Denkanstöße für Haubergsgenossen
Wald der Zukunft

Monika Runkel vom Forstamt Hachenburg lieferte den Haubergsgenossen allerhand Denkanstöße.

sz Freusburg/Marienstatt. „Wiederbewaldung soll und muss mit der Natur stattfinden“: Das ist das Fazit einer eindrucksvollen Exkursion der Haubergsvorstände. Sie haben sich auf dem eigens angelegten Themenpfad des Forstlichen Bildungszentrums (FBZ) Rheinland-Pfalz/Forstamt Hachenburg im Revier Marienstatt getroffen. Und sie haben laut Pressemitteilung durchaus ermutigende Waldbilder in Augenschein nehmen können.

Herausforderung für Haubergsgenossen

Dabei kommt auf die Haubergsgenossen eine gewaltige Herausforderung zu: „Seit 2018 sterben unsere Wälder großflächig ab. Mit der anstehenden Wiederbewaldung stehen wir gemeinsam vor einer historischen Aufgabe der Daseinsvorsorge für die zukünftige Gesellschaft.“ Problem dabei: Gerade der fortschreitende Klimawandel erfordert überlegtes und fachlich sicheres Handeln. Grund genug für Bernd Wagner und Siegfried Rohs vom Freusburger Haubergsvorstand, zu der Exkursion ins Revier Marienstatt einzuladen. Waldbauern aus Freusburg, Mudersbach, Brachbach folgten der Einladung, ebenso der zuständige Revierleiter Stefan Wulf und Forstamtleiter Michael Weber. Sogar aus den Haubergsgenossenschaften Netphen und Unglinghausen nahmen die interessierte Vorstände teil.
Mit dem Ziel, Varianten und Aspekte ökologischer Wiederbewaldung anschaulich zu dokumentieren und für die Weiterbildung zu nutzen, hat das Bildungszentrum 2020 diesen Themenparcour angelegt. „Wir wollen anschauliche Demonstrationsflächen zur natürlichen Wiederbewaldung nutzen, um daran zu lernen, zu diskutieren und zu sensibilisieren“: Mit diesen Worten begrüßte Marion Runkel, die Leiterin des Forstlichen Bildungszentrums, die Haubergsgenossen.

"Fundus wertvoller Erkenntnisse"

Und so zeigt der Themenparcours sowohl aktuelle Schadflächen als auch einen gesunden, ungleichaltrigen Dauerwald sowie Sturmflächen der großen Stürme Vivian und Wiebke aus 1990. „Speziell die nicht bepflanzten Sturmflächen von 1990 sind heute ein Fundus wertvoller Erkenntnisse“, schreibt Siegfried Rohs an die Redaktion.
Die verschiedenen Waldbilder lieferten unterschiedliche Botschaften:

  • In einem an altersgemischten Buchenmischwald mit Lärche, Bergahorn, Kirsche und Fichte wurden letztere zwar auch Opfer der Borkenkäferschäden – aber: „In einem solchen Dauerwald fallen einzelne Bäume aus, der Wald bleibt jedoch bestehen.“
  • Kahlflächen, entstanden nach Borkenkäferschäden in diesem Jahr, zeigten sich bereits jetzt stark verwildert. Aber inmitten der Brombeeren konnten sich alle Teilnehmer davon überzeugen, dass schon zahlreiche Sämlinge Fuß gefasst hatten: „Eine zufällige Zählung eines Teilnehmenden ergab 13 Sämlinge pro Quadratmeter“, heißt es in der Pressemitteilung. Damit wären bereits jetzt auf der Fläche 130 000 Sämlinge pro Hektar vorhanden: Eichen, Fichten, Bergahorn, Vogelbeere. Und die Wurzelentwicklung der Sämlinge sei ungestört und sehr vital.
  • Auch die Bedeutung des liegenden und stehenden Totholzes auf den Schadflächen wurde intensiv besprochen. Nicht nur der Borkenkäfer, sondern auch seine 300 natürlichen Gegenspieler leben im abgestorbenen Holz, darunter Jagdkäfer, parasitierende Fliegen, Schlupfwespen oder Milben. Klare Botschaft der Exkursion: „Räumen wir alle toten Hölzer aus, nehmen wir auch den Feinden des Borkenkäfers die Lebensgrundlage. Aus diesem Grund muss in gewissem Umfang stehendes und liegendes Totholz im Wald verbleiben.“ Zudem sorge vermoderndes Holz am Boden für Windruhe und Kühlung durch den Wassergehalt.
  • Der Höhepunkt der Exkursion waren aber die Wiederbewaldungsflächen der Sturmflächen 1990. „Die Betrachtung eines aus Naturverjüngung, also ohne jegliche Pflanzung entstandenen Mischwalds, verursachte ungläubiges Staunen unter allen Beteiligten“, heißt es in dem Schreiben an die Redaktion. Der damals bereits zuständige Revierförster Andreas Schäfer nahm sich der Fläche an und entwickelte durch gezielte waldbauliche Pflege einen stabilen Mischwald aus Eiche, Birke, Lärche, Douglasie, Kirsche und Fichte – in dem nur 28- jährigen Wald konnte er bereits zweimal Brennholz nutzen, und der nächste Pflegehieb ist schon wieder fällig.

Erst mal abwarten

Insbesondere dieses Waldbild hat laut Pressemitteilung Eindruck hinterlassen. So wird Förster Stefan Wulf mit der Aussage zitiert, dass vor einer Pflanzung die Prüfung stehen solle, was schon auf der jeweiligen Fläche vorhanden ist. Und Erfried Gerhardus von der Haubergsgenossenschaft Mudersbach kündigte an, „jetzt erst mal abzuwarten, wie sich die Flächen entwickeln, bevor wir Geld vergraben, denn zukünftig fehlen uns die Einnahmen. Unser Geld können wir nämlich nur einmal aufgeben.“
Auch Hermann Jung aus Brachbach war laut Pressemitteilung überzeugt: „Ich kann mir jetzt gut vorstellen, die eine oder andere Kahlfläche der natürlichen Sukzession zu überlassen und den Heimatverein um eine Beschilderung zu bitten. Dann lernen bei uns alle etwas. Zudem können wir diese riesigen Flächen nicht alle aufforsten.“

Politik ist gefragt

Siegfried Rohs nutzte die Exkursion zugleich zu einer Warnung: „Es darf nicht passieren, dass sich Waldbesitzer von ihrem Wald verabschieden und am Ende Investoren mit ganz anderen Interessen Wälder aufkaufen. Hier ist die Politik gefragt. Die Leistungen des Waldes von Wasserschutz über Biodiversität bis zur Erholungsnutzung werden bisher leider nicht finanziell honoriert. Das muss sich ändern.“

Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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