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Ehepaar Dittert ärgert sich über ADAC
Von "Monstertruck" abgeschleppt

Es braucht nur das passende Abschleppfahrzeug, um ein Wohnmobil putzig klein aussehen zu lassen. Das Ehepaar Dittert aus Niederfischbach fand die Aktion aber keineswegs lustig, nicht zuletzt aufgrund der Kosten der Aktion.
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  • Es braucht nur das passende Abschleppfahrzeug, um ein Wohnmobil putzig klein aussehen zu lassen. Das Ehepaar Dittert aus Niederfischbach fand die Aktion aber keineswegs lustig, nicht zuletzt aufgrund der Kosten der Aktion.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

nb Niederfischbach. Ein lautes Zischen beendet die kurzen Urlaubsfreuden von Rudolf und Regina Dittert. Das Paar aus Niederfischbach war nebst kleinem Vierbeiner im Wohnmobil an den Bodensee aufgebrochen – noch vor dem zweiten Lockdown.
Friedrichshafen, Meersburg, trotz ordentlich Trubels fanden sie Gefallen an der Region. Doch schon am zweiten Tag war mit dem Urlaubsvergnügen erst mal Schluss: Das laute Zischen, das die beiden hörten, als sie auf Tour waren, war nämlich der Kühlerschlauch – Auftakt zu einem Pannen-Odyssee, auf die sie gerne verzichtet hätten. Aber von vorne.
Seit drei Jahren Wohnmobil-FansAuf den Wohnmobil-Geschmack ist dass Rentnerpaar vor rund drei Jahren gekommen.

nb Niederfischbach. Ein lautes Zischen beendet die kurzen Urlaubsfreuden von Rudolf und Regina Dittert. Das Paar aus Niederfischbach war nebst kleinem Vierbeiner im Wohnmobil an den Bodensee aufgebrochen – noch vor dem zweiten Lockdown.
Friedrichshafen, Meersburg, trotz ordentlich Trubels fanden sie Gefallen an der Region. Doch schon am zweiten Tag war mit dem Urlaubsvergnügen erst mal Schluss: Das laute Zischen, das die beiden hörten, als sie auf Tour waren, war nämlich der Kühlerschlauch – Auftakt zu einem Pannen-Odyssee, auf die sie gerne verzichtet hätten. Aber von vorne.

Seit drei Jahren Wohnmobil-Fans

Auf den Wohnmobil-Geschmack ist dass Rentnerpaar vor rund drei Jahren gekommen. Erst lieh es sich zum Testen das Gefährt von Regina Ditterts Sohn, dann schafften sie sich ihre erste eigene „Ferienwohnung“ auf Rädern an. Inzwischen besitzen sie schon Wohnmobil Nummer 3, ein 4,5-Tonnen-Modell eines bekannten Unternehmens. In Schweden waren sie damit bereits, in den Niederlanden auch und jetzt eben auf Spontan-Trip in süddeutschen Gefilden.
Als sie am Mittag gerade durch Friedrichshafen fuhren, so erzählt Rudolf Dittert im heimischen Esszimmer, gab es plötzlich den „Riesenzisch“: „Ich konnte gerade noch auf ein Firmengelände fahren.“
Der Kühlerschlauch war abgerissen, Kühlwasser trat aus. Für Rudolf Dittert, seit langen Jahren ADAC-Plus-Mitglied, war der nächste Schritt klar: Er griff zum Handy, klingelte beim dem Automobilclub in München an und gab auf Nachfrage die Maße des Wohnmobils durch: 8,30 Meter lang, ca. 2,30 Meter breit und 3,20 Meter hoch. „Und“, so Dittert, „das war der Knackpunkt an der Sache“. Denn am anderen Ende der Leitung habe es geheißen: „Oh, dann haben wir ein Problem.“

Fahrzeug zu groß

Es folgte, so erzählt es Dittert, die Weitergabe an den ADAC-Abschleppdienst in Friedrichshafen. Dort habe es aber nur lapidar geheißen, dass das Fahrzeug einfach zu groß sei und man nicht helfen könne.
Das ist ein Punkt, der den Niederfischbacher ärgert – er hätte sich bereits an dieser Stelle Hilfe und Informationen erwartet, aber: Das nach der Panne aufgeregte Paar musste sich per Google selbst auf die Suche nach einer Werkstatt machen. Dabei „stolperte“ Rudolf Dittert mehr zufällig über den ADAC-Truck-Service in Laichingen. Wieder ein Telefonat, wieder das Durchgeben der Maße. Und das nächste Ärgernis: Ob er denn eine Mastercard habe, das sei praktisch der zweite Satz gewesen, so Dittert, der zähneknirschend seine Kreditkartennummer durchgab.

