Wenn der Liebling zur bellenden Nervensäge wird

Infoveranstaltung des Teckelklubs Kirchen zur Hundeerziehung fand regen Anklang

fram Wehbach. Was tun, wenn das niedliche »Hundchen«, das die Tochter zu Weihnachten bekommen hat, gar nicht mehr so niedlich ist? Wenn der Liebling der Familie zur Nervensäge wird? Die Hausschuhe anfrisst und nach dem Abendessen auf dem Tisch schnappt, statt brav in seinem Körbchen zu liegen? Laut werden bringt gar nichts, erklärt Heinz Jürgen Naunheim vom Teckelklub Kirchen. Das nähmen die Hunde nicht ernst. Er muss es wissen: Er hat selbst fünf Dackel zu Hause, und die nicht unter Kontrolle zu haben, wäre wohl nicht so angenehm.

Nach seiner ersten Infoveranstaltung (die SZ berichtete) hatten sich diesmal wieder viele Interessierte eingefunden – allesamt schon Hundebesitzer; obwohl Naunheim auch gerne Menschen berät, die erst vor der Entscheidung für einen Hund stehen.

Was hat die Vortragsbesucher wohl hergetrieben? »Wir haben einen kleinen Mischling bekommen – vom Tierschutzverein. Der ist aus Spanien aus der Tötungsstation geholt worden und ist nur unerzogen, nicht ungezogen. Und da möchten wir jetzt versuchen, das Richtige mit ihm zu machen«, erklärte Sabine Behrens aus Breitscheid. Ambrosius Cordes aus Mittelhof hat das Problem erkannt: »Wir haben uns einen Beagle gekauft. Der ist jetzt acht Monate alt und ist noch relativ schwierig, hört sehr schlecht – und wir wollen natürlich keine Fehler machen bei der Erziehung. Deswegen haben wir uns hier angemeldet.« Evelyne Beer aus Kreuztal betreibt eher nachträgliche Hundepsychologie: »Ich habe einen Dackel, der ist vier Jahre alt, ja, und der hat so ein paar Macken. Da möchte ich wissen, was mit dem los ist, und warum – vielleicht, dass ich auch schuld bin, dass ich den falsch gehandhabt habe.« Andreas Bald aus Wilnsdorf hat seit einem dreiviertel Jahr einen West Highland Terrier, »und das ist ein reiner Temperamentsbolzen. Ich erhoffe mir jetzt, dass mein Hund durch die Schulung mal etwas gesellschaftsfähiger wird – und ich natürlich auch, ich nehme an, der Hund kann am wenigsten was dazu, das bin dann doch wohl ich eher schuld. Es macht schon Spaß mit dem Hund, aber es ist auch manchmal ein bisschen peinlich.« Und was »verbricht« der »Racker«? »Er ist wild. Er springt gerne die Leute an – freu, freu! Und streichle mich, und kuschle mich, und mach und tu. In den West Highlands ist er nun mal bekannt als Sirene, und das lässt er schon mal gerne raus. Er hat schwer viel Temperament, und da will ich mal lernen, den einigermaßen zügeln zu können.«

Im dicht besiedelten Deutschland gibt es immerhin 4,8 Millionen Hunde. Ein Auskommen von Hund zu Hund, Nichtbesitzern zu Besitzern und Besitzern untereinander steht für Hundetrainer Naunheim ganz oben. »Stellen Sie sich vor, da gibt es einen kleinen Park, da gehen Sie und andere mit ihrem Hund abends spazieren. Und da treffen dann 20 Hunde aufeinander – verschiedener Rassen und verschiedener Erziehung.« Kenne deinen Hund, seine Bedürfnisse, sein Verhalten - diese Kompetenz sollten Hundebesitzer haben, findet Naunheim. Und sich möglichst schon vor dem Hundekauf über das Zusammenleben informieren. Ein Hund ist eben kein Ding. »Wenn man Motorrad fährt, das kann man in der Garage lassen, den Hund hat man aber 24 Stunden«, betont Naunheim.

Mit entsprechenden Tipps, die man bei anderen Haltern und im Lehrgang bekommt, kann man von der ersten Minute an auf den Welpen einwirken. »Die laufen sonst ein Jahr herum, haben schon alles mögliche dumme Zeug gelernt, und dann fängt man an, die Hunde zu erziehen. Das ist dann sehr schwierig.« Gehorsam ist jedenfalls trainierbar Aber nicht mit der Brechstange, wie der Experte beim Plaudern aus dem Teckelklub-Alltag betont. »Wir haben keinen Kasernenton, was oft auf Hundeplätzen der Fall ist«.

Sanfte Erziehung ist angesagt, und das heißt: Konsequent sein, dem Hund immer wieder seine Regeln klar machen und nicht aus Bequemlichkeit nachlässig werden. Beharrlichkeit statt Strenge geben dem Hund Sicherheit, Orientierung und den richtigen Draht zum »Alpha-Tier«. Dann wird er zu einem loyalen Rudeltier – wie sein wilder Vorfahre.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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