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Mini-PV-Anlage deckt Großteil des Strombedarfs ab
Solarmodule auf dem Gartenhaus

Roland Kram ist mittlerweile Energieproduzent aus Überzeugung: Seine Mini-PV-Anlage liefert ihm einen Großteil des täglich benötigten Stroms in seinem Haus.
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  • Roland Kram ist mittlerweile Energieproduzent aus Überzeugung: Seine Mini-PV-Anlage liefert ihm einen Großteil des täglich benötigten Stroms in seinem Haus.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

thor Kirchen. Wenn Roland Kram dieser Tage zu seinem Rasenmäher greift, dann geht ihm die Arbeit besonders leicht von der Hand. Zugegeben, es gibt im Siegerland und im Westerwald auch deutlich steilere Grundstücke als hier am Queckhahn. Aber das ist auch nicht der entscheidende Faktor für die gute Laune des Kircheners: Kram schiebt seinen mit Akku ausgestatteten Mäher in der Gewissheit über den Rasen, dass er den dafür notwendigen Strom komplett selbst erzeugt hat. Dabei muss man als Besucher zweimal hinschauen, um das „Kraftwerk“ zu entdecken. Optisch perfekt integriert befinden sich auf dem Dach des kleinen, schmucken Gartenhäuschens zwei Solar-Module.
Photovoltaik für den EigenbedarfEs ist dies das Herzstück einer Mini-PV-Anlage, die Kram im Juli installiert hat.

thor Kirchen. Wenn Roland Kram dieser Tage zu seinem Rasenmäher greift, dann geht ihm die Arbeit besonders leicht von der Hand. Zugegeben, es gibt im Siegerland und im Westerwald auch deutlich steilere Grundstücke als hier am Queckhahn. Aber das ist auch nicht der entscheidende Faktor für die gute Laune des Kircheners: Kram schiebt seinen mit Akku ausgestatteten Mäher in der Gewissheit über den Rasen, dass er den dafür notwendigen Strom komplett selbst erzeugt hat. Dabei muss man als Besucher zweimal hinschauen, um das „Kraftwerk“ zu entdecken. Optisch perfekt integriert befinden sich auf dem Dach des kleinen, schmucken Gartenhäuschens zwei Solar-Module.

Photovoltaik für den Eigenbedarf

Es ist dies das Herzstück einer Mini-PV-Anlage, die Kram im Juli installiert hat. Eine solche Anlage, wie er sie jetzt besitzt, ist ausschließlich für den Eigenbedarf konzipiert. Und nach zwei Monaten im Betrieb weiß der Kirchener schon ziemlich genau, dass bei Weitem nicht nur der Rasenmäher autark seinen Dienst verrichtet.

Anlagen werden günstiger

Zwar hat die Elektrotechnik weite Teile seines (beruflichen) Lebens bestimmt, die erneuerbaren Energien standen allerdings nie besonders im Fokus – sieht man vom alten Holzofen im Wohnhaus ab, in dem jeden Winter vier Festmeter verfeuert werden. Durch Aktivitäten von Verwandten wurde Kram schließlich auf die Mini-PV-Anlagen aufmerksam. Ohnehin ist deren Betrieb erst seit dem Jahr 2017 für Privathaushalte erlaubt. Binnen kürzester Zeit ist allerdings ein riesiger Markt entstanden mit der Folge, dass die Anlagen nicht nur ausgereifter, sondern auch deutlich günstiger geworden sind.

Energieverbrauch klären

Eine der wichtigsten Fragen vorab war für Kram: „Was habe ich für eine Grundlast?“ Dazu zählt der Energieverbrauch z. B. von Lampen, Kühlschrank/Truhe, Telefon, PC und TV, Ladegeräte, Heizung und Umwälzpumpen. Das Ziel: All diese Geräte möglichst komplett mit der Kraft der Sonne hoch über dem Siegtal zu versorgen. Nicht berücksichtigt seien bei dieser „Rechnung“ aufgrund der Watt-Zahlen Föhn, Toaster, Mikrowelle und Co., wobei natürlich auch deren Betrieb unterstützt wird.

Elektro-Kenntnisse hilfreich

Kram entschied sich beim Kauf seiner Anlage für einen deutschen Hersteller, die Kosten für das Paket lagen bei etwas über 600 Euro. Wichtigster Bestandteil ist neben den beiden Modulen in der Größe von 1,67 mal 1,05 m ein Wechselrichter, der den erzeugten Wechselstrom umwandelt. „Es ist eigentlich ein Plug-and-play-System“, erzählt Kram. Wobei man fairerweise sagen muss, dass für eine komplette Installation mit Anschluss an das Hausnetz neben handwerklichem Geschick auch Elektro-Grundkenntnisse vorhanden sein müssen. Gleichwohl halten sich die Kosten auch bei Hilfe durch einen professionellen Elektriker in Grenzen.

Hausarbeit nach Energie richten

Beachtet werden muss zudem, dass im Haus ein Zähler mit Rücklaufsperre oder ein Zweirichtungszähler vorhanden ist. Denn gerade an sehr sonnigen Tagen kommt es vor, dass mehr Strom als eigentlich benötigt, produziert wird und dieser Überschuss dann ins öffentliche Netz fließt. Auch Kram kennt das schon. Um dem entgegenzuwirken, hat sich manche Arbeit im Haushalt dahingehend verändert, dass nun genau darauf geschaut wird, wann gerade wie viel Energie zur Verfügung steht.

