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Online-Petition gestartet
Tausende Unterschriften für die Wasserkraft

Mit einer Online-Petition wird derzeit für die Wiederinbetriebnahme der Wasserkraft-Turbine am Wehr in Euteneuen geworben. Seit einigen Jahren herrscht hier „regenerativer Stillstand“. Archivfoto: thor
  • Mit einer Online-Petition wird derzeit für die Wiederinbetriebnahme der Wasserkraft-Turbine am Wehr in Euteneuen geworben. Seit einigen Jahren herrscht hier „regenerativer Stillstand“. Archivfoto: thor
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Euteneuen. Im bislang vergeblich geführten Kampf um die Nutzung der Wasserkraft am Siegwehr in Euteneuen schien die letzte Runde längst eingeläutet zu sein: Das rheinland-pfälzische Umweltministerium bereitet den Rückbau der Anlage vor, dem privaten Investor Richard Kail werden – trotz laufenden Verfahrens – keine Chancen eingeräumt, jemals in den Besitz der Wasserrechte zu kommen. Doch kurz vor dem endgültigen K.O. gibt es eine überraschende Unterstützung von außerhalb des Rings. Denn im Internet ist nun eine Petition gestartet worden mit dem Titel „Energiewende und Naturschutz jetzt: Wasserkraft in Rheinland-Pfalz ermöglichen!“.

thor Euteneuen. Im bislang vergeblich geführten Kampf um die Nutzung der Wasserkraft am Siegwehr in Euteneuen schien die letzte Runde längst eingeläutet zu sein: Das rheinland-pfälzische Umweltministerium bereitet den Rückbau der Anlage vor, dem privaten Investor Richard Kail werden – trotz laufenden Verfahrens – keine Chancen eingeräumt, jemals in den Besitz der Wasserrechte zu kommen. Doch kurz vor dem endgültigen K.O. gibt es eine überraschende Unterstützung von außerhalb des Rings. Denn im Internet ist nun eine Petition gestartet worden mit dem Titel „Energiewende und Naturschutz jetzt: Wasserkraft in Rheinland-Pfalz ermöglichen!“. Ausgerechnet das kleine Euteneuen dient den Initiatoren als Beispiel dafür, dass bei diesem Thema Anspruch und Wirklichkeit manchmal weit auseinander klaffen.

Die Initiatoren, das sind die Zwillingsbrüder David und Constantin Schneider, 25 Jahre alt und aus Frankfurt stammend – und vor allem weder verwandt oder verschwägert mit Richard Kail, noch in irgendeiner Partei politisch aktiv. Den Namen „Euteneuen“ haben die beiden Studenten vor wenigen Wochen zum ersten Mal gehört, was per se keine Wissenslücke ist. Nun aber rücken sie den kleinen Weiler in den Fokus einer größeren Öffentlichkeit. Nicht jeder wird davon begeistert sein.

„Wir haben uns eigentlich schon immer für Umwelt-Themen und die Energiewende interessiert“, erzählt Constantin Schneider im SZ-Gespräch. Dabei stehe die zentrale Frage im Raum: „Schaffen wir das oder nicht?“ Über einen Bekannten, der selbst eine Wasserkraft-Anlage betreibe und auch einem Verband angehöre, sei man dann auf den speziellen Fall im Siegerland aufmerksam geworden. „Wir haben uns dann erstmal ins Internet gestürzt“, berichtet Schneider vom Start der Recherche. Und so stießen die Frankfurter auch auf die diversen SZ-Berichte, in denen die Entwicklung des Wehres und der Wasserkraft-Nutzung in Euteneuen seit den Tagen der Familie Albrecht nachgezeichnet wird.

Klar, dass Constantin und David Schneider auch mit dem Landtagsabgeordneten Michael Wäschenbach Kontakt aufnahmen, der das Vorgehen des Umweltministeriums seit Jahren deutlich kritisiert. Und schließlich wurde auch mit Richard Kail telefoniert, der die Brüder mit weiteren Hintergrundinformationen versorgte. Dann stand für sie fest: „Wir machen eine Petition und gucken, was passiert.“ Die Betreiber der Online-Plattform „www.change.org“ wurden über die Zielrichtung in Kenntnis gesetzt und hoben den Daumen.

Für Constantin und David Schneider steht fest: Wenn nicht auch solche kleinen Anlagen wie die in Euteneuen ihren Beitrag zur regenerativen Energieerzeugung leisten, werden die großen Ziele der Energiewende niemals erreicht. Und Rheinland-Pfalz werde so seiner Verantwortung nicht gerecht. Der Verzicht auf die Nutzung der Wasserkraft ist für sie ein ebenso großer Fehler wie die Inbetriebnahme des neuen Kohlekraftwerks Datteln IV. „Wir möchten, dass nachfolgenden Generationen wenig bis gar keine Altlasten hinterlassen werden“, sagt Constantin Schneider.

