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Rechtsstreit in Mudersbach
„Wallos“ Waschanlage wäscht nicht mehr

Tim und Walter Hering vor der geschlossenen Waschanlage an ihrer Tankstelle. Mit einem Eilantrag wollen sie nun vor Gericht erreichen, dass der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.  Foto: thor
  • Tim und Walter Hering vor der geschlossenen Waschanlage an ihrer Tankstelle. Mit einem Eilantrag wollen sie nun vor Gericht erreichen, dass der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Foto: thor
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Mudersbach. Die Esso-Station an der B 62: Für viele Mudersbacher gehört sie zum Erscheinungsbild des Dorfes wie die kath. Kirche, der Kirmesplatz oder das Kreuz auf der Hohen Ley. Irgendwie war sie schon immer da, so der Eindruck. Eine Anlaufstelle für Einheimische und Pendler an der meistbefahrenen Straße des Kreises Altenkirchen. Doch plötzlich wird die mittelfristige Existenz der Tankstelle infrage gestellt. Inhaber Walter Hering, den das ganze Siegerland eigentlich nur unter seinem Spitznamen „Wallo“ kennt, hat in dieser Woche eine Mail von seinem Anwalt erhalten. Beigefügt war eine Anordnung der Kreisverwaltung, die die sofortige Schließung der angegliederten Waschanlage beinhaltet.

thor Mudersbach. Die Esso-Station an der B 62: Für viele Mudersbacher gehört sie zum Erscheinungsbild des Dorfes wie die kath. Kirche, der Kirmesplatz oder das Kreuz auf der Hohen Ley. Irgendwie war sie schon immer da, so der Eindruck. Eine Anlaufstelle für Einheimische und Pendler an der meistbefahrenen Straße des Kreises Altenkirchen. Doch plötzlich wird die mittelfristige Existenz der Tankstelle infrage gestellt. Inhaber Walter Hering, den das ganze Siegerland eigentlich nur unter seinem Spitznamen „Wallo“ kennt, hat in dieser Woche eine Mail von seinem Anwalt erhalten. Beigefügt war eine Anordnung der Kreisverwaltung, die die sofortige Schließung der angegliederten Waschanlage beinhaltet. Damit wurde offensichtlich eine Verfügung der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) umgesetzt. Es ist dies nicht nur der Höhepunkt eines seit längerem schwelenden Rechtsstreits, sondern vor allem das Ergebnis einer behördlichen Schlamperei.

Köhler: "Das können sie keinem erklären."

Am Mittwochabend war das Thema krachend im Verbandsgemeinderat Kirchen aufgeschlagen. Die Sitzung war fast schon zu Ende, als Christof Lautwein (FDP) die Schließung ansprach und Genaueres wissen wollte. Bürgermeister Maik Köhler verwies auf einen Nachbarschaftsstreit und einen notwendigen neuen Bauantrag. Die Waschanlage weiche „minimal“ von dem ab, was vor Jahrzehnten genehmigt worden sei. Köhler: „Das ist nicht nachvollziehbar, das können sie auch keinem Menschen erklären, weder dem Unternehmer noch den Kunden.“ Der Bürgermeister sprach von einer „bedauerlichen“ und „erschreckenden“ Entscheidung. Es sei schade, dass es zu keiner Einigung gekommen sei.

Wichtiger Nahversorger

Auch Hans-Georg Gerhardus (FDP) nannte den Fall „haarsträubend“. Der Tankstellen-Betreiber werde hier offensichtlich dafür bestraft, dass er seinerzeit – auf Bitten des Bauamts – Flächen abgegeben habe. Völliges Unverständnis ebenso beim 1. Beigeordneten Ulrich Merzhäuser: Über Jahrzehnte sei alles in Ordnung gewesen, die Tankstelle sei ein wichtiger Nahversorger für Mudersbach.

