Verkehr von Mudersbach nach Brachbach umleiten?

Ortsumgehung Mudersbach: Landesbetrieb Straßen und Verkehr hat eine Diskussionsgrundlage mit drei Varianten erarbeitet / FDP bezieht Stellung

damo Mudersbach. Eine Ortsumgehung Mudersbach über die Karpathen in Brachbach – undenkbar? Nein. Der Landesbetrieb Straßen und Verkehr hat als Diskussionsgrundlage von Studenten ein Papier erarbeiten lassen – und eine mögliche Trasse führt von Birken über Brachbach nach Euteneuen. Der Plan, der der SZ jetzt zugespielt wurde, umfasst aber insgesamt drei Varianten: eine durchs Siegtal, eine über den Giebelwald und eben die Trasse über Brachbach.

Die SZ hat nachgefragt, und zwar bei der FDP. Denn schließlich – nicht zuletzt durch die Nähe zum Mainzer Verkehrsministerium – haben die Liberalen das Thema aufgegriffen und vorangetrieben. »Ohne Hans-Artur Bauckhage wäre die Ortsumgehung im Bundesverkehrswegeplan nicht als vordringlich eingestuft worden«, meint Heinz-Robert Stettner, der für die FDP im Kirchener VG-Rat sitzt. Und sein Mudersbacher Parteifreund Johannes Röttgen hat gemeinsam mit den anderen FDP-Köpfen das bestehende Planspiel um eine weitere Trasse erweitert. Denn für die FDP steht fest: Die drei Varianten aus dem Planentwurf des LSV sind alles andere als optimal.

Verkehrsaufkommen steigt

Dass eine Ortsumgehung benötigt wird, steht für die vier Gesprächspartner der SZ fest; da sprechen Stettner und Christof Lautwein (beide im VG-Rat Kirchen), Röttgen (OG-Rat Mudersbach) und Martin Szostak (Stadtrat Kirchen) mit einer Stimme. Aktuelle Zahlen belegen diese Einschätzung: So wird prognostiziert, dass das Verkehrsaufkommen auf der B62 in der Ortsdurchfahrt Mudersbach in naher Zukunft deutlich zunehmen wird: 2003 wurde mit 11200 Fahrzeugen pro Tag gerechnet, für 2015 werden 14200 prognostiziert. Jedes 6. davon ist ein Lkw.

Neue Route zur Autobahn?

Diese Zahlen beschönigen nach SZ-Informationen die Lage noch – schließlich ist in der Prognose die HTS noch nicht berücksichtigt. Wenn der HTS-Kreisel in Niederschelderhütte aber fertig ist, werden nach Einschätzung der FDP viele Autofahrer aus dem Betzdorfer Raum und Teilen des Westerwalds nicht mehr über Freudenberg zur Autobahn fahren, sondern über Mudersbach. Soll heißen: Das Verkehrsaufkommen im Siegtal wird deutlich zunehmen. »Ohne Ortsumgehung wird Mudersbach zum geteilten Dorf«, meint Stettner: »Es dürfte in den Hauptverkehrszeiten schwer werden, auf der B62 die Straßenseite zu wechseln.« Ergo: »Es ist nicht die Frage, ob wir eine Ortsumgehung benötigen«, meint Lautwein: »Die Frage ist nur: Wie soll sie aussehen?«

Die FDP bezog Stellung zu den aktuellen drei Planvarianten – und zwar kritisch. Denn keine der drei Varianten erfüllt nach Meinung der Liberalen die wichtigsten Ziele, was aber auch nicht leicht erscheint. Denn wenn man sich die Wunschliste der Liberalen vor Augen führt, müssen die Planer einen gewaltigen Spagat leisten. So soll die Ortsumgehung nach Meinung der FDP 1. ökologisch und ökonomisch vertretbar sein, 2. den Verkehr auf der B62 deutlich reduzieren, 3. die Mudersbacher Firmen und Einzelhändler nicht von den Kundenströmen abschneiden. Zu den drei Trassen des LSV-Papiers im Detail (Schilderung des Trassenverlaufs immer in Fahrtrichtung Siegen – Mudersbach):

