Schäfer fordern intensive Bejagung
Tabuzonen für Wölfe?

Über die Ansichten des „Fördervereins der Deutschen Schafhaltung“ kann man sicher trefflich diskutieren. Unser Bild zeigt die beiden Vorstandsmitglieder Wendelin Schmücker (l.) und Gerd Dumke (r.) im Dialog mit Frank und Gabi Klein.  Foto: damo
  • Über die Ansichten des „Fördervereins der Deutschen Schafhaltung“ kann man sicher trefflich diskutieren. Unser Bild zeigt die beiden Vorstandsmitglieder Wendelin Schmücker (l.) und Gerd Dumke (r.) im Dialog mit Frank und Gabi Klein. Foto: damo
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Niederfischbach. Das Leben eines Wanderschäfers ist nur auf den ersten Blick idyllisch: Nicht nur, dass die Tiere auch bei Dreckwetter versorgt sein wollen und landwirtschaftliche Nutzflächen zunehmend hart umkämpft werden – es sind vor allem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die dazu führen, dass Schäfer, die mit ihren Herden von Wiese zu Wiese ziehen, immer seltener werden. Dass jedes zusätzliche Problem existenzbedrohend werden kann, liegt auf der Hand – und damit auch, dass die Schäfer den Rückkehrer Wolf alles anders als freudig begrüßen. Das wurde am Freitag einmal mehr bei einem Pressegespräch im Niederfischbacher Ortsteil Hahnhof deutlich.

Dort stehen im Moment die Schafe von Gabi und Frank Klein – die beiden arbeiten nach wie vor als klassische Wanderschäfer. Soll heißen: Sie lassen ihre Herde da grasen, wo sie willkommen sind, sie verfügen nicht über eigene (Pacht-)Flächen. Und das wiederum führt dazu, dass die Kleins wahrscheinlich der einzige landwirtschaftliche Betrieb weit und breit sind, der keinerlei Prämien bezieht. Denn die EU-Landwirtschaftssubventionen sind an Fläche gebunden – pro Hektar gibt es je nach Art der Bewirtschaftung unterschiedliche Prämien. Diese Geldtöpfe sind für Gabi und Frank Klein unerreichbar, sie müssen tatsächlich auf dem freien Markt bestehen. Das geht nur über den Verkauf von Lammfleisch, denn die Wolle wirft längst nichts mehr ab: Die Kosten für die Schur sind höher als der Ertrag.

Das weiß auch der in Niedersachsen ansässige „Förderverein der Deutschen Schafhaltung“, der sich für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Berufsstand der Schäfer stark macht. Vorsitzender Wendelin Schmücker und Geschäftsführer Gerd Dumke statteten am Freitag den Kleins einen Besuch ab. Im Gepäck hatten sie auch einen Scheck über 500 Euro, „um die wirtschaftliche Not zu lindern“, wie es Schmücker formulierte.

Er machte im Pressegespräch aber zugleich deutlich, dass er andere in der Pflicht sieht, den Schäfern ihr Überleben zu sichern: den Bund. So verlangt er, dass die Politik die vor einigen Jahren gestrichenen Prämien für Tierhalter wieder einführt. Und er hat auch klare Vorstellungen, woher dieses Geld kommen könnte: Nach Schmückers Angaben haben die großen Umweltverbände WWF, BUND und NABU in den vergangenen fünf Jahren mehr als 200 Mill. Euro vom Staat erhalten. „Warum soll man den Naturschutzverbänden das Geld geben, wenn die Schäfer den größten Beitrag für die Artenvielfalt leisten?“ Denn unsere Kulturlandschaften seien maßgeblich durch die Weideviehhaltung geprägt – ohne die Schäfer würde viel wertvolles Offenland verbuschen, was zu Lasten der Biodiversität gehe. „Und wir Schäfer brauchen das Geld wirklich – zumal jetzt der Wolf noch oben drauf kommt.“

Auch Frank und Gabi Kleins Arbeit hat sich geändert, seit auch in unserer Region – am Stegskopf und zuletzt in Olpe – der Wolf nachgewiesen worden ist. Nicht nur, dass sie in Schutzmaßnahmen wie einen Herdenschutzhund investiert haben: Vor allem hat sich in den Köpfen der beiden ein Wandel vollzogen, auf den sie sicher gerne verzichtet hätten. „Wir haben ständig die Angst im Nacken“, sagt Frank Klein, und seine Frau ergänzt: „Die Angst fährt abends mit nach Hause. Du machst dir ständig Gedanken, und wenn du morgens zur Herde fährst, fragst du dich, ob wohl noch alle Schafe leben.“

Bislang gabs für Kleins Herde noch keine Begegnung mit dem Wolf – Schmückers Betrieb hingegen hat bereits zwei Mal ungebetenen Besuch bekommen. Einmal habe der Wolf ein echtes Massaker veranstaltet: Drei Tiere habe er selbst getötet, weitere 25 so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden mussten.

Das wirft für die Betroffenen die Frage auf: Wie können sich Schäfer wirkungsvoll schützen? Nach Einschätzung von Schmücker und Dumke praktisch gar nicht: Zäune seien erst ab einer Höhe von 2,80 Meter wirklich verlässlich. In diesen Dimensionen aber seien sie praktisch nicht finanzierbar. „Es ist eine Utopie, dass kleinere Zäune Wölfe wirkungsvoll fernhalten“, meint Dumke. Und Herdenschutzhunde könnten zwar helfen, aber ihr Einsatz sei teuer, mancherorts auch verboten und grundsätzlich nicht frei von Risiken – in dicht besiedelten Gebieten könnten Herdenschutzhunde schnell zur ernsthaften Gefahr für Spaziergänger und Kinder werden.

Was also müsste aus Sicht der Schäfer getan werden? Dumke und Schmücker verlangen ein „aktives Wolfsmanagement“. Bislang würden die Wölfe in Deutschland nur verwaltet – sie müssten aber „reguliert werden wie alle anderen Wildtiere in Deutschland auch“. Was nichts anderes heißt als: Nach Meinung des Vereins müssen Wölfe bejagt werden. Und zwar nicht erst dann, wenn ein einzelnes Tier Schaden angerichtet hat, sondern grundsätzlich: Dumke plädiert dafür, den Bestand auf eine vorher festgelegte Größe zu reduzieren und großräumige Weideschutzzonen einzurichten.

Weil Wölfe weder Schilder mit der Aufschrift „No-Go-Area“ lesen können noch die gesamte Republik mit Grenzzäunen unterteilt werden kann, bleibt wohl nur ein Mittel für die Einrichtung der Weideschutzzonen: In manchen Landstrichen müssten Wölfe so intensiv bejagt werden, dass sie schlichtweg keine Chance hätten, sich dort anzusiedeln.

Passiere aber nichts, werde das Problem aus dem Ruder laufen, ist sich Dumke sicher: „Dann gibt es keine Grenze, dann wird der Bestand explodieren.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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