Tankstelle seit 1958 vor Ort

Zur Historie: Der Betrieb selbst existiert an dieser Stelle seit 1958, Hering übernahm die Tankstelle 1978 zunächst als Pächter, zehn Jahre später erfolgte die Übernahme. Im Zuge der steigenden Umweltauflagen wurden die Anlagen 1997 komplett abgerissen und neu aufgebaut. Parallel arbeitete die Ortsgemeinde an der Stützmauer der angrenzenden Straße. Dann das Malheur: Es fehlte an Platz, um den dort befindlichen Kanal unangetastet zu lassen. Hering erklärte sich damals bereit, 90 cm von seinem Grundstück abzugeben. Und genau um dieses Maß sei dann auch die neue Waschanlage nach hinten gerückt. „90 cm weg vom Nachbarn“, wie Hering betont. Mit der Halle wollte er sich ein weiteres wirtschaftliches Standbein schaffen, schließlich wird das Geld nicht mit dem Sprit verdient. Erst das Zusammenspiel von Tanken, Shop, Werkstatt und Waschanlage macht das Geschäftsmodell erst möglich. So waren alle zufrieden: Ortsgemeinde, Bauamt – und natürlich Hering. Was er da nicht wusste: Diese bauliche Veränderung, besagte 90 cm, sind bei der Kirchener Verwaltung nie aktenkundig eingetragen worden.

Schwierige Lärm-Messungen

Und dann ging irgendwann, so schildert es der Unternehmer, das einstmals gute Verhältnis zu einem Nachbarn zugrunde, der das Haus nebenan direkt an der B 62 gekauft hatte, wo mittlerweile Tag für Tag bis zu 20 000 Fahrzeuge gezählt werden, darunter 6000 Lkw – die HTS lässt grüßen. Seit 2015 befinde man sich im Rechtsstreit. Zunächst sei es nur um Lärm gegangen. Damals habe die SGD Nord Messungen durchführen lassen bzw. lassen wollen. „Die haben gesagt, wir können die Straße nicht rausfiltern, weil sie zu laut ist“, berichtet Hering, der daraufhin einen eigenen Gutachter beauftragte.

Es ging auf jeden Fall hin und her, wobei der Mudersbacher immer stärker das Gefühl bekam, dass die Behörden nicht gerade auf seiner Seite stehen. Eines Tages habe sogar eine Ortsbegehung mit der Bürgerbeauftragten des Landes stattgefunden – nur mit ihm habe an diesem Tag keiner gesprochen.

"Illegaler Schwarzbau"

2018 habe es einen Gütetermin vor Gericht in Koblenz gegeben, erzählt Hering. Mit einem Sicht- und Schallschutz wäre die Sache aus seiner Sicht erledigt gewesen. Es war dies auch das Jahr, in dem eine sechsstellige Summe in die Modernisierung der Waschanlage investiert wurde. Doch bevor er den Schutz habe in Auftrag geben können, sei der Nachbar von der Vereinbarung zurückgetreten. Dann auf einmal sei alles neu vermessen worden – und nach 20 Jahren erfuhr Hering zum ersten Mal, dass seinerzeit beim Eintrag in die Akten ein großer Fehler gemacht worden war (obwohl er alles brav bezahlt hatte). Die Konsequenz: Eine neue Baugenehmigung sei erforderlich. Was den Tankstellen-Betreiber maßlos ärgert: „Im Siegerland wird jetzt rumerzählt, dass ich einen illegalen Schwarzbau betreibe.“

Ein reines Wohngebiet?

Über den Feiertag war noch keine Stellungnahme der SGD Nord oder der Kreisverwaltung zu erhalten. Von den Verantwortlichen in Altenkirchen ist Hering jedenfalls maßlos enttäuscht. Dem Vernehmen nach berufen sich die Behörden aber nicht nur auf die fehlende Baugenehmigung, sondern argumentieren auch damit, dass die Tankstelle in einem Allgemeinen Wohngebiet liegt und die dortigen Auflagen zu befolgen hat. Offensichtlich hat es hier einmal eine „Umwidmung“ gegeben, allerdings gab es die Tankstelle da schon längst, sodass es nach der Rechtsauffassung des Unternehmers nach wie vor eine bauliche Gemengelage ist.

Wut und Enttäuschung sind auch deshalb bei der Familie Hering groß, weil man eigentlich zuversichtlich nach vorn geschaut hat. Sohn Tim steht bereits in den Startlöchern, um den Betrieb zu übernehmen. Ob sich das allerdings ohne Waschanlage und den beschriebenen Synergieeffekten lohnt, darf stark bezweifelt werden.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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