„Siegtal pur“: Für einen Tag heile Radfahrer-Welt im AK-Land
Und ab Montag wieder Tristesse

Das optimale Wetter lockte die Menschen in Scharen auf die Straße: Gerade im Oberkreis waren spürbar mehr Radfahrer unterwegs als in den vergangenen Jahren. An der Erzquell-Brauerei gab es zeitweise kaum ein Durchkommen.  Fotos: thor
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  • Das optimale Wetter lockte die Menschen in Scharen auf die Straße: Gerade im Oberkreis waren spürbar mehr Radfahrer unterwegs als in den vergangenen Jahren. An der Erzquell-Brauerei gab es zeitweise kaum ein Durchkommen. Fotos: thor
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thor Kreis Altenkirchen. Es ist ebenso paradox wie traurig – und peinlich sowieso: Da bevölkern an einem einzigen Tag im Jahr Zehntausende Radfahrer die B 62 zwischen Niederschelderhütte und Wissen im AK-Land – und an allen anderen 364 gelten die Warnhinweise an den überall aufgehängten Schildern, dass im Kreis keine durchgehende Radwegeverbindung besteht. Wer immer ab Montag wieder im Siegtal radelt, darf sich offiziell „Gefahrensucher“ nennen. Das ist die Konsequenz u. a. daraus, dass in Rheinland-Pfalz jeder Schmetterling eine stärkere Lobby hat als ein Radfahrer und alte Mühlengräben unter Denkmalschutz gestellt werden, obwohl vor Ort alle für einen Radweg sind.

Dabei hat bei „Siegtal pur“ gerade die Verbandsgemeinde Kirchen wieder eine hervorragende Visitenkarte abgegeben. Wer, von Siegen kommend, die HTS hinter sich gelassen hatte, wurde schon kurz hinter dem Kreisel mit ersten Verpflegungsständen begrüßt. Apropos Kreisel: Erstaunlich übrigens, wie viele Siegerländer den Sudkessel offenbar noch nie gesehen haben, dabei steht er doch schon länger. Auch am Sonntag musste er wieder für diverse Selfies herhalten. An der Erzquell-Brauerei selbst herrschte zeitweise fast kein Durchkommen. Für viele Radfahrer ist ein Stopp bei Live-Musik die absolute Pflicht.

Musik, Speis und Trank gab es traditionell auch in Mudersbach, wo der Bürgerverein zusammen mit anderen Ortsvereinen den Dorfplatz vorbereitet hatte. Erstmals war auch ein Informationsstand des grenzüberschreitenden Projekts „Ein Siegerländer Tal“ aufgebaut.

Weiter oben am „Durchbruch“ hatte die Brachbacher Feuerwehr wieder ein Zelt parat gemacht. Hier, am „Tourmalet von ,Siegtal pur’“, konnte man früher völlig erschöpfte Radfahrer sehen, die sich den zwar nicht sonderlich steilen, doch quälend langen Anstieg von Büdenholz hinauf gekämpft hatten. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. Um verschwitzte Gesichter mit der Kamera einzufangen, muss man schon 20 Minuten warten. Ansonsten dominieren entspannte E-Biker mit 500 Watt unter dem Allerwertesten. Viele, die noch klassisch unterwegs sind, wie z. B. Siegens Schallplatten-Legende Frank Lehnert, denken sich am „Durchbruch“, dass es jetzt Zeit zur Umkehr ist. Grundsätzlich aber werden inzwischen deutlich weitere Entfernungen zurückgelegt als früher.

Viel los war und ist stets in Freusburg, wo der Musikverein sein Sommerfest immer mit „Siegtal pur“ verbindet. Auch vor dem Bürgerhaus bildeten sich wie in Freusburg lange Schlangen vor den Töpfen, Pfannen und Grills. Dabei lohnte sich in Freusburg diesmal auch ein weiterer Stopp: Der Künstler Andreas Becher hatte am Straßenrand seine Ausstellung „Future kids get angry“ mit aus der Sieg gefischtem Müll aufgebaut. Übrigens: Selbst die Schaufensterpuppen gehörten zu den Fundsachen. Die Ausstellung selbst wird nicht in den Müll wandern, sondern soll später noch einmal gezeigt werden.

Kirchen und Betzdorf sind für Radfahrer auch bei „Siegtal pur“ eher schwierige Pflaster, hier ist meist deutlich weniger los als im Umland. Ab Wallmenroth füllte sich die Straße dann wieder: Gabriele Wäschenbach von der Kreisverwaltung berichtete von ordentlich Betrieb zwischen Niedergüdeln und Wissen.

Es bleibt dabei das Geheimnis der Straßenmeisterei, warum auf der B 62 bei Euteneuen drei Bohrlöcher im Belag nicht wieder verschlossen wurden. Gerade für Kinder und Radrennfahrer waren das echte Stolperfallen. Gottseidank ist nichts passiert. Die Betzdorfer Polizei meldete am späten Nachmittag: keine besondern Vorkommnisse.

Ein Jahr müssen die Radfahrer aus dem Siegerland und Westerwald nun wieder warten, um die B 62 in Beschlag zu nehmen. Alternative Strecken gibt gleichwohl in Hülle und Fülle: Jetzt geht es wieder durch den Giebel- und den Höhwald, was trotz der Höhenmeter deutlich entspannter als ein Kräftemessen mit 40-Tonnern weiter unten im Tal sein kann.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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