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Bürgerinitiative Wildenburger Land
Windkraft-Gegner lassen nicht locker

Horst Braun, Christoph Buchen, Udo Otterbach und Christoph Gehrke haben jetzt mit der SZ eine Bilanz nach fünf Jahren BI Wildenburger Land gezogen.
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  • Horst Braun, Christoph Buchen, Udo Otterbach und Christoph Gehrke haben jetzt mit der SZ eine Bilanz nach fünf Jahren BI Wildenburger Land gezogen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Friesenhagen. Auf den ersten Blick hat die Bürgerinitiative (BI) Wildenburger Land im Juni ihren größten Erfolg gefeiert: Da hat die Kreisverwaltung der Firma Altus einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht und ihr die Genehmigung zum Bau des Windparks bei Steeg versagt. Hat die BI im fünften Jahr ihres Bestehens also ihr Ziel erreicht? Keineswegs.
Denn zum einen lässt Altus die Abfuhr aus Altenkirchen nicht auf sich sitzen: Der Windkraftprojektierer hat Widerspruch gegen das Veto der Kreisverwaltung eingelegt. Zum anderen aber – und das ist viel bedeutsamer – will die BI Wildenburger Land mehr sein als nur ein Zusammenschluss von Bürgern, die keinen Schattenwurf im Wohnzimmer wollen.

damo Friesenhagen. Auf den ersten Blick hat die Bürgerinitiative (BI) Wildenburger Land im Juni ihren größten Erfolg gefeiert: Da hat die Kreisverwaltung der Firma Altus einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht und ihr die Genehmigung zum Bau des Windparks bei Steeg versagt. Hat die BI im fünften Jahr ihres Bestehens also ihr Ziel erreicht? Keineswegs.
Denn zum einen lässt Altus die Abfuhr aus Altenkirchen nicht auf sich sitzen: Der Windkraftprojektierer hat Widerspruch gegen das Veto der Kreisverwaltung eingelegt. Zum anderen aber – und das ist viel bedeutsamer – will die BI Wildenburger Land mehr sein als nur ein Zusammenschluss von Bürgern, die keinen Schattenwurf im Wohnzimmer wollen. Die BI hat sich längst zu einer außerparlamentarischen Opposition im Wildenburger Land gemausert, deren Positionen weit über ein bloßes „Keine Verspargelung der Landschaft“ hinausgehen.

Bürgerinitiative Wildenburger Land lehnt Windräder ab

Das Credo der BI ist noch dasselbe wie vor fünf Jahren, als die Pläne des Hauses Hatzfeldt und der Firma Altus in Friesenhagen bekannt wurden: Die Gruppe lehnt Windkraftanlagen ab. Und zwar nicht nur vor der eigenen Haustür, sondern kategorisch und überall.
Dahinter steht die Überzeugung, dass sich drängende Probleme wie Klimawandel und Artensterben nicht mit grünen Technologien lösen lassen. „Wir brauchen dringend eine Diskussion über unseren Lebensstil, unser Konsumverhalten und unsere nicht nachhaltige Wirtschaftsweise, die zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen auf dieser Erde führen“, formuliert es Horst Braun. Und Christoph Gehrke spricht aus, welche Erkenntnis für ihn zwingend am Ende einer solchen Diskussion stehen wird: „Ohne Reduktion wird es nicht gehen.“
Vor diesem Hintergrund warnt die BI eindringlich davor, Lebensräume zu opfern für Technologien, die die Probleme der Zukunft nach ihrer Einschätzung ohnehin nicht lösen können. Folglich erstreckt sich ihre Ablehnung nicht nur auf Windräder, sondern auch auf Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen, aber zudem auf den Flächenfraß, der eine zwingende Begleiterscheinung der Ausweisung neuer Gewerbe- oder Wohngebiete sei.

Den beiden Steinschmätzern gefallen die Plakate der BI offenbar ganz gut.

