Ein Mann, ein Plakat, ein Appell
Wolfgang Stock prangert den Flächenfraß an

Geht es nach dem BUND, bleibt diese Wiese am Ortseingang von Steeg, was sie ist: Wolfgang Stock vom BUND prangert den Flächenfraß an und mahnt dringend zum Umdenken.
  • Geht es nach dem BUND, bleibt diese Wiese am Ortseingang von Steeg, was sie ist: Wolfgang Stock vom BUND prangert den Flächenfraß an und mahnt dringend zum Umdenken.
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damo Friesenhagen. Das Plakat ist schon ein wenig ramponiert, seine Ränder sind eingerissen, es ist offensichtlich mal feucht geworden. Wahrscheinlich liegt’s daran, dass Wolfgang Stock es schon viel zu oft in den Kofferraum gepackt und draußen in die Kamera gehalten hat. Zu oft für den Geschmack derer, deren Vorhaben der BUND-Aktive mit seinem Banner anprangert. Aber auch zu oft für seinen eigenen Geschmack: „Mir macht der Flächenverbrauch Angst“, sagt Stock, „und es wird nicht weniger“.

Niedriges Zinsniveau befeuert Immobilienmarkt

„Stoppt den Flächenfraß“: So lautet der Appell, den Stock und sein Banner in die Welt hinausrufen. Und sie werden nicht müde, diesen Imperativ stetig zu wiederholen: „In den letzten Jahren haben alle die Pläne aus den Schubladen gezogen“, mahnt Stock und meint damit Kommunen, die neue Baugebiete schaffen wollen, und Firmen, die ihre Produktionsstätten erweitern wollen. Das niedrige Zinsniveau befeuere den Immobilienmarkt, der Paragraf 13b des Baugesetzbuchs vereinfache das Bauen im Außenbereich, und praktisch immer gehe die Neunutzung von Flächen mit deren Versiegelung einher.
In der Tat ist die Bundesrepublik weit von ihrem Ziel entfernt, den Flächenverbrauch einzudämmen. Bis zum Jahr 2030 soll der Flächenverbrauch auf täglich 30 Hektar reduziert werden – aktuell sind es nach Angaben des Umweltministeriums noch 52. Und der Nabu kommt in seinen Berechnungen auf 60 Hektar und gibt zudem zu bedenken, dass es 2000 Jahre braucht, bis eine 10 Zentimeter dicke Schicht fruchtbaren Bodens entsteht.

Stock kämpft gegen mächtigen Gegner

„Das können wir uns nicht mehr erlauben“, mahnt Stock im Stile eines Don Quichotte: Er weiß, dass er gegen einen übermächtigen Gegner kämpft, aber er kann’s nicht lassen – er ist davon überzeugt, dass seine Mahnungen berechtigt sind.

Die Kritik des BUND stützt sich auf eine Vielzahl von Argumenten:

Biotopschutz: Knapp 700 Lebensraumtypen listet der BUND bundesweit auf – zwei Drittel davon sind bedroht und bereits verschwunden.

Artenschutz: Dass Tiere und Pflanzen auf dem Rückzug sind, geht mit dem Verlust von Lebensräumen Hand in Hand. „Von den Tierarten in Deutschland sind 35 Prozent, von den Pflanzenarten 26 Prozent bestandsgefährdet“, warnt das Bundesumweltministerium.

Landschaftsschutz: Jede Weide und jeder Acker, der versiegelt wird, verändert unsere Kulturlandschaft und geht der Landwirtschaft verloren.

Klimaschutz: „Nicht nur Wälder sind CO2-Senken, sondern auch Wiesen und Weiden. Und damit befeuert das Versiegeln den Klimawandel“, warnt Stock.

All das lässt Stock in eine plakative These münden: „Unter dem Asphalt ist kein Leben“, sagt er. Und doch weiß er genau: „Diese Argumente verhallen oft ungehört.“ Denn allein im Oberkreis kann er aus dem Stegreif ein halbes Dutzend Bauprojekte auflisten, für die Wald, Wiesen und Weiden geopfert worden sind oder werden sollen. In Herdorf nennt er die Erweiterung von Thomas Magnete, in Betzdorf kommt er auf Dauersberg II zu sprechen, in Wissen auf das Neubaugebiet Rödderstein. Und beim Termin mit der SZ hat er sein Plakat mit nach Steeg gebracht, wo die geplante Erweiterung eines Gewerbegebiets auch in der Öffentlichkeit rege Diskussionen ausgelöst hat.

Ein Katalog von Forderungen

Hier, am Ortseingang des Friesenhagener Ortsteiles, beruft sich der Naturschützer auf den Schutzstatus eines FFH- und eines Landschaftsschutzgebiets, er spricht von der wertvollen Bachaue. Und er kommt zu dem Ergebnis, dass diese Fläche nicht angetastet werden sollte.

Mehr noch: Stock hat einen Katalog von Forderungen, „denn wir müssen einfach verantwortungsbewusster mit dem Boden umgehen – denn er ist begrenzt“. Ginge es nach ihm, müssten folgende Punkte verbindliche Gesetze werden:

„Für jede Neuversiegelung muss anderswo im doppelten Umfang entsiegelt werden.“
„Bauen und Umweltschutz sind wie Feuer und Wasser. Deshalb müssen Bau- und Umweltausschüsse getrennt werden.“

„Die Fachkompetenz der Umweltverbände muss mehr Gewicht bekommen.“
„Bevor irgendwo Fläche versiegelt wird, müssen alle Brachen reaktiviert werden.“
So weit die Forderungen des BUND. Das etwas abgegriffene Flächenfraß-Plakat wird mutmaßlich noch oft fotografiert werden.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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