Weltmeister der lässigen Lebensart

Laufsteg-Stars: Bei Norbert Greb am Druidenstein schläft und frisst eine Siebenschläfer-Familie

goeb Herkersdorf. Einmal so richtig alle Viere von sich strecken wie ein Siebenschläfer – wer wünscht sich das nicht nach Tagen der Mühe, Plackerei und Frondienste in der modernen Arbeitswelt. Im Tierreich wird uns das exzellent vorgemacht: Ein Bild von den Bilchen (lat. Gliridae, Schlafmäuse) kann man sich in diesen Wochen wieder in der Trinkhalle am Druidenstein machen, wo man bei Norbert Greb ein gepflegtes Bierchen oder eine Apfelsaftschorle bekommt.

In der Mittagszeit, mitunter auch am Abend, sagt die unter dem Dach wohnende Bilch-Familie gewöhnlich den Gästen guten Tag, kommt droben vom Dach übers Treppchen hinab, und klettert auch auf manche Hand, die ihr einen Leckerbissen darbietet. Hier weichen die Tiere von ihrem »normalen« Verhalten ab, denn Bilche gelten eigentlich als nachtaktiv.

Gut und gerne 20 Jahre lang betreibt Greb die idyllisch gelegene Gaststätte am Basaltfelsen, und seither sind auch die Siebenschläfer Mitbewohner der Anlage. Man kennt sich bestens. Große dunkle Augen und ein buschiges Schwänzchen sind die Kennzeichen der flinken Kleinsäuger. »Die Alten wandern ab, die Neuen kommen«, erzählt der Kneipier. Diesmal hat Familie Bilch zwei Junge bekommen. »Die laufen auch schon mal allein rum«, weiß Greb. Geck seien sie auf Kaffeesahne, hoch im Kurs stehen auch Nüsse, Mandeln und Obst.

Vorbei sind die Zeiten, da sie auch die Tische erreichen konnten, »da kletterten die über die Schwarten hin«. Schluss ist damit, seit Greb die Bude vertäfelt hat, selbst die Kletterkünste der mit sehr beweglichen Händchen und einer Art Haftfinger ausgestatteten possierlichen Tierchen reichen für solch ein Abenteuer nicht aus. Unterhalb des Treppchens – sie benutzen lieber das Holzgeländer – finden sie auf einem Holzbord die von Tiervater Greb hingestellten Köstlichkeiten.

Viele Erinnerungen verbindet er mit den Tieren, die in der Regel nicht viel älter als fünf bis sieben Jahre alt werden. Einmal hatte er ein ganz Zahmes, das sogar bis auf die Schulter gelaufen kam. Greb fand seine Reste eines Tages draußen vor der Tür: ein Marder hatte das zutrauliche Tier wohl gefressen. In diesen Tagen, wo es schon Eicheln gibt, legen sich die Siebenschläfer einen Vorrat unter dem Dach in ihren Gemächern an. Als echte Winterschläfer »verratzen« sie sieben Monate des Jahres. »Zu Bett gegangen« wird meist gegen Ende Oktober, »und dann hört man sie erst wieder im Mai oder Juni«.

Abgemagert bis auf die Knochen, lassen sich sich die Bilche dann wieder täglich blicken – und füttern. Die Scheu vor dem Menschen haben die Siebenschläfer irgendwie verloren. Für einen Butterkeks oder eine Weintraube zeigen die Tierchen sogar einige Kapriolen auf dem »Laufsteg«.

Norbert Greb hat immer wieder festgestellt, dass die Säuger-Art bei Besuchern kaum oder gar nicht bekannt ist. Aber wenn die Tiere dann aus der Höhle unter dem Spitzdach hervorkommen und das Treppchen nehmen, gibt es bei den Gästen stets große Augen – fast so groß wie bei den Siebenschläfern.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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