SZ

400 Jäger und Treiber im Einsatz
Vier harte Tage für Wildschweine

Vier groß angelegte Bewegungsjagden sind im Hegering Betzdorf/Kirchen geplant. Allein bei der größten, die Anfang Dezember stattfinden wird, dürften mehr als 400 Akteure mit von der Jagdpartie sein.  Archivfoto: damo
  • Vier groß angelegte Bewegungsjagden sind im Hegering Betzdorf/Kirchen geplant. Allein bei der größten, die Anfang Dezember stattfinden wird, dürften mehr als 400 Akteure mit von der Jagdpartie sein. Archivfoto: damo
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damo Betzdorf/Kirchen. Ganz so einfach wie im „Jäger aus Kurpfalz“ ist’s dann doch nicht: Durch den grünen Wald zu reiten und das Wild daher zu schießen, wie es einem gefällt, hat wenig mit dem zu tun, was Josef Jendrek und seine Mitstreiter seit Monaten organisieren – nämlich rekordverdächtig große Bewegungsjagden.

Der Hegering Kirchen und sein Leiter planen erneut revierübergreifende Jagden. „Anders lässt sich der Wildbestand nicht regulieren“, lautet Jendreks Einschätzung. Denn während der Wald dahinsiecht, geht es seinen Bewohnern gar nicht so schlecht.

„Bei den Wildschweinen ist die Lage noch brisanter als im Vorjahr“, sagt Jendrek im Gespräch mit der SZ: Würden Keiler und Co.

damo Betzdorf/Kirchen. Ganz so einfach wie im „Jäger aus Kurpfalz“ ist’s dann doch nicht: Durch den grünen Wald zu reiten und das Wild daher zu schießen, wie es einem gefällt, hat wenig mit dem zu tun, was Josef Jendrek und seine Mitstreiter seit Monaten organisieren – nämlich rekordverdächtig große Bewegungsjagden.

Der Hegering Kirchen und sein Leiter planen erneut revierübergreifende Jagden. „Anders lässt sich der Wildbestand nicht regulieren“, lautet Jendreks Einschätzung. Denn während der Wald dahinsiecht, geht es seinen Bewohnern gar nicht so schlecht.

„Bei den Wildschweinen ist die Lage noch brisanter als im Vorjahr“, sagt Jendrek im Gespräch mit der SZ: Würden Keiler und Co. am Ende eines Jahres Bilanz ziehen, spräche vieles dafür, dass sie das Jahr 2019 mit einem goldenen Schleifchen versehen würden. Es gab kaum Ausfälle im Winter, weil der weder besonders nass noch besonders kalt war. Eichen und Buchen haben reichlich Früchte ausgebildet, und durch die allgegenwärtigen Forstarbeiten sind viele Waldstücke praktisch undurchdringlich geworden – perfekte Rückzugsorte für die Schwarzkittel. Und es spricht vieles dafür, dass auf etlichen Freiflächen, die der Borkenkäfer hinterlässt, erst einmal Farne und Brombeeren wuchern werden, was zusätzliche Schlupfwinkel bieten wird. Dass in Rheinland-Pfalz – anders als in anderen Bundesländern – Nachtsichtgeräte nach wie vor tabu sind, spielt den Wildschweinen zusätzlich ins Blatt. Auf einen Nenner gebracht: Die Rahmenbedingungen für Sauen sind nach wie vor günstig, und so sind die Sauen weiter auf dem Vormarsch.

All das führt natürlich dazu, dass die Schäden nicht abreißen, berichtet Jendrek. Sowohl auf landwirtschaftlichen Flächen als auch in privaten Gärten hinterlassen die Tiere ihre Spuren. „Die Meldungen sind von überall gekommen“, antwortet Jendrek auf die Frage, ob es in diesem Sommer Dörfer gab, die besonders gebeutelt worden sind. Und dass nach wie vor das Damoklesschwert der Afrikanischen Schweinepest über den Wäldern hängt, macht die Lage doppelt ernst.

„Wir müssen den Wildbestand anpassen“, folgert Jendrek. Das wissen die Jäger, versichert er und verweist darauf, dass der Hegering spezielle Trainingseinheiten im Schießkino in Wetzlar organisiert hat, die Jagdhunde intensiv trainiert werden und Jäger, die kein eigenes Revier gepachtet haben, von den Pächtern zur Unterstützung eingeladen werden. Aber: Mit all diesen Maßnahmen ist es nicht getan, verdeutlicht Jendrek.

Daher soll an die durchaus erfolgreiche Premiere aus dem Vorjahr angeknüpft werden: Weil sich Wildschweine, wenn sie einmal den Turbo eingelegt haben, nicht von Reviergrenzen bremsen lassen, wurde 2018 im weitaus größeren Stil gejagt als bisher. Und genau das soll in den kommenden Wochen nicht nur wiederholt, sondern sogar noch ausgebaut werden.

In praktisch allen Revieren des Hegerings Betzdorf-Kirchen werden Bewegungsjagden stattfinden. Es soll zwischen Ende Oktober und Dezember vier Termine geben, an denen revierübergreifend gejagt wird. Bei der größten der vier Jagden arbeiten 16 Reviere zusammen: Von Eiserfeld bis Betzdorf werden Jäger ansitzen und Hundemeuten Leben ins Unterholz bringen. Alles in allem, schätzt Jendrek, werden allein an diesem Tag mindestens 400 Jäger und Treiber im Einsatz sein. „Das ist Rekord, so was gab’s hier noch nie.“

Die Waidmänner werden nicht nur auf Wildschweine anlegen: Auch der Rehbestand soll dezimiert werden – und zwar mit Blick auf die Borkenkäfer-Plage. Denn dort, wo alte Fichten gefällt werden mussten, werden junge Pflanzen wachsen, teils Setzlinge aus der Baumschule, teils auch die Resultate der Naturverjüngung. Und für all die kleinen, zarten und wohlschmeckenden Mini-Bäume wird’s schwer, wenn zu viele Rehe unterwegs sind. „An diesem Punkt müssen Jäger und Forstwirte zusammenarbeiten“, meint Jendrek.

Er freut sich, dass sowohl die Stadt Kirchen als auch der Landesjagdverband die Bemühungen des Hegerings durch Fördermaßnahmen unterstützen. Trotzdem wird den Jägern viel abverlangt: Bereits im Februar sind erste Weichen für die großen Jagden gestellt worden. Und seit Wochen laufen die Vorarbeiten in den Wäldern: Schneisen werden freigeschnitten, Ansitze werden aufgebaut, Wildwechsel erkundet.

Jetzt muss nur noch die Bevölkerung mitspielen – was im Vorjahr laut Jendrek gut funktioniert hat. „Da haben uns die Menschen gut unterstützt“, sagt er und meint damit, dass weite Teile der Bevölkerung an den Jagdtagen den Wald gemieden haben und das Gros der Autofahrer die temporären Tempolimits eingehalten hat. „Unser Erfolg hängt auch davon ab, dass wir unterstützt werden“, sagt Jendrek und verweist noch einmal auf das hohe Maß an organisatorischer Vorarbeit. Und da übertreibt er nicht: Mit durch den grünen Wald reiten und nach Lust und Laune daherschießen, ist es im Herbst 2019 definitiv nicht getan.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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