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Erfolgreich durch die Corona-Krise
Spuckschutz aus Kirchen

Geschäftsführer David Halbe (l.) und Produktionsleiter Matthias Wisser mit einem Rahmen, für den die Firma Halbe seit Jahrzehnten international bekannt ist.
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  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Kirchen. Gewinner der Krise. So könnte man es formulieren, doch damit würde man David Halbe nicht gerecht. Klingt es doch so, als würden er und seine 60 Mitarbeiter von der Not anderer profitieren. Was so in keiner Weise zutreffend ist. Denn die Tatsache, dass die Firma Halbe-Rahmen höchst erfolgreich durch die Pandemie steuert, hat ganz andere Gründe. „Wir haben verdammt viel Glück gehabt“, sagt Halbe – und beweist damit, dass er in Sachen Understatement als Apfel nicht weit vom Stamm entfernt gefallen ist. Auch Vater Heinrich, Ende vergangenen Jahres aus der Firma ausgeschieden, war nie ein Lautsprecher. Glück, ja. Aber auch die richtigen Entscheidungen und gute Produkte haben dazu beigetragen, dass David Halbe in diesen wirtschaftlich so fragilen Zeiten durchaus entspannt ist.

thor Kirchen. Gewinner der Krise. So könnte man es formulieren, doch damit würde man David Halbe nicht gerecht. Klingt es doch so, als würden er und seine 60 Mitarbeiter von der Not anderer profitieren. Was so in keiner Weise zutreffend ist. Denn die Tatsache, dass die Firma Halbe-Rahmen höchst erfolgreich durch die Pandemie steuert, hat ganz andere Gründe. „Wir haben verdammt viel Glück gehabt“, sagt Halbe – und beweist damit, dass er in Sachen Understatement als Apfel nicht weit vom Stamm entfernt gefallen ist. Auch Vater Heinrich, Ende vergangenen Jahres aus der Firma ausgeschieden, war nie ein Lautsprecher. Glück, ja. Aber auch die richtigen Entscheidungen und gute Produkte haben dazu beigetragen, dass David Halbe in diesen wirtschaftlich so fragilen Zeiten durchaus entspannt ist. Dabei hatte sich der Kirchener das Jahr 1 nach dem Wechsel auf die dritte Generation im 1946 gegründeten Unternehmen deutlich anders vorgestellt. Als vor Monaten bei den ersten Veranstaltungen der Branche im späten Winter die Teilnehmer aus Asien ausblieben, dachte sich Halbe nichts dabei, das Virus war schließlich noch tausende Kilometer entfernt. „Das hatte noch keinen Einfluss auf die Zahlen, das Leben ging weiter.“ Dann ging es rasend schnell, am 15. März kam der Lockdown, an der Herrenwiese brach von jetzt auf gleich der Umsatz um 50 Prozent ein. Die Schockstarre war da.

Spuckschutz und Visiere

Nein, sagt Halbe, die Dimension der Krise habe er da noch nicht überschaut. Und zunächst sei es einfach nur darum gegangen, die Arbeit im Betrieb neu zu organisieren. „Dann sichtet man auch mal die Unterlagen zur Kurzarbeit und schaut sich die Liquidität genauer an“, sagt Halbe. Doch im Gegensatz zu vielen seiner Unternehmer-Kollegen schickte er nicht sofort die Anträge los. Unter dem Motto „Das Beste draus machen“ entwickelten die Kirchener stattdessen schon Mitte März Spuckschutz und Visiere. Der Rettungsanker? Halbe winkt ab: „So ein fundamentaler Gedanke steckte gar nicht dahinter.“ Vielmehr wusste man im Unternehmen, dass man das Know-how und die technischen Voraussetzungen besitzt, um die neuen Produkte zu fertigen. Vor allem aber: Dass man sofort liefern kann. Der nach Angaben von Halbe „sehr, sehr breite“ Kundenkreis sei sofort per Newsletter über das neue Angebot informiert worden. Erst hätten Ärzte und Kliniken bestellt, dann Behörden – und später auch die Wirtschaft für die eigenen Büroräume. „Und zwar als registriert wurde, dass Corona so schnell nicht vorbei ist.“ Einzig limitierender Faktor sei die Materialbeschaffung gewesen, erzählt der Geschäftsführer. Der Spuckschutz sei am Anfang sicherlich eine Notlösung gewesen, und Halbe deutet an, dass mancher Mitarbeiter auch mit der Nase gerümpft hat. Aber: „Es ist inzwischen ein fast gleichwertiges Produkt. Ich hoffe aber, dass es kein gleichwertiges Produkt bleiben wird“, sagt er mit Blick auf die Nach-Corona-Zeit.