Variante 1: über den Giebelwald

Variante 1 ––die Nordumgehung: Hinter der Brauerei würde die Trasse steil auf den Giebelwald hinauf führen; um die Steigung realisierbar zu machen, müsste in den Hang eine große Schneise geschlagen werden. Um die Täler zu überwinden, müssten gigantische Brücken gebaut werden, meint Szostak. Danach würde die Trasse mitten durch FFH- und Vogelschutzgebiete bis nach Euteneuen führen. »Unvertretbar«, moniert Szostak, der als Förster in genau diesem Areal tätig ist. »Dort würde eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete zerschnitten und außerdem eine wichtige Wildtierpassage zerstört«, kritisiert Szostak. Auch aus ökonomischen Gesichtspunkten sei die Nordumgehung nicht zu realisieren, meint Lautwein: So müssten mehrere große Brücken gebaut werden und 320 Höhenmeter überwunden werden. »Das wäre extrem teuer«, sagt Lautwein, »und weil der Verkehr weiträumig und ohne Anbindung um Mudersbach herum geführt würde, wäre das eine Katastrophenlösung für die Gewerbestreibenden in Mudersbach.« Nach Prognosen würde sich der Verkehr in der Mudersbacher Ortsdurchfahrt zudem nur um 35 Prozent reduzieren.

Variante 2: über Brachbach

Variante 2 – die Südumgehung: Die Variante über Brachbach wäre mit 7,2 Kilometer die längste – und angesichts der Tatsache, dass auch hier die Topographie den Bau von sechs Brücken erzwingen würde, wohl auch die teuerste. Vom HTS-Kreisel aus würde die Trasse hinauf nach Birken führen. Dort würde die Umgehung knapp oberhalb des Neubaugebiets »Stroth« verlaufen, um zielstrebig die Karpathen in Brachbach anzusteuern. Mit einer großen Brücke würde das Wernsbergtal überspannt, bevor die aufgeständerte Straße schließlich in Euteneuen wieder die B62 treffen würde. »Ökologisch ebenso katastrophal wie die Nordumgehung«, befindet Szostak. Auch die prognostizierte Verkehrsentlastung liegt nur bei rund 52 Prozent; die Probleme für die Gewerbetreibenden wären identisch mit denen bei Variante 1 – und nicht zuletzt dürfte sich in Brachbach massiver Protest formieren. So befindet Lautwein: »Wer zwischen der Nord- und der Südumgehung entscheiden muss, kann zwischen Pest und Cholera wählen.«

Variante 4: durch das Siegtal

Variante 3 – die Siegtal-Trasse: Dieser Straßenverlauf wäre mit nur 1,9 Kilometer Länge die kürzeste Umgehung. Beginnend vor der Abzweigung in die Siegstraße, würde die Strecke aufgeständert den Kirmesplatz tangieren und dann ebenerdig parallel zur Bahntrasse verlaufen. Die Umgehung würde mit einer großen Brücke Sieg und Bahn überspannen, in einem Tunnel die Büdenholzer Straße kreuzen und schließlich kurz hinter dem »Durchbruch« wieder auf die B62 treffen. Fazit der FDP: Für diese Variante sprechen die kurze Streckenlänge, die Umweltverträglichkeit und die hohe prognostizierte Entlastung (71 Prozent). Gegenargumente: Büdenholz, Euteneuen und Niederschelderhütte würden nicht entlastet, das Gewerbegebiet »Stahlwerkstraße« läge nicht an der neuen Trasse.

Die FDP-Variante: Langer Weg durchs Tal

Deshalb hat die FDP – allen voran Architekt Johannes Röttgen – eine vierte Variante ausgetüftelt. Sie orientiert sich an der Siegtal-Trasse, würde aber schon früher beginnen: am HTS-Kreisel. Von dort würde die Straße der Stahlwerkstraße folgen und ab dem Kirmesplatz deckungsgleich mit der Siegtal-Variante verlaufen. Erst bei der Firma Patz im Brachbacher Gewerbegebiet nähme die FDP-Strecke einen anderen Verlauf: immer parallel zur Bahntrasse (durch einen neuen Tunnel neben dem Bahntunnel). In Büdenholz würde die neue Trasse wieder mit der B62 verschmelzen. Vorteile laut FPD: sämtliche Gewerbegebiete und die Brachbacher Ortsteile wären angeschlossen; Anschlussstellen in Brachbach wären möglich; die Strecke könnte auch in Teilabschnitten gebaut werden und würde dennoch schon vor der endgültigen Vollendung ihren Zweck erfüllen.

Mit dieser Variante wollen die Liberalen jetzt das Gespräch mit den Räten in Mudersbach und Brachbach suchen. »Wenn wir dort Rückendeckung für unsere Planung bekommen, könnte der Plan als nächster Schritt dem LSV vorgestellt werden.« Wichtig wäre dabei laut Lautwein, mit einer Stimme zu sprechen: »Wenn man sich bald auf eine Variante einigt, würde das das Verfahren enorm beschleunigen.« Röttgen ergänzt: »Spätestens wenn der HTS-Kreisel in Niederschelderhütte da ist, wäre eine Umgehung dringend nötig. Die Zeit drängt also.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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