Kinderschutzdienst bietet Hilfe an
Wenn Kinder unter Gewalt im häuslichen Umfeld leiden

Fehlende Kontakte und Kontrollinstanzen wie Schulen oder Kitas, vermehrte Probleme in den Familien: Die Pandemie hat auch Auswirkungen auf Kinder und
Jugendliche, die von Gewalt bedroht oder betroffen sind.
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  • Fehlende Kontakte und Kontrollinstanzen wie Schulen oder Kitas, vermehrte Probleme in den Familien: Die Pandemie hat auch Auswirkungen auf Kinder und
    Jugendliche, die von Gewalt bedroht oder betroffen sind.
  • Foto: Pixabay (Symbolfoto)
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nb Kirchen. „Kinderschutzarbeit ist immer Netzwerkarbeit“: Das sagt Lucia Stupperich klar und deutlich. Schließlich spricht sie aus Erfahrung: Stupperich ist eine von vier Kräften des Kinderschutzdienstes Landkreis Altenkirchen.
Und der Begriff von der Netzwerkarbeit, er zeigt zwei Dinge ganz deutlich: Zum einen, wie wichtig es grundsätzlich für den Fachdienst ist, in einem Netz aus Partnern eingebunden zu sein. Zum anderen, welche Folgen die Corona-Pandemie auf seine Arbeit hat.

Lockdowns werden zum Problem

Denn: Die Pandemie hat Löcher in das Netz gerissen. Schließlich gehören Kitas und insbesondere Schulen zu den wichtigsten Partnern, zu denen, die am nächsten dran sind an den Kindern, zu denen, die oft feine Sensoren für Probleme und Verhaltensänderungen haben – und sich dann beim Schutzdienst melden. Und genau diese Partner und Problem-Melder sind in den Lockdowns unverschuldet weggebrochen. Lucia Stupperich bringt auch das deutlich auf den Punkt: „Nach den Lockdowns hat hier die Hütte gebrannt.“
Stupperich und ihre Kollegin Petra Baldus haben zum Pressegespräch ins Kirchener Domizil des Kinderschutzdienstes geladen. Sie stellen dessen Aufgaben und ihre Arbeit vor, beleuchten aber natürlich auch die Frage: Wie geht es den Kindern und Jugendlichen in der Corona-Zeit?
Der Schutzdienst ist Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die von Vernachlässigung oder von Gewalt bedroht oder betroffen sind. Unter Gewalt ist dabei nicht ausschließlich körperliche Gewalt zu verstehen, sondern z. B. auch sexualisierte oder seelische Gewalt.

Kinderschutzdienst für Kinder und Erwachsene

„Jeder kann sich hier melden“, nimmt Petra Baldus die Scheu vor der Kontaktaufnahme. Der Fachdienst ist Anlaufstelle für betroffene Kinder und Jugendliche, aber etwa auch für Eltern, Freunde, Ärzte, das Jugendamt, Kitas und Schulen. Geboten werden den Betroffenen engmaschige Beratung sowie Betreuung und professionellen Kräften – also z. B. Erzieherinnen oder Lehrern – ebenfalls Unterstützung sowie Fortbildungsmöglichkeiten. Ein wichtiger Baustein ist zudem die Kindeswohlgefährdungseinschätzung. Und der Appell an die Bildungseinrichtungen, sich zu melden, ist ebenfalls klar: „Wir kommen lieber umsonst raus, als zu spät.“ Beratung und Betreuung der Kinder und Jugendlichen finden in den Räumen „Am Buschert“ statt. Seit April ist der Kinderschutzdienst hier untergebracht, die Räume sind einladend und freundlich und bieten zudem Platz für altersgemäße Aktivitäten. Einiges ist großzügigen Sponsoren aus der Region zu verdanken, die damit ebenfalls zum Netzwerk gehören. Eigentlich wollte man die Einrichtung mit einem Tag der offenen Tür vorstellen, aber der musste wegen der Pandemie abgesagt werden. Und damit ist man beim Thema, das derzeit wieder mehr als „Konjunktur“ hat.

Schulen und Kitas als Problem-Melder

Sie seien froh, dass Schulen und Kitas offen bleiben sollen, so Petra Baldus und Lucia Stupperich. Denn eben aus den Schulen kämen ganz viele Meldungen an den Schutzdienst. Zudem sei für manche Kinder die Schule oder der Kindergarten eben auch ein Zufluchtsort, an dem man Problemen oder gar Gewalt eine Zeit lang entkommen kann.
Dies fehlte in den Lockdowns – einer der Gründe, warum die Pandemie viele Probleme (neu) hervorgebracht oder verschärft hat. Gerade in den Familien, in denen es an Ressourcen wie Geld, technischer Ausstattung oder schlicht Räumen fehlt, hätten die Probleme zugenommen: „Wenn ich auf wenigen Quadratmetern hocke, knallt es eher.“ Gleichzeitig betonen die zwei Frauen, dass es Gewalt gegen Kinder in allen Schichten gibt.

Angst vor Corona

Auch wenn es für dieses Jahr noch keine genauen Zahlen gibt, eine Zunahme an Fällen für den Kinderschutzdienst hat es nach Einschätzung von Stupperich und Baldus nicht gegeben – aber eine andere Verteilung: Nach den Lockdowns und Schulschließungen, als Lehrer und andere Kräfte wieder genauer hinschauen konnten, ballte es sich.
Zudem hat das Virus auch für ganz neue Probleme und Ängste gesorgt: Neben dem Mangel an Kontakten hätten viele Mädchen und Jungen auch Angst, sich selbst oder andere anzustecken.
Zudem, so der abschließende Punkt, kristallisiere sich in der Pandemie heraus, wo es grundsätzlich hakt. Dass auch im Jahr 2021 Kinderrechte immer noch nicht im Grundgesetz verankert sind, sei ein Skandal. Und auch die Stellenausstattung des Schutzdienstes – vier Teilzeitkräfte für den ganzen Kreis – spreche für sich.
So lautet das bittere Fazit von Petra Baldus: „Kinder und Jugendliche werden von der Politik grundsätzlich zu wenig gesehen.“
Kontakt zum Schutzdienst unter Tel. (0 27 41) 93 00-46/47

Fehlende Kontakte und Kontrollinstanzen wie Schulen oder Kitas, vermehrte Probleme in den Familien: Die Pandemie hat auch Auswirkungen auf Kinder und
Jugendliche, die von Gewalt bedroht oder betroffen sind.
Petra Baldus (l.) und Lucia Stupperich gehören zum Team des Kinderschutzdienstes für den Kreis Altenkirchen. Sie informierten jetzt über ihre Arbeit in der Pandemie.
Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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