Widerstand gegen »letztes Denkmal« für Dr. Beth

Die CDU der Verbandsgemeinde Kirchen wehrt sich massiv gegen BBS-Anbau in Wissen zum Nachteil von Mudersbach

thor Mudersbach. Wenn kein (alter) Fehler gemacht wurde, so ist dies noch lange kein Grund, einen (neuen) Fehler zu begehen. Auf diese simple Formel lässt sich die Meinung der CDU in der Verbandsgemeinde Kirchen zum geplanten Anbau der Berufsbildenden Schule in Wissen bringen. Wie von der SZ berichtet, hatte Landrat Dr. Alfred Beth noch am Freitag ein klares Bekenntnis zu dem 1,5-Millionen-e-Projekt abgegeben. Und gleichzeitig hatte er auch gewisse »Fehler« in der früheren Kirchener Schulbaupolitik unter der Regie von Bürgermeister Paul Wingendorf angeprangert. Für den Landrat ist die Unterbringung von Teilen der BBS Wissen im ehemaligen Hauptschulgebäude in Mudersbach ein »Auslaufmodell« – ohne Wenn und Aber. Für diese Haltung und seine jüngsten Äußerungen erntet Dr. Beth nun heftige Kritik seiner Parteifreunde aus der Verbandsgemeinde Kirchen.

Als sich Vorstand und Fraktion gestern vor Ort in Mudersbach trafen, sprach Gemeindeverbandsvorsitzender Georg Becker von einer »sehr bedenklichen Entwicklung« und wies die Vorwürfe des Landrats an die Kirchener Adresse entschieden zurück. Angesichts einer in allen Bereichen überstrapazierten Haushaltslage sei ein Anbau in Wissen bei gleichzeitigem Leerstand in Mudersbach nicht zu verantworten. Becker: »Der Kreis ist nicht in der Lage, die Probleme in Kirchen zu lösen; das soll er auch gar nicht. Aber vielleicht ist Kirchen in der Lage, die Probleme des Kreises zu lösen.«

Ulrich Merzhäuser, Vorsitzender der CDU im Verbandsgemeinderat, verwahrte sich gegen den Eindruck einer falschen Planung in Mudersbach. Über zehn Jahre lang sei die Schule voll ausgelastet gewesen, mit bis zu 600 Schülern: »Man kann hier nicht von einer Fehlinvestition sprechen.« Im Gegensatz zum Kreis sei in der Verbandsgemeinde bereits eine gewisse Erkenntnis vorhanden gewesen, als man z.B. das Hallenbad geschlossen habe, so Merzhäuser. Aktuell sieht die Belegung des Gebäudes übrigens so aus: 52 Prozent werden von der BBS genutzt, 14,5 Prozent von der Grundschule und 3 Prozent von Vereinen.

Bürgermeister Wolfgang Müller plädierte dafür, sorgfältig im gesamten Kreis die Raumkapazitäten zu sondieren. »Auch an den Berufsbildenden Schulen geht die demographische Entwicklung nicht vorbei«, mahnte er und forderte ein langfristigeres Denken, denn: »Die Finanzen gehen uns alle an.« Der 1. Beigeordnete Werner Becker verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass auf der alten Hauptschule noch ein jährlicher Schuldendienst von 90000 Euro lastet. An Mieteinnahmen erhält die Verbandsgemeinde Kirchen momentan rund 130000 Euro vom Kreis für die Nutzung durch die BBS. Die Kommune würde durch einen Anbau in Wissen folglich doppelt bestraft, denn schließlich müsse der Kreis diese Maßnahme über Jahre hinweg vorfinanzieren – und hier sitze die VG Kirchen über die Umlage mit im Boot, erklärte Becker.

Raumnot bewusst geschaffen

Für die Christdemokraten ist die »akute Raumnot« in Wissen teilweise bewusst konstruiert worden, indem zum Teil bereits Klassen aus Mudersbach abgezogen worden seien. Dabei habe es mit der Außenstelle nie Probleme gegeben, meinte Müller. Der frühere Schulleiter Dr. Roland Dosch habe stets betont, dass man »bestens untergebracht« sei. Erst mit dem Wechsel in der Schulleitung, so hat die CDU beobachtet, sei der Druck hinsichtlich eines Anbaus deutlich größer geworden.

Zwischen Kirchen und Friesenhagen ist man jedenfalls bereit, im Kreistag für die weitere Nutzung der Mudersbacher Schule zu kämpfen. »Auch Dr. Beth hat nur eine Stimme«, stellte Wolfgang Zielinski klar. Wenn der Landrat sich in Wissen ein »letztes Denkmal« setzen wolle, dann müsse er mit Widerstand rechnen. Ulrich Merzhäuser hofft dabei auch auf die Unterstützung der SPD, hatte sich diese im Kommunalwahlkampf doch ganz ähnlich geäußert. Kluge Ratschläge aus Altenkirchen verbittet man sich jedenfalls in Kirchen. »Wir werden unsere eigenen Schulaufgaben schon machen«, sagte Zielinski.

Schwerer Stand für Dr. Rosenbauer

Die Unterstützung aus anderen Parteien werden die Kirchener Christdemokraten auch dringend brauchen, denn der eigene Kreisvorstand steht – nach einem Beschluss während der jüngsten Klausurtagung – hinter dem Anbau in Wissen. Schriftlich wurde festgehalten: »...bedeutet dies für den Kreis Altenkirchen, dass an der BBS Wissen ein zusätzlicher Anbau nicht vermieden werden kann.« So hatte der Kreisvorsitzende Dr. Josef Rosenbauer gestern in Mudersbach einen schweren Stand und musste für seine »Neutralität« ordentlich einstecken. Da half ihm auch nicht sein Hinweis auf die Forderung der ADD, wonach aus »pädagogischen Gründen« ein Unterricht in nur einem Gebäude verlangt werde. Zielinski: Das ist Unsinn. Pädagogik spielt sich im Klassenzimmer ab.«

»Wir ziehen das jetzt durch«

Nun hat der CDU-Kreisvorstand allerdings auch einen zusätzlichen Raumbedarf an der BBS Betzdorf/Kirchen festgestellt. Um hier Abhilfe zu schaffen, seien drei Varianten möglich: a) Teilauslagerung nach Mudersbach, b) Nutzung des IHK-Gebäudes auf dem Molzberg, c) Ausbau bzw. Nutzung von Containern. Dabei kommt die IHK wohl nicht in Frage: Laut Rosenbauer hat ein Gutachten ergeben, dass dort die Räume zu klein seien. Für die Kirchener CDU ist das kein Trostpflaster, werde dadurch doch der Anbau in Wissen nicht verhindert. Die Kampfansage ist erfolgt: »Dem Bürger ist das nicht mehr zu vermitteln, wir ziehen das jetzt durch«, betonte Zielinski.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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