Das Display zeigt jederzeit die ankommende Energie an.

Kram selbst geht bei seiner Anlage von einer Jahresbilanz von 550 KW/h aus. Setzt er nun einen (konstanten) Strompreis von 25 Cent pro Kilowattstunde an, kommt er auf 137 Euro Ersparnis. Was für ihn persönlich bedeutet, dass sich die Anlage nach nur fünf Jahren amortisiert hätte. Dieser Zeitraum kann natürlich je nach Investition, Standort und Stromverbrauch schwanken, dennoch gehen die Hersteller von maximal acht Jahren aus.

Solarmodul auf dem Gartenhaus, Carport oder Balkon

Die Solarmodule selbst sind so kompakt und leicht, dass sie fast überall ihren Platz finden, ob nun auf Gartenhäusern, Carports, Balkonen oder aufgeständert im Garten. Selbstverständlich können sie auch auf jedes „normale“ Dach montiert werden. Die einzige Bürokratie: Die Mini-PV-Anlagen müssen anschließend nicht nur beim Versorger angemeldet werden, sondern auch bei der Bundesnetzagentur, wo sie in das Marktstamm-Datenregister eingetragen werden. Das war’s. „Ich bin froh, dass der Staat hier noch nicht die Hand aufhält“, sagt Kram,

Leistung auch bei bedecktem Himmel

Inzwischen hat sich der Kirchener jede Menge Fachwissen angelesen und darf mit Recht als Experte bezeichnet werden. So weiß er auch inzwischen, dass die ganz heißen und sonnigen Tage im Hochsommer eigentlich suboptimal sind, weil die Solarmodule aufgrund der entstehenden Hitze nicht ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten können. Wesentlich effektiver seien da klare Tage im Frühjahr, wenn die Sonne auch schon recht hoch stehe. Doch selbst bei bedecktem Himmel kommt immer noch Leistung an.

Erster Anlagenbetreiber in Kirchen

Kram selbst staunt immer noch selbst darüber, dass die Vorteile dieser kleinen Kraftwerke so wenig bekannt sind. Ihm selbst wurde vom Netzbetreiber EAM bei der Abnahme mitgeteilt, dass er der erste Anlagenbetreiber in Kirchen sei. Inzwischen aber ist aus Kram ein echter „Überzeugungstäter“ geworden, soll heißen: In der Nachbarschaft, bei Freunden und Verwandten hat er für diese Art der dezentralen Energieversorgung höchst erfolgreich die Werbetrommel gerührt. Auch bei „Kollegen“ des Reparaturcafés in Betzdorf, wo sich Kram ehrenamtlich engagiert, sei der Funke übergesprungen: „Die laufen jetzt fünf Mal am Tag zur Ablese-Uhr, um nachzuschauen, wieviel Energie gerade ankommt.“
Kram selbst ist mittlerweile fest davon überzeugt, dass dieses System einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der Energiewende beitragen kann. „Wenn jedes Haus eine solche Anlage hätte – stellen Sie sich mal vor, was wir dann einsparen könnten. Dann wären viele große Kraftwerke überflüssig.“

Noch keine Nachfolgeregelung für Einspeise-Vergütung Es ist mitunter nicht nur eine Freude, als eigener Energieproduzent bzw. -lieferant aufzutreten. Willi Sturm aus Daaden ist jedenfalls momentan mächtig sauer: Er hat vom Netzbetreiber EAM dieser Tage einen Brief bekommen, in dem der Vertrag über die Einspeisung und Vergütung seiner mittels Photovoltaik-Anlage gewonnenen Energie zum 31. Dezember gekündigt wird. Nach 20 Jahren laufe die entsprechende Regelung aus, man komme somit nur den gesetzlichen Vorgaben nach. Das weiß auch Sturm, schließlich kann er Verträge lesen. Und so richtet sich sein Zorn auch nicht gegen die EAM, sondern die Politik. Denn die habe es versäumt, rechtzeitig für eine Nachfolgeregelung zu sorgen. Und was den Daadener besonders auf die Palme bringt: Unter Umständen muss er seine PV-Anlage technisch umrüsten. Dabei gehört Sturm zu den Pionieren der Solarenergie in der heimischen Region. Schon 1997 hat er sich für die Installation einer Photovoltaikanlage entschieden, seit 2001 speist er ins öffentliche Netz. „Und die Anlage läuft noch wie am ersten Tag“, sagt Sturm. Eine Nachrüstung wäre für ihn deshalb eine politische „Frechheit“. Dass es derzeit für die entsprechenden Kunden eine unbefriedigende Situation ist, weiß man auch in der EAM-Zentrale in Kassel. „Auch wir warten derzeit noch auf Antworten und schwimmen noch ein bisschen im Dunkeln“, erklärte Pressesprecherin Sandra Hübner. Es gebe wohl schon einen Referentenentwurf im Wirtschaftsministerium, aber Konkretes sei den Netzbetreibern noch nicht bekannt. „Wir hoffen aber, dass es für alle Beteiligten zu einer guten Lösung kommt“, so Hübner.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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