermarktung der Fichtenstämme im Blick hat. Gleichwohl müsse sich die Situation möglichst zeitnah entspannen.

Nun ist im Kreis Altenkirchen natürlich nicht nur das Forstamt betroffen. Viele private Waldbesitzer haben Unternehmer damit beauftragt, das Käferholz nach Fernost zu verkaufen. Neben dem Forstbetrieb Utsch aus Katzenbach ist das die Firma Pfau aus Derschen. „Wir bekommen noch Container“, berichtete Geschäftsführer Ulrich Pfau, wobei es zunehmend schwieriger werde. Schon vor Wochen habe man gemerkt, dass mit Ausfällen zu rechnen sei. Und so habe man frühzeitig reagiert und ebenfalls neue Kanäle in die Benelux-Länder aufgetan. Der Vorteil sei, dass man als Privatunternehmen die Kette vom stehenden Baum bis zum Verkauf komplett abdecke. „Wir können so auf Kundenwünsche schnell reagieren. Das hilft uns in der Vermarktung.“

Dabei habe sich, bedingt durch den Windwurf der vergangenen Wochen, die Situation für die Waldbesitzer noch einmal doppelt verschärft, betonte Pfau. Denn zum einen sei so neues Brutmaterial für den Borkenkäfer entstanden, zum anderen liege in den Wäldern nun eine Mischung aus Frischholz und Käferholz. Beides könne man aber nur zum Preis der schlechteren Qualität verkaufen, obwohl die Erwartungshaltung der Waldeigentümer eine andere sei, weiß der Forstunternehmer, der selbst Haubergsvorsteher ist.

Die Perspektive ist also entsprechend düster: Sollte der Corona-Virus weiter die Weltwirtschaft und vor allem die „Werkbank China“ schwächen, dürfte unter den Genossenschaften die Verzweiflung weiter wachsen. Nicht nur, dass über Jahrzehnte entstandene Werte vernichtet wurden, so nähert man sich dem Punkt, an dem mit Holz kein müder Cent mehr verdient werden kann.

Die Aufarbeitung der Käfer-Schäden in den Wäldern ist nach wie vor in vollem Gange (hier unterhalb von Katzenbach). Die Forstbetriebe müssen nun zusätzlich noch mit fehlenden Container-Kapazitäten fertig werden.
Auch auf der Lurzenbach wird Giebelwald-Holz in Container verladen.  Archivfoto: rt
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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