SZ

Trockene Sommer und Brachen
So stellt sich der Wasserverein auf den Klimawandel ein

So sieht's rund um den Mudersbacher Wasserstollen aus: Wo einst ein Wald das Wasser gespeichert und gefiltert hat, ist heute nur noch eine Brachfläche geblieben. Aber der Verein hat die Herausforderungen erkannt und bereits die Weichen neu gestellt.
  • So sieht's rund um den Mudersbacher Wasserstollen aus: Wo einst ein Wald das Wasser gespeichert und gefiltert hat, ist heute nur noch eine Brachfläche geblieben. Aber der Verein hat die Herausforderungen erkannt und bereits die Weichen neu gestellt.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Trockene Sommer und Brachen, wo einst Wälder das Wasser gefiltert haben: Die Mudersbacher Wasserwerker reagieren.

Trockene Sommer und Brachen, wo einst Wälder das Wasser gefiltert haben: Die Mudersbacher Wasserwerker reagieren.

damo Mudersbach. Auch im Siegerland wird's immer schwerer, die Folgen des Klimawandels zu übersehen. Und das gilt selbstverständlich auch in Mudersbach, wo ein Verein im besonderen Maße mit trockenen Sommern und abgeholzten Wäldern zu kämpfen hat: der Wasserverein. Aber die ehrenamtlichen Wasserwerker haben die Herausforderungen erkannt und ganz offensichtlich gut darauf reagiert.

Wasserverein Mudersbach musste Wasser zukaufen

Die Ausgangslage ist in den vergangenen Jahren schwieriger geworden: Drei trockene Sommer haben dazu geführt, dass das Wasser in den eigenen Stollen phasenweise nicht mehr ausgereicht hat, um den Ort zu versorgen. Also musste zugekauft werden, und zwar teilweise im großen Stil: In den Jahren 2019 und 2020  hat der Verein ein Viertel des Wassers aus der Wiehltalsperre des Aggerverbands beziehen müssen. Diese Zahlen präsentierte Vorsitzender Thomas Wolff jetzt im Rahmen der Jahreshauptversammlung. Natürlich ist die Leitung zum Hochbehälter in der Wittersbach für den Verein von elementarer Bedeutung: Sie garantiert, dass selbst in trockensten Zeiten genügend Wasser für die Bevölkerung zur Verfügung steht. Aber eben nicht zum Nulltarif: Das Wasser muss bezahlt werden.

Kein Wunder also, dass der Wasserverein schon seit geraumer Zeit nach Lösungen sucht. Weitere Stollen anzuzapfen, scheidet praktisch aus: "Wir haben einfach keine zusätzlichen Stollen, die wir nutzen können", sagt Wolff im Gespräch mit der SZ. Und dass die Hänge oberhalb des Dorf dank ihrer Süd-West-Ausrichtung im hohen Maße sonnenexponiert sind, machts nicht einfacher − Stichwort Verdunstung.

Wasserverein Mudersbach stellt die Weichen für die Zukunft

Und doch hat der Verein längst die Weichen gestellt, um möglichst wenig Wasser zukaufen zu müssen: Das Wasserwerk Mudersbach arbeitet seit geraumer Zeit daran, das Wasser aus den eigenen Stollen noch effektiver nutzen zu können. Ein großer Punkt: Die Verluste im Leitungsnetz sind drastisch reduziert worden. Im Jahr 2019 sind noch 27 von 100 Litern irgendwo auf dem Weg zwischen Hochbehälter und Privathaushalt versickert, mittlerweile betragen die Verluste kaum noch 10 Prozent. "Das war das wichtigste Thema der vergangenen drei Jahre"; sagt Wolff, "und das wird es auch bleiben". Die deutliche Reduzierung des Wasserverlusts möglich gemacht hat eine intensive Netzanalyse. Suchschachtungen, eine Teilung des Netzes in überschaubarere Einheiten, die externe Kompetenz einer Fachfirma und die Anschaffung eines Leckortungsgeräts: All das hat bereits Früchte getragen.

Aber es gibt noch eine zweite Folge des Klimawandels, die die Mudersbacher immer wieder zu Wasser-Zukäufen zwingt: die kahlen Bergrücken. Es ist nämlich nicht nur Fichtenwald verloren gegangen, sondern mit ihm auch die Filterfunktion intakter Wälder. "Durch die fehlende Vegetation sickert der Regen viel zu schnell ins Erdreich ein und löst dabei offenbar viel mehr kleinste Bodenbestandteile als zuvor", erklärt Wolff. Die Konsequenz:  Obwohl der Wasserverein bereits einen Vorfilter installiert hat, ist die Trübung des Wassers durch Sedimente oft so groß, dass die Hauptfilteranlage ausfällt. Und dann muss wieder Wasser gekauft werden. "Der Vorfilter wird auf lange Sicht nicht mehr ausreichen. Schon jetzt werden die Reinigungsintervalle immer kürzer", berichtet Wolff. Fazit: "Wir werden uns über komplexere Filterlösungen Gedanken machen müssen."

Wasserverein Mudersbach muss große Investitionen stemmen

Das ist nicht einzige große Investition, die der Verein bewältigen muss: Auch die Leitung für die Wassernotversorgung, die den vereinseigenen Hochbehälter Barbarbastraße mit dem Hochbehälter der Werke in der Wittersbach verbindet, ist in die Jahre gekommen. Ein erstes Teilstück ist bereits ausgetauscht worden, in den kommenden Jahren soll der Rest folgen. Und auch am Becken des Hochbehälters sind Sanierungsarbeiten nötig: "Der Hochbehälter  stammt noch aus den 1950er-Jahren", erklärt Geschäftsführer Gerd Kölzer, "deshalb müssen wir bald handeln".

All das wird ein eingespieltes Team übernehmen: Bei der Jahreshauptversammlung sind die bisherigen Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern bestätigt worden.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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