„Die ersten zwei, drei Jahre haben wir uns praktisch ausschließlich um Windkraft gekümmert“, blickt Gehrke zurück, und Udo Otterbach vollendet im SZ-Gespräch diesen Gedanken: „Das hat sich gewandelt. Wir kümmern uns mittlerweile um viele ortspolitische Themen.“ Und so gehen der BI bei ihrem allmonatlichen Stammtisch die Themen nicht aus: Die BI richtet ihr wachsames Auge auch auf das Gewerbegebiet in Steeg, die Allee in Richtung Morsbach oder den 5G-Funkmast. Denn all diese Projekte, da sind sich die Köpfe der BI einig, gehen zu Lasten der Natur, der Umwelt und damit letztlich auch der Menschen.

Kein Dialog mit Protagonisten der Energiewende

Wenig überraschend, dass die BI manchem mittlerweile suspekt erscheint – schließlich vertritt sie Thesen, die Horst Braun als „unbequeme Wahrheiten“ bezeichnet und die mit den Worten Otterbachs so klingen: „Wir wollen eine echte Wende. Wie wir Menschen leben, hat mit Nachhaltigkeit gar nichts zu tun.“ Dass der Postwachstumsökonom Niko Paech auf Einladung der BI in Friesenhagen sein Postulat des Verzichts kundgetan hat, spricht also Bände.
Dass es für die BI mit ihren Positionen kein Selbstläufer ist, sich mit anderen windkraftkritischen Initiativen zu vernetzen, liegt auf der Hand. Und das, obwohl es durchaus Schnittmengen geben dürfte – übrigens auch mit dem Haus Hatzfeldt. Zwar hat die Fürstliche Kammer die Windpark-Planung im Wildenburger Land initiiert, aber zugleich kann man Nikolaus Graf Hatzfeldt und Forstdirektor Dr. Franz Straubinger kaum vorwerfen, die Zeichen der Zeit nicht zu erkennen.
Zu einem echten Dialog mit den hiesigen Protagonisten der Energiewende hat die BI dennoch nie gefunden. Die Sprecher der BI betonen, dass das nicht an ihnen liege. „Wir sind offen für alle Diskussionen, wir würden uns den Austausch wünschen“, sagt Christoph Gehrke: „Aber sogar explizite Einladungen werden ausgeschlagen.“
Zumindest in Altenkirchen scheint die BI Gehör gefunden zu haben – wenn auch nicht mit all ihren Thesen, sondern vor allem mit ihren handfesten Ausarbeitungen der naturschutzfachlichen Besonderheiten des Wildenburger Lands.

Beobachten des Schwarzstorchs als echter Trumpf

Denn die BI verfügt über einen echten Trumpf: Seit sechs Jahren kartieren Christoph Buchen und Horst Braun windkraftsensible Arten – und zwar in einer Tiefe, die weit über die üblichen Windkraft-Gutachten hinausgeht. Gemeinsam mit vielen Bürgern aus dem Wildenburger Land haben die beiden Ornithologen mehr als 7250 Flugbewegungen des Rotmilans und 1300 des Schwarzstorchs dokumentiert.
Und die Brutnachweise sprechen eine klare Sprache: „Wir sind im Wildenburger Land noch gesegnet“, kommentiert Buchen die Bestandszahlen seltener und geschützter Arten. Und weil der Artenschutz ein nicht verhandelbares Ausschlusskriterium für den Bau von Windrädern ist, ist sich die BI sicher, dass ihre Gutachten bei der Ablehnung des Altus-Antrags eine Rolle gespielt haben.
Also werden Braun, Buchen und all die anderen im kommenden Frühjahr wieder zum Kuppengucken (der Rotmilan-Beobachtung) aufbrechen. Und sie werden nicht lockerlassen, für das einzutreten, was in ihren Augen eine wirkliche Wende ausmacht.
Und so war der Erfolg im Juni hübsch. Mehr aber auch nicht.

Horst Braun, Christoph Buchen, Udo Otterbach und Christoph Gehrke haben jetzt mit der SZ eine Bilanz nach fünf Jahren BI Wildenburger Land gezogen.
Den beiden Steinschmätzern gefallen die Plakate der BI offenbar ganz gut.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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