Online-Shop hat in der Krise geholfen

Nun wäre es aber völlig falsch, den Erfolg nur an den Trennwänden aus Plexiglas festzumachen. Die Firma Halbe-Rahmen, auch so könnte man es sagen, war gut vorbereitet, was Vertrieb und Marketing angeht. „Wir hatten schon vorher Dinge angestoßen, die uns jetzt sehr weitergeholfen haben. Unser Online-Shop hat uns durch die Krise gebracht“, fasst es der Unternehmer zusammen. Über diese eigene Plattform (ein Versuch bei Amazon wurde ganz schnell abgebrochen) konnte nicht nur der Spuckschutz verkauft werden, sondern auch die klassischen Bilderrahmen. Denn auf einmal boomte das Privatkundengeschäft – die Deutschen hatten nun mal Zeit, sich intensiv mit der Gestaltung ihrer eigenen Wände zu beschäftigen. Und während die Museen und Kulturschaffenden als potenzielle Abnehmer von Rahmen lahmgelegt waren, wurde fleißig kleinteilig, aber durchaus auch im hochpreisigen Segment bestellt. Als dann im Laufe des Sommers wieder im Zuge der allgemeinen Lockerungen Großkunden geordert hätten, habe man vom Verzicht auf die Kurzarbeit profitiert, berichtet Halbe. Denn im Gegensatz zu Wettbewerbern sei die Lieferfähigkeit jederzeit zu 100 Prozent gegeben gewesen. Die Folge: In die Kundendateien sind in den vergangenen Wochen viele neue Namen eingepflegt worden.

Zahlen fast besser als vor Corona

Es wirkt fast so, als wäre Halbe die nächste Nachricht fast ein bisschen peinlich: „Die aktuellen Zahlen sind eigentlich besser als vor Corona.“ Doch von Euphorie keine Spur, im Unternehmen genießt man eher die Freude über den Moment bzw. die Gewissheit, vieles richtig gemacht zu haben. „Ich habe aber auch oft genug schlecht geschlafen“, will Halbe nicht alles in rosaroten Bildern gemalt haben. Das sagt er auch, weil sich nach wie vor die weitere Entwicklung nur sehr schwer prognostizieren lässt. So glaubt er z. B. nicht mehr daran, dass die Automobilindustrie auch künftig noch Bilderrahmen im großen Stil ordern wird: „Die haben ganz andere Probleme.“ Halbe-Rahmen selbst gehört zu jenen Firmen, die gewisse Lehren aus der Pandemie ziehen und Lerneffekte mitnehmen. „Viele Dinge, die vorher unmöglich waren, sind jetzt normal.“ Kundenbesuche und Messen gehörten für die Kirchener zum Alltag – das war einmal. Erst gestern war noch ein Team für einen Videodreh an der Herrenwiese. „Digitale Produktpräsentation“, so lautet das Zauberwort. „Das ist jetzt fester Bestandteil des Unternehmens“, erklärt Halbe. Sein Dank gilt ein halbes Jahr nach dem Beginn der Corona-Krise auch den Mitarbeitern. Denn die hätten immer mitgezogen und auch die notwendige Flexibilität gezeigt, die solch eine Zeit erfordere. Und am Ende verweist Halbe nochmals auf das enorme Glück. Doch das muss man sich bekanntlich erarbeiten und verdienen. Genau das ist in Kirchen passiert.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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