SZ

Heimathaus ist nach fünf Jahren praktisch fertig
„Wir haben eine Menge Staub gefressen“

Drei von vielen Helfern: Gerd Kaiser, Ansgar Köhler und Jürgen Zöller (v.l.) haben der SZ jetzt das beinahe
fertige Heimathaus präsentiert.
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  • Drei von vielen Helfern: Gerd Kaiser, Ansgar Köhler und Jürgen Zöller (v.l.) haben der SZ jetzt das beinahe
    fertige Heimathaus präsentiert.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

damo Brachbach. Fünf Jahre Arbeit liegen hinter den Männern. Sie haben Staub gefressen, böse Überraschungen erlebt, immer wieder improvisieren müssen und phasenweise richtig malocht. Wenn dann am Ende einer von ihnen sagt, dass „es eine richtig schöne Zeit war“, können sie nicht alles falsch gemacht haben. Und das Zitat von Jürgen Zöller geht sogar noch weiter: „Ich tät das gerne nochmal machen.“
Zöller ist einer von einem knappen Dutzend Helfern, die im Ortskern Brachbach ein außergewöhnliches Projekt gestemmt haben: Sie haben eines der ältesten Häuser der Dorfs, das in einem hundsmiserablen Zustand war, wieder aufgebaut. Wo vorher eine Beinahe-Ruine stand, ist ein Heimathaus entstanden, das künftig der ganzen Dorfgemeinschaft dienen wird.

damo Brachbach. Fünf Jahre Arbeit liegen hinter den Männern. Sie haben Staub gefressen, böse Überraschungen erlebt, immer wieder improvisieren müssen und phasenweise richtig malocht. Wenn dann am Ende einer von ihnen sagt, dass „es eine richtig schöne Zeit war“, können sie nicht alles falsch gemacht haben. Und das Zitat von Jürgen Zöller geht sogar noch weiter: „Ich tät das gerne nochmal machen.“
Zöller ist einer von einem knappen Dutzend Helfern, die im Ortskern Brachbach ein außergewöhnliches Projekt gestemmt haben: Sie haben eines der ältesten Häuser der Dorfs, das in einem hundsmiserablen Zustand war, wieder aufgebaut. Wo vorher eine Beinahe-Ruine stand, ist ein Heimathaus entstanden, das künftig der ganzen Dorfgemeinschaft dienen wird.
Es gibt praktisch nichts, was die Männer in den vergangenen fünf Jahren nicht hätten neu machen müssen: Decken, Böden, Fenster, Außenwände, Elektrik, Keller – die Liste ließe sich problemlos verlängern. Und die Helfer sind keineswegs Profis: Natürlich haben einzelne von ihnen handwerkliche Berufe gelernt – aber ganz vieles haben sie sich erst während der Bauphase angeeignet.
Erschwerend kam hinzu, dass das Budget alles andere als grenzenlos war: Fünf Jahre lang hat die Ortsgemeinde jährlich 25 000 Euro zur Verfügung gestellt – und am Ende hat die Arbeitstruppe auch finanziell eine Punktlandung hingelegt, obwohl größere Posten wie ein neues Schieferdach, die Fenster oder eine Heizungsanlage in den 125 000 Euro drin sind. „Das ging nur, weil wir billige Arbeitskräfte sind“, sagt Heimatvereins-Vorsitzender Gerd Kaiser im Gespräch mit der SZ.
Also: Fachfremde Ehrenamtler haben ein Haus wiederaufgebaut, das eigentlich ein Fall für die Abrissbirne war – stellt sich natürlich die Gretchenfrage nach dem Ergebnis.

Einweihung sollte längst stattfinden

Eigentlich hätte längst eine Einweihung stattfinden sollen – und die hätte sich das Arbeitsteam auch verdient. Denn es steht außer Frage: Die Ehrenamtler hätten an diesem Tag reichlich Lob eingeheimst. Wegen der Pandemie bleibt der breiten Öffentlichkeit aber noch verborgen, was für ein Schmuckkästchen da in der  Ortsmitte (noch) im Dornröschenschlaf schlummert. Nur die hübsche Außenfassade und den kleinen Vorgarten können alle Brachbacher im Vorbeigehen sehen – was für eine Leistung der Heimatverein erbracht hat, wird aber erst deutlich, wenn man durch die alte Haustür ins Innere des früheren Hauses Bender tritt.
Im Flur haben die Ehrenamtler ein Stück des alten Gefaches bewusst freigelegt und offengelassen – so können Besucher die alte Substanz noch gut erkennen, und eine Äußerung von Gerd Kaiser wird mit Leben gefüllt: „Wir haben gerade am Anfang eine Menge Staub gefressen.“
In der Tat: Alle Decken wurden rausgenommen, von der Außenhülle des Hauses stand zwischenzeitlich nur noch das Fachwerkgerippe, praktisch keine Wand ist geblieben, wie sie war. Gefühlte Ewigkeiten haben die Männer im Dreck gewühlt und eine Abbrucharbeit nach der anderen erledigen müssen. Das war im Rückblick auch die schwerste Phase: Draußen füllte sich der Bauschuttcontainer im Rekordtempo, drinnen waren noch unzählige Baustellen abzuarbeiten. Und immer staubte und rumorte es – hier kreischte die Kreissäge, dort fauchte die Flex.
Irgendwann ging’s dann aber an den Wiederaufbau. Natürlich sind möglichst authentische Baumaterialien zum Einsatz gekommen: Ziegel mit Tierhaaren, Lehmputz, Holzdielen, Bruchsteine. All das trägt entscheidend dazu bei, dass das Haus Bender viel Atmosphäre ausstrahlt und sehr authentisch wirkt.
Einige Details zeigen anschaulich, dass es den Männern auch nach unzähligen Arbeitsstunden immer aufs Neue gelungen ist, sich zu motivieren. Ein Beispiel: Es wäre naheliegend gewesen, den alten Brunnen im Keller zu verfüllen – weil’s hübscher ist, haben sie ihn stattdessen mit Bruchsteinen bis ins Erdgeschoss hochgezogen, mit einer Glasplatte abgedeckt und mit Spots versehen. Das wirkt klasse – war aber eben auch viel zusätzliche Arbeit.

Außergewöhnliches geleistet

All das hat der Heimatverein nicht für sich getan, sondern für die Gemeinde: „Wir haben das Haus für die Allgemeinheit aufgebaut“, sagt Gerd Kaiser. Künftig können alle Ortsvereine oder die politischen Gremien den kleinen Sitzungsraum im alten Gesindehaus nutzen, es sind auch Kaffeekränzchen möglich, und auch das Dorf-Archiv wird allen offenstehen.
Wann das soweit ist? „Wir wissen’s nicht“, sagt Gerd Kaiser. Denn der limitierende Faktor liegt nicht in den Händen des Arbeitstrupps: Zwar sind noch einige kleinere Arbeiten zu erledigen, aber alles steht und fällt mit der Corona-Pandemie. Man merkt den Männern an, dass sie das wirklich bedauern. Und deshalb: Wenn schon keine beeindruckten Besucher vorbeikommen dürfen, dann wird eben ausnahmsweise mal an dieser Stelle gelobt: Dickes Kompliment, liebe Helfer, ihr habt wirklich Außergewöhnliches geleistet.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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