Kappes denkt über Fusion mit Mudersbach nach
„Von uns das Brach-, von euch das -bach“

Karnevalstauglicher Ortsbürgermeister oder Sitzungspräsident mit politischen Fähigkeiten? Eigentlich egal.
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  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

damo Brachbach. Kann der Ortsbürgermeister Karneval – oder kann der Sitzungspräsident Politik? Schwer zu sagen, Fakt ist jedenfalls: Spätestens als Steffen Kappes die Bütt okkupierte, herrschte am Samstagabend richtig Stimmung in der nach wie vor zartlachsrosafarbenen Peter-Hussing-Halle. Dorthin hatte die KG Brachbach zur Sitzung eingeladen – und siehe da: Nicht nur die Brachbacher waren dem Ruf gefolgt – auch etliche Mudersbacher waren da. Und die sind diesmal ziemlich glimpflich davongekommen.

Zugegeben: 75 Prozent der Prinzengarde würde eine Welt ohne Mudersbacher besser gefallen. Aber es gab schon Jahre, da mussten die Nachbarn deutlich mehr einstecken. Mittlerweile denkt nämlich sogar der Brachbacher Ortsbürgermeister laut über eine Fusion nach: Zum einen würde das schließlich die Eingemeindung der Brauerei mit sich bringen, zum anderen würde sich am Namen ja gar nicht viel ändern: „Von uns das Brach-, von euch das -bach“ lautet sein freundliches Übernahmeangebot.

Und der Ortsbürjameister hat noch mehr gute Ideen, zum Beispiel wenn er auf den vom Borkenkäfer gequälten Wald schaut: „Alles braun, nichts tut mehr wachsen: Man könnte meinen, man wär in Sachsen“, dichtete Kappes und ließ vor seinem geistigen Auge auf den größten Kahlflächen die eine oder andere Skeleton-Bahn entstehen. Übrigens stand noch ein Politprofi in der Brachbacher Bütt: Jens Stötzel – der als Handwerker mindestens ebenso viel Angriffsfläche bietet wie seinerzeit als Bürgermeister.

Klar, dass zum Karneval auch Tänze gehören, und auch da kann sich die KG Brachbach sehen lassen. Das fängt schon bei den Kleinsten an: Bei den „Les Minis“ ist keiner über acht Jahre – und einige der Tänzer dürften höchstens halb so alt sein. Und trotzdem haben sie schon eine tolle Nummer einstudiert. Beinahe überflüssig zu erwähnen, wer die Zwergenbande trainiert: „dat Lisa“ (Schmidt), wer auch sonst. Die war übrigens nicht nur für „Les Minis“ zuständig, sondern auch für „Les Danseurs“. Die begeisterten das Publikum mit einer tollen Choreographie.

Eine von den „Les Danseurs“-Tänzerinnen hatte anschließend noch einen wirklich bemerkenswerten Auftritt: In Brachbach hat’s noch nie ein Solomariechen gegeben, sondern immer ein Solo-Sophiechen – aber die KG musste ohne Sophie Beul auskommen. Aber die hat zum Glück eine würdige Nachfolgerin gefunden: Das Solo-Julinchen alias Julina Schneider mit seinen gerade mal zehn Jahren wirbelte über die Bühne, als ob sie nie etwas anderes getan hätte. Jeder Schritt passte, und selbst bei anspruchsvollsten Figuren noch strahlend ins Publikum zu lächeln, verdient echt Respekt.

Aber auch die „Großen“, die Braschbijer Garde und die Rot-Weißen Funken, haben am Samstag einmal mehr ihr Talent unter Beweis gestellt: Beide lieferten gewohnt souveräne Darbietungen. Nur ein einziger Tanz fiel ein klitzekleines bisschen aus dem Rahmen, was ästhetische und motorische Skills angeht – aber das wissen die Jungs vom Kolping-Männerballett ja selbst.

Natürlich verzichtete die KG Brachbach auch diesmal nicht auf ihr echtes Alleinstellungsmerkmal – die beiden Profi-Clowns. Rita „Rille“ Meinert und ihr Partner Tobi Thüring, beide Absolventen einer Clown-Schule und wohl auf jeder Kleinkunst-Bühne eine Bereicherung, hatten ihre ganz eigene Rotkäppchen-Interpretation mitgebracht. Und wer sich fragt, wo Rita Meinert ihre faszinierende Mimik hernimmt, bekam zwei Stunden später eine richtig heiße Spur geliefert: Da trat nämlich Bärbel Meinert gemeinsam mit Jutta Zöller auf. Als Rebecca und Larissa erklärten sie nicht nur „der Welt“, sondern auch noch den Klimawandel. Warum es schlecht ist, wenn Ost- und Westpol schmelzen? Weil dann der Meeresspiegel steigt, am Strand weniger Platz bleibt und zwangsläufig die Leute mit Pickeln und Haaren auf dem Rücken näherrücken: „Ich hasse den Klimawandel!“

Auch die Prinzen- und die Ehrengarde brachten sich sehenswert in das gut fünfstündige Programm ein. Spätestens seit ihrem Sketch sollte jeder wissen, dass es der Polizei im höchsten Maße verdächtig vorkommt, wenn ein Autofahrer in Brachbach keinen Tropfen Alkohol getrunken hat: Da kann doch irgendwas nicht stimmen? Und auch ihre Fassung von Aschenbrödel kam bestens an, auch wenn die Figur des Helmut, der königsblauer BVB-Fan bleibt, im Original der Gebrüder Grimm keine ganz so tragende Rolle gespielt hat wie am Samstag in Brachbach.

Bleibt noch eine Frage offen, nämlich die eingangs gestellte, die nach dem Ortsbürgermeister. Und da lieferte der Ausscheller seine ganz eigene Interpretation. Dessen zentrale Bekanntmachung war diesmal nämlich: Steffen Kappes ist neuer Ortsbürgermeister. Diese Botschaft war Martin Zöller so wichtig, dass er sie gleich viermal verkündet hat. Und was er davon hält? „Da hamse den Bock zum Gärtner gemacht.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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