Tourismus in Kirchen – Verbandsgemeinde macht mobil

Fremdenverkehr soll nach vielen Versäumnissen gefördert werden / Eigene Fachstelle in der Verwaltung / Natur ist der größte Trumpf

damo Kirchen. Wann immer die kommunalen Räte über FFH-Gebiete oder die Brüsseler Vogelschutzrichtlinie diskutieren, schwingt in der Verbandsgemeinde Kirchen Unmut mit. »Die Entwicklung der Gemeinden wird eingeschränkt« – dieses Argument taucht zwischen Mudersbach und Friesenhagen mit schöner Regelmäßigkeit auf. Dass die intakte Natur der Region aber zugleich Chancen bietet, scheint dabei unterzugehen. Erholung im Siegtal, Siegerländer Wellness-Wochenende – darüber spricht kaum einer. Genau das soll sich jetzt ändern: Die Verbandsgemeinde-Verwaltung will den Fremdenverkehr offensiv fördern.

Im Zuge der neuen Binnengliederung der Verwaltung wurde ein eigenes Fachgebiet »Tourismus« eingerichtet. Damit soll einhergehen, dass die Ortsgemeinden die Selbstverwaltungsaufgabe »Fremdenverkehr« an die Verbandsgemeinde übertragen. »Diese Aufgabe können die Ortsgemeinden sächlich und personell kaum alleine leisten«, befindet Bürgermeister Wolfgang Müller, »und wir müssen in Sachen Tourismus wieder aktiv werden« – Grund genug für die SZ, im Rahmen eines Hintergrund-Gesprächs die Pläne der Verwaltung zu erhellen.

Der Gedanke, der sich hinter dem neu geschaffenen Fachgebiet »Tourismus« verbirgt, ist ebenso einfach wie überzeugend: »Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um unsere Potenziale besser nutzten zu können.« Besser nutzen als bisher – das dürfte nicht schwer werden. Denn selbst Müller räumt ein, dass seit den 70er Jahren die Förderung des Fremdenverkehrs ein Schatten-Dasein fristet.

»Damals gab es einen Fremdenverkehrs-Verein in Kirchen, und viele, viele Touristen kamen zum Wochenend-Urlaub nach Kirchen.« Die Trümpfe damals: ideale Bedingungen zum Wandern, intakte Natur und eine ansprechende Infrastruktur. Daran hat sich bis heute nichts geändert – nur: Die Kirchener haben nach eigener Einschätzung den Anschluss verpasst. Als nämlich Mallorca oder Italien zu bevorzugten Reisegebieten wurden, haben die Kirchener nicht einmal versucht, einen Gegenpol zu setzen. »Wer sich nicht aktiv nach vorne bringt, bleibt auf der Strecke«, befindet Andreas Hof, der im Kirchener Rathaus künftig Ansprechpartner in Sachen Tourismus sein soll.

Natürlich ist die Konkurrenz groß: Mit den Billig-Airlines kommt man für ein paar Euro nach London oder Mallorca – aber damit wollen die Kirchener freilich nicht konkurrieren. »Wir haben nicht diese touristischen Potenziale, wir haben dafür andere«, meint Müller. Es sei nicht zu erwarten, Urlauber für mehrere Wochen in die Verbandsgemeinde zu locken – aber die Nähe zu den Ballungsgebieten am Main, an der Ruhr und der Kölner Bucht stellen in den Augen der Macher im Rathaus gerade für den Wochenend-Urlaub große Möglichkeiten dar.

»Diese Pontenziale müssen wir viel besser vermarkten als bisher«, sagt Müller. Er und seine Mitarbeiter sehen folgende Trümpfe der Verbandsgemeinde:

lDie Natur: Es ist kein Zufall, dass weite Teile der Verbandsgemeinde als FFH-Gebiet ausgewiesen werden sollten – wer Ruhe und Natur sucht, ist in der Verbandsgemeinde Kirchen, z.B. im Wildenburger Land, perfekt aufgehoben.

lDas Wandern: Wer wandern will, kommt in Kirchen auf seine Kosten. Es sei aber unbestritten nötig, Wanderwege besser zu beschildern und zum Beispiel an Touristen-Magnete wie den Rothaarsteig anzubinden, stellt Müller klar.

lDie Historie: Warum nicht ein Wochenende ins Zeichen der Industriekultur stellen? Überall gibt es aktive Heimatvereine (z.B. Brachbach mit dem Erzwanderweg), die Grube »Bindweide« und das Bergbaumuseum liegen in der Nähe – die Bergbautradition macht die Region zu einem Unikum.

lDas Radfahren: Vor allem der Asdorftal-Radweg stellt nach Meinung von Müller und seinen Mitstreitern ein touristisches Highlight dar – erst recht, wenn er einmal bis zur Bigge weiterführt.

lDie Freusburg: Jährlich gut 30000 Übernachtungsgäste – und immer wieder kommen Menschen zurück, um zu sehen, was aus dem Ort ihrer Klassenfahrt geworden ist. Auch das lässt sich ausbauen, ist sich Müller sicher.

lDie Region: Natürlich soll das Tourismus-Marketing nicht an der Siegbrücke in Mudersbach oder in Oberasdorf enden – dafür haben Freudenberg (Altstadt, Freilichtbühne, Technik-Museum) oder das Oberzentrum Siegen viel zu viel zu bieten, meinen die Kirchener.

lWeitere Highlights wie der Druidenstein, die Kapellen rund um Friesenhagen, der Tierpark in Niederfischbach, das Monte-mare-Bad, das Heimatmuseum in Kirchen – alles Attraktionen, die bislang aber kaum vermarktet werden. Wer fünf Minuten lang fernsieht, kann die Bedeutung von Werbung und Information sicher schnell einschätzen.

Was Müller wichtig ist: »Wir wissen, dass viele engagierte Vereine und Gastronomen schon sehr viel auf die Beine stellen« – aber spätestens seit dem Umzug der Westerwaldtouristik nach Montabaur fehle eine Koordinationsstelle. Prospekte, Werbeaktionen (zum Beispiel mit VRS) oder eine ständig aktualisierte Internetpräsenz sollen Schritte sein, die bald umgesetzt werden. Auch die Suche nach einem Gelände für einen Campingplatz läuft. Und nur weil der Rheinland-Pfalz-Tag jetzt gescheitert sei, heiße das nicht, dass an solchen Großveranstaltungen kein Interesse bestehe, stellte Müller klar.

»Tourismus ist keine Insellösung«, so das Fazit des Verwaltungschefs – bleibt abzuwarten, ob die Ortsgemeinden das ähnlich sehen und der Verbandsgemeinde die Förderung des Fremdenverkehrs übertragen werden. »Dann kann aus vielen einzelnen Bausteinen ein großes Ganzes werden.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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