Riesiger Abschleppwagen

Aber: Wenigstens kam so der Kontakt zu einem ADAC-Servicepartner zustande, und jetzt schien es zu laufen. Rudolf Dittert schickte drei Fotos des Wohnmobils an den Fahrer der Firma, der sich auf den Weg machte. „Da haben wir gedacht: Das klappt ja super“, so die Wohnmobilfans. Bis der „Retter“ dann um die Ecke kam – mit einem riesigen Abschleppwagen. „Ich dachte, ich werd’ verrückt“, erzählt Regina Dittert. Und in er Tat: Auf den Fotos, die Rudolf Dittert gemacht hat, sieht es ein bisschen aus, als nehme ein Bergepanzer einen Smart in Schlepp, schließlich sei das Fahrzeug zum Abschleppen von anderen Fahrzeugen von zwölf bis 40 Tonnen geeignet gewesen. Da nahm sich das Wohnmobil des Paares dann eher putzig aus.Aber, so Dittert, der Fahrer habe gesagt, er wüsste nicht, ob es mit einem kleineren Abschleppfahrzeug gegangen wäre.

1278 Euro für 18 Kilometer

Also erklommen die Ditterts die steile Leiter zum Führerhaus, und ab ging es in einer Werkstatt nach Ravensburg – eine Strecke von rund 18 Kilometern. Teure 18 Kilometer. Denn wieder zu Hause in Niederfischbach erreichte die Rentner die Rechnung dafür: 1278 Euro.
Das, so Dittert, weil unnötigerweise der viel zu große Abschleppwagen zum Einsatz gekommen sei. Er habe das bei anderen Wohnmobilen schon anders gesehen.
Nach wie vor ärgern sich die Ditterts: über die enorme Rechnung, über fehlende Hilfsangebote, darüber, dass sie die Nacht in ihrem Wohnmobil auf dem wenig heimeligen Werkstattparkplatz verbringen mussten. Glücklicherweise sei das Ersatzteil da gewesen, sonst hätte das Ganze vielleicht auch länger gedauert.

ADAC kann bei Kühler-Problemen nichts tun

Aus Kulanz hat der ADAC zwar inzwischen 600 Euro – statt eigentlich 300 Euro – für das Abschleppen übernommen, aber das kann Dittert ebenso wenig beruhigen wie die Antworten, die er auf Beschwerdebriefe bekam. Er und seine Frau hätten sich schlicht im Stich gelassen gefühlt.
„Das tut uns wirklich leid, wie das gelaufen ist“, erklärt ein ADAC-Sprecher auf Nachfrage der SZ. Er erklärt, dass der die Pannenhelfer, also die „gelben Engel“, bei massiven Problemen mit dem Kühler nichts machen könnten. Deshalb sei ein Abschleppwagen geschickt worden. Der Truck-Service sei zum Einsatz gekommen, da „ein normaler Abschleppwagen aufgrund der Höhe des Wohnmobils die zulässige Gesamthöhe für die Unterquerung von Brücken überschritten hätte“, so die Stellungnahme.

Die "gelben Engel" bedauern das Geschehen

Die Vermittlung eines Hotels wiederum erfolge über die Schutzbriefabteilung, mit der Rudolf Dittert keinen Kontakt aufgenommen habe. Dass Herr Dittert sich über die prompte Frage nach einer Kreditkarte geärgert habe, sei verständlich – das solle so nicht geschehen, schließlich würden die Mitarbeiter auch in Kommunikation geschult. Man bedauere, dass die Hilfe-Organisation nicht zur Zufriedenheit der Ditterts gelaufen sei: „Da können wir uns nur entschuldigen.“
Von der Wohnmobil-Begeisterung abbringen konnten die Erlebnisse am Bodensee die Ditterts auf jeden Fall nicht. Klar, so erklären sie, auch weiterhin soll es auf Tour gehen. Hoffentlich pannenfrei.

Es braucht nur das passende Abschleppfahrzeug, um ein Wohnmobil putzig klein aussehen zu lassen. Das Ehepaar Dittert aus Niederfischbach fand die Aktion aber keineswegs lustig, nicht zuletzt aufgrund der Kosten der Aktion.
Rudolf Dittert hat die für ihn unnötige Art der „Pannenhilfe“ im Bild festgehalten. Spaß am Wohnmobilfahren hat er aber nach wie vor.
Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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