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Statt 30 000 nur 8400 Übernachtungen
Vernichtende Jahresbilanz der Jugendherbergen

Jürgen Hof hofft darauf, möglichst wieder bald wieder Gäste auf der Freusburg begrüßen zu können. Mit einem Tag Vorlauf kann die Jugendherberge sofort wieder den Betrieb aufnehmen.
  • Jürgen Hof hofft darauf, möglichst wieder bald wieder Gäste auf der Freusburg begrüßen zu können. Mit einem Tag Vorlauf kann die Jugendherberge sofort wieder den Betrieb aufnehmen.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

thor Freusburg. Es reichen zwei Zahlen aus, die alles über das vergangene Jahr auf der Freusburg aussagen. Herbergsleiter Jürgen Hof und sein Team waren aufgrund der Buchungseingänge Anfang 2020 fest davon ausgegangen, dass die Marke von 30 000 Übernachtungen wieder überschritten wird. Und zwar locker. Am Ende sind es gerade einmal 8428. Das ist ein trauriger Minusrekord, mit dem einzige Jugendherberge im Siegerland allerdings nicht alleine dasteht.

Für 2020 zählt der DJH Landesverband Westfalen-Lippe laut Pressemitteilung lediglich 182 560 Übernachtungen und damit rund 72 Prozent weniger als im Vorjahr. Mit einem Rückgang von 70 Prozent liegt die Freusburg sogar noch unter dem Schnitt. Doch fanden lediglich 3292 Gäste den Weg zur Burg hoch über dem Siegtal (2019: 11 522).

thor Freusburg. Es reichen zwei Zahlen aus, die alles über das vergangene Jahr auf der Freusburg aussagen. Herbergsleiter Jürgen Hof und sein Team waren aufgrund der Buchungseingänge Anfang 2020 fest davon ausgegangen, dass die Marke von 30 000 Übernachtungen wieder überschritten wird. Und zwar locker. Am Ende sind es gerade einmal 8428. Das ist ein trauriger Minusrekord, mit dem einzige Jugendherberge im Siegerland allerdings nicht alleine dasteht.

Für 2020 zählt der DJH Landesverband Westfalen-Lippe laut Pressemitteilung lediglich 182 560 Übernachtungen und damit rund 72 Prozent weniger als im Vorjahr. Mit einem Rückgang von 70 Prozent liegt die Freusburg sogar noch unter dem Schnitt. Doch fanden lediglich 3292 Gäste den Weg zur Burg hoch über dem Siegtal (2019: 11 522).

Dramatische Verluste bei Schulfahrten und Freizeitgruppen

Vor allem bei ihren beiden Hauptzielgruppen verzeichnen die Jugendherbergen in 2020 dramatische Verluste: Der Übernachtungs-Rückgang bei den Schulfahrten liegt bei mehr als 80 Prozent, hier zählen die 29 Häuser im Krisenjahr gerade einmal rund 40 200 Übernachtungen – 2019 waren es knapp 212 000. Fast 131 000 Übernachtungen weniger (-73,8 Prozent) zählt der Verband zudem bei den Freizeitgruppen wie Sportvereinen, Musik- oder Jugendgruppen.

Während neun Jugendherbergen seit dem März-Lockdown geschlossen sind, waren 13 Jugendherbergen (darunter die Freusburg) seit Ende Mai bis zum November-Lockdown geöffnet. Die Bilanzen und Entwicklungen dieser „Präsenzhäuser“ fallen unterschiedlich aus. Stadtstandorte hatten es nach der Wiedereröffnung schwerer als Familienstandorte mit ländlichem Profil.

Auf Familien kann sich Freusburg verlassen

In der Tat: Auf die Familien kann sich gerade auch die Freusburg verlassen: Trotz der großen Unsicherheiten werde für dieses Jahr gebucht und gebucht. „Unsere Bücher sind sehr gut gefüllt. Man merkt, die Leute wollen raus“, sagt Jürgen Hof. An Ostern wäre die Freusburg fast zweimal voll. Dabei plant man hier zunächst nur mit der Hälfte der regulären Belegung, um die Corona-Regeln einzuhalten. Den Stand-by-Betrieb haben die Mitarbeiter derweil weiter genutzt, um kleinere Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten vorzunehmen. Alles riecht derzeit nach Farbe und Holzwachs.

Dennoch: „Die Lage ist ernst“, fasst Geschäftsführer Guido Kaltenbach zusammen. „Wir befinden uns nach wie vor in einer historischen und existenzbedrohenden Situation“. Trotzdem hoffe man noch, der Krise am Ende zu trotzen. „Bisher mussten wir keine Corona-bedingten Kündigungen aussprechen. Alle unsere rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zwar in Kurzarbeit, aber noch an Bord. Auch endgültige Standort-Schließungen sind aktuell nicht erfolgt.“

Einnahmeverluste abgefedert durch Kurzarbeit oder Investitionsstopps

So konnten die Einnahmeverluste durch Gegenmaßnahmen des Landesverbandes abgefedert werden – etwa durch Kurzarbeit oder Investitionsstopps. Der DJH-Landesverband Westfalen-Lippe hat nach eigenen Angaben Beihilfen aus drei verschiedenen Hilfspaketen von Bund und Land erhalten, diese würden aber gegeneinander verrechnet.

Absehbar sei schon jetzt, dass auch für 2021 Beihilfen a nötig seien, betont der Verband. Bis zu den Sommerferien seien alle Schulfahrten in NRW untersagt. Dabei machten Klassenfahrten in den Monaten Mai und Juni rund 60 Prozent der Belegung aus. Auch Gruppenbuchungen fielen sehr zurückhaltend aus oder fänden noch nicht statt. Kaltenbach: „Die weitere Entwicklung der Pandemie und die Frage, wann wir wieder Schulfahrten und Gruppen in unseren Häusern haben, ist entscheidend für unsere Zukunft. Je länger diese fernbleiben, desto mehr spitzt sich die Lage für uns zu“.

Keine voreiligen Verbote aussprechen

Deshalb erneuert der Landesverband seinen Appell an die Schul- und Kultusministerien, keine voreiligen Verbote für die Zeit nach den Sommerferien auszusprechen. Es sei völlig klar, dass Schulfahrten und Reisen nur dann stattfinden können und sollen, wenn es das Infektionsgeschehen zulasse. „Unsere Stornobedingungen haben wir aber so angepasst, dass ,Corona-bedingt‘ bis kurz vor der Anreise kostenlos storniert werden kann“. Gleiches gelte für alle anderen Gästegruppen. Hier ist die Buchungslage positiver, vor allem für die Sommerferien. Eine Öffnungsperspektive sei allerdings noch nicht in Sicht.

„Wir stehen quasi in den Startlöchern und sind bestens auf die Wiedereröffnung vorbereitet“, sagt Kaltenbach. Um Reisen auch in Corona-Zeiten so sicher wie möglich zu gestalten, haben die Jugendherbergen tragfähige Konzepte entwickelt, die sich bereits während der Öffnungsphasen 2020 sehr bewährt haben.

Klassenfahrten haben wichtigen Stellenwert 

Klassenfahrten, so der DJH-Landesverband weiter, hätten gerade auch während und nach der Pandemie einen wichtigen Stellenwert für das soziale Lernen sowie das Miteinander und die persönliche Weiterentwicklung der Schülerinnen und Schüler: Alle Projekte, die über den klassischen Unterricht hinausgingen und dem sozialen Lernen dienten, müssten in den Schulen gestrichen werden. „Mit unseren pädagogischen Programmen können wir diese Lücke sehr gut schließen“, betont Kaltenbach abschließend.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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