„Das rheinland-pfälzische Umweltministerium muss endlich handeln. Wir fordern grünen Strom aus Rheinland-Pfalz und gleichzeitig die Rettung des naturgeschützten Auwaldes in Euteneuen“, heißt es daher als Appell auf der Seite der Online-Petition. Umweltministerin Ulrike Höfken wird aufgefordert, ein Genehmigungsverfahren „mit der notwendigen Transparenz“ zu betreiben.

Die Brüder weisen nochmals darauf hin, dass durch die Nutzung der Wasserkraft jährlich ca. 1200 Tonnen CO2 eingespart, sowie 1,2 Mill. Kilowattstunden an sauberem Strom gewonnen werden könnten. Aber: Gesprächsangebote der potenziellen Betreiber und die Hinzuziehung einer fachlichen Unterstützung seien durch die SGD Nord abgelehnt worden. Das Fazit: „Für uns ist das Handeln des Landes Rheinland-Pfalz sowie der zuständigen Behörden vor diesem Hintergrund völlig unverständlich. Hier setzen sich Menschen aktiv ein, um dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen und werden einfach durch ein nicht nachvollziehbares und intransparentes Genehmigungsverfahren blockiert.“

Inzwischen haben weit mehr als 7000 Menschen die Online-Petition unterstützt, wobei die Initiatoren gar kein konkretes Ziel haben, was die Zahl angeht. Dazu finden sich auch etliche Kommentare. Carola Stork-Rühl schreibt z. B.: „Unglaublich, wie Ämter, Behörden und Ministerien die Umsetzung der Vorgaben zur Energiewende be- und verhindern. Es sind auch die ,kleinen’ regionalen Projekte und Strom erzeugenden Anlagen, die maßgeblich sind für das Gelingen im Großen und Ganzen.“ Bei Jutta Gerhardt heißt es: „Strom kommt nicht aus der Steckdose, er muss produziert werden, und was kann ,sauberer’ sein als ein bereits vorhandenes Wasserkraftwerk? Anstatt E-Mobilität zu hypen und die damit verbundenen Probleme totzuschweigen bzw. zu ignorieren, wäre doch hier mal eine saubere Energielösung sehr leicht umzusetzen... Man kann sich nur wundern!“

Natürlich gibt es auch Stimmen, die auf die Nachteile solcher Querbauwerke in den Flüssen für Wanderfische hinweisen. Durch technische Umrüstungen lasse sich der Schaden aber zumindest mildern. Auch MdL Wäschenbach meldet sich auf der Plattform zu Wort: Es bleibt für ihn nach wie vor unverständlich, warum die sanierte Wasserkraftturbine stillsteht. „Es gibt nach wie vor erhebliche Zweifel an der Richtigkeit von Aussagen der Behörden“, so der CDU-Politiker. „Mit gutem Willen würden sich alle vier Umwelt- und Naturziele miteinander verbinden lassen: 1. Nutzung der Wasserkraft, 2. Rettung des schon geschädigten Auwaldes durch die Wiederaufstauung, 3. Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie und Durchlässigkeit der Sieg mit einer neuen Fischtreppe, 4. Erhalt des kulturhistorischen Landschaftsbildes.“

Die Frankfurter würden ihre Petition mittelfristig gerne persönlich an Ministerin Höfken übergeben. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Denn wie schon berichtet: Das Umweltministerium macht derzeit trotz des Widerspruchs von Richard Kail Nägel mit Köpfen. Auf Nachfrage der SZ hieß es dazu aus Mainz: „Aufgrund der dargestellten überragenden Bedeutung der Sieg als Lachsgewässer und der damit verbundenen Verpflichtungen aus der EG-Wasserrahmenrichtlinie ist es nicht verantwortbar, eine Planung für den Umbau des Wehres erst dann zu beginnen, wenn das Widerspruchsverfahren oder gar ein gerichtliches Verfahren abgeschlossen sein sollte.“

Das ist insofern eine interessante Sichtweise, weil beim seit Jahren stockenden Verfahren zum Umbau der Wehre an der Freusburger Mühle vonseiten der SGD Nord immer damit argumentiert wird, dass vor den nächsten Schritten erst absolute Rechtssicherheit bestehen müsse.

Wer sich für die Online-Petition interessiert, hier die Adresse: https://www.change.org/energiewende

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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