Corona-Lockdown
Tierpark Niederfischbach kämpft ums Überleben

Luisa Weich und „Hugo“. Auch die Flugshows der Falknerei müssen wegen der Pandemie ruhen. Auch hier gilt: Die Tiere müssen natürlich trotzdem beschäftigt werden und die Kosten laufen weiter.
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  • Luisa Weich und „Hugo“. Auch die Flugshows der Falknerei müssen wegen der Pandemie ruhen. Auch hier gilt: Die Tiere müssen natürlich trotzdem beschäftigt werden und die Kosten laufen weiter.
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nb Niederfischbach. Ordentlich Getümmel herrscht nur auf dem großen Teich gleich am Eingang: Jede Menge Stockentenpaare sind eingekehrt und quaken in der nass-kalten Winterluft. Ansonsten gilt: Mit dem zweiten Lockdown ist der Tierpark Niederfischbach, wie die anderen Parks und Zoos im Land, wieder in einen Dornröschenschlaf gefallen. Wobei, Dornröschenschlaf, der Vergleich stimmt so nicht – schließlich braucht im „richtigen“ Dornröschenschlaf niemand Futter, Einstreu oder einen Tierarzt.
Denn auch wenn derzeit keine Familien zwischen den Gehegen entlangschlendern, kein Besucher mit den Poitou-Eseln auf Fellfühlung geht: Die Tiere müssen versorgt werden.

Tierpark Niederfischbach braucht bis zu 35.000 Euro im Monat

„Die Stimmung ist im Keller“, fasst Peter Merzhäuser, Vorsitzender des Trägervereins, die derzeitige Situation zusammen. Es braucht nur ein paar Daten und Fakten, um die Misere zu erklären.
Etwa 25.000 bis 35.000 Euro braucht der Park im Kesselbachtal pro Monat. Der erste Lockdown im Frühjahr 2020 fiel genau in die Zeit, in der der Park üblicherweise die meisten Einnahmen hat. Rund 150.000 Euro fehlten so in der Kasse. Und jetzt der zweite Lockdown. „Wir hangeln uns von Monat zu Monat“, erklärt Merzhäuser. „Safe“, also finanziell auf der sicheren Seite, sei der Tierpark bis Ende Februar. Im Februar nämlich gehen die Mitgliedsbeiträge auf dem Tierpark-Konto ein. Hinzu kommt die sogenannte Futterhilfe des Landes – für die Niederfischbacher 2500 Euro pro Monat, in dem die Einrichtung dicht ist. Besser als nichts, so Merzhäuser, der aber auch noch mal auf das Verhältnis Futterhilfe zu den Kosten verweist.

Spenden helfen dem Tierpark Niederfischbach

Die „Novemberhilfe“ hat der Tierpark erst gar nicht beantragt – zu aufwendig und komplex ist das Antragsverfahren für das, was dabei herauskommen würde. Da sich die Höhe nach den Einnahmen im November richtet, wären dies für den Park nur eine Handvoll Euro.
Etwas anderes aber freut den Tierparkverein in diesen Zeiten: „Im Moment signalisieren die Menschen, dass der Park ihnen etwas bedeutet“, so Merzhäuser über privates Engagement.
Spendengelder kommen herein, dazu ist die Anfrage nach Tierpatenschaften gestiegen ebenso wie die Zahl der Mitglieder im Trägerverein. Jeder Cent, der reinkommt, helfe, betont Merzhäuser. Und diese Art der Hilfe geht über das rein Finanzielle hinaus: „Moralisch ist das auch eine große Stütze.“
Aber wie geht es während der Schließung eigentlich den Tieren? Gerade werden die Lamas und Esel versorgt, die Nutrias laben sich an vitaminreichen Leckereien, Otterdame Gisela freut sich über den Besuch der Tierpflegerin – und einen leckeren Fisch. Aber die Verpflegung ist eben nur das eine. „Je cleverer, desto mehr fehlen die Besucher“, erklärt Merzhäuser und nennt Kolkraben, Affen und eben die Otter als Beispiele für Bewohner, die den Trubel vermissen. Tierpflegerin Natalie Wien schließt die Tür des Ottergeheges. „Wir müssen ein bisschen mehr Augenmerk auf die Beschäftigung legen“, unterstreicht sie.

Auch im Lockdown wird im Tierpark Niederfischbach gearbeitet

Das kann Luisa Weich nur bestätigen. Die Falknerin hat Uhu „Hugo“ auf der Hand sitzen, der die Aufmerksamkeit genießt. Luisa Weich gehört zum Team der Falknerei Wahl, die in „normalen“ Zeiten die Besucher mit den Flugshows begeistert. Natürlich sorgt die Falknerin dafür, dass die Vögel auch jetzt jeden Tag die Möglichkeit haben, nach draußen zu kommen – eine Trainingspause gibt es nicht. Aber: Auch unter gefiederten Tieren gibt es echte „Rampensäue“. Die, denen es einfach besonderen Spaß macht, z.B. knapp über den Köpfen der Besucher entlangzuschweben und ihr Können zu zeigen. Und auch die Seminare, die Besucher buchen können, finden derzeit nicht statt – eine weitere Abwechslung, die Adler, Eule und Co. fehlt. „Abtauchen“ wie die Otter – das tut der Tierparkverein aber auch in Zeiten wie diesen nicht. Einiges ist in der Mache. So soll, wie berichtet, aus besagtem Teich am Eingang eine Art große Voliere werden. Rund drei Viertel der Arbeiten seien bereits geschafft, sagt Peter Merzhäuser. Die Anlage wird wahrscheinlich fertig sein, wenn wieder Besucher kommen dürfen. Gleiches gilt für das begehbare Damwildgehege. Pläne gibt es auch für die verwaisten Volieren in der Mitte des Tierparks: Hier sollen Nagetiere einziehen. Eine „Rattenküche“, in der sich die Tiere zwischen allerlei Utensilien tummeln können, soll hier ebenso verwirklicht werden wie der Einzug einer „interessanten Mausart“. Hier ist man noch nicht ganz festgelegt, welche es denn sein soll.

Die anderen drei Voliere sollen einem interessanten Artenschutzprojekt dienen. Schließlich kooperiert der Park mit „Ebertseifen – Lebensräume“. Drei Rebhuhnpärchen aus Naturbrut – das Rebhuhn war früher auch in Niederfischbacher Gefilden ein oft gesehener Vogel – sollen im Tierpark unterkommen, ein weiteres Pärchen auf Hof Ebertseifen. Und hier wie dort werden sie hoffentlich brüten, denn: Am Ende dieses Jahres will man Familienverbünde haben, die man dann auf den Ebertseifen-Flächen auswildern kann.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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