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Spektakuläre Aktion an St. Michael in Kirchen
Zarter Turm in starker Rüstung

Jetzt geht es abwärts, mit Feingefühl und Behutsamkeit: Die Konstruktion steht zentral über dem Vierungsturm.
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rai Kirchen. Die riesige Stahlkonstruktion schwebt über der Pfarrkirche St. Michael. Das 8-Tonnen-Teil muss genau über Vierungsturm und Kirchendach abgelassen werden. Das wird mit einem 350-Tonnen-Kran bewerkstelligt, der noch zwei kleine Kumpels dabei hat.

„Das ist ein Mammutprojekt“: Pastor Helmut Mohr, Marita Weber und Heinz Schlechtriemen vom Vorstand des Förderverein St. Michael schauen erfreut zu, was sich am Samstag vor und über der Kirche abspielt: „Ein Jahrhundertprojekt, das hat es so noch nicht gegeben.“ Es sei der schwierigste Teil der gesamten Sanierung der Kirche, so Vorsitzender Mohr. Die spektakuläre Aktion dient allein der Sanierung des Vierungsturmes.

rai Kirchen. Die riesige Stahlkonstruktion schwebt über der Pfarrkirche St. Michael. Das 8-Tonnen-Teil muss genau über Vierungsturm und Kirchendach abgelassen werden. Das wird mit einem 350-Tonnen-Kran bewerkstelligt, der noch zwei kleine Kumpels dabei hat.

„Das ist ein Mammutprojekt“: Pastor Helmut Mohr, Marita Weber und Heinz Schlechtriemen vom Vorstand des Förderverein St. Michael schauen erfreut zu, was sich am Samstag vor und über der Kirche abspielt: „Ein Jahrhundertprojekt, das hat es so noch nicht gegeben.“ Es sei der schwierigste Teil der gesamten Sanierung der Kirche, so Vorsitzender Mohr. Die spektakuläre Aktion dient allein der Sanierung des Vierungsturmes.

„Wenn man überlegt, wie die Leute früher gearbeitet haben, und jetzt so ein Aufwand nur für ein Türmchen“, schmunzelt Weber. Ganz billig ist es auch nicht: „Planung, Herstellung und Transport kosten mehr als 100 000 Euro“, ergänzt Kassierer Paul Eisel. Die sind in den Gerüstkosten von 350 000 Euro aber enthalten.

Es ist ein enormer Aufwand, der betrieben wird. „Es sind viele Gedanken eingeflossen, die man so gar nicht sieht“, sagt Architekt Norbert Sonntag (Siegen), der die Bauleitung für Gesamtsanierung hat, auch mit Blick auf die Ertüchtigung des Mauerwerks, auf dem die Stützen stehen. „Ein Kunstwerk der Statik“, meint Eisel. Das alles ist erforderlich, um den „zarten Turm“ (Sonntag) sanieren zu können. Was jetzt eingebaut wird, ist ein Behelf. Auf diesem wird ein freistehendes 22 Meter hohes Gerüst errichtet – alles für die Sanierung des Vierungsturms.

Allein der 350-Tonnen-Kran der Firma Dornseiff (Olpe), der vom Kirchhof weit auf die Kreuzung ragt und meterhoch aufgebockt ist, bietet mit seinem aufragenden Ausleger einen Blickfang. Bei einem Projekt, wie es St. Michael noch nie gesehen hat. Das lockt Schaulustige.

Und dann die Konstruktion: „Man könnte meinen, es sei eine kleine Fabrikhalle“, meint Mohr fasziniert. Der Vergleich passt: Wie berichtet, war alles auf dem nahen Parkdeck montiert worden. Neun Meter lang und siebeneinhalb Meter hoch und breit. Das Teil kam mit einem Autokran auf einen Tieflader.

Dann geht es los: Der von der Firma Stahlbau Sinner (Kreuztal-Ferndorf) speziell konstruierte Stahlrahmen überspannt den Tieflader an den Seiten weit. Nur wenige Lastwagenlängen geht es in Richtung Kirche. Eine Rampe hilft bei der Anfahrt.

Fahrer Stefan Weitz nimmt behutsam die Rampe und die letzten Meter. Die knapp zwei Stockwerke hohe Konstruktion kommt sicher unter den Kranhaken. Kranfahrer Kay Räwel hebt die Tischkonstruktion an den Hausfassaden vorbei in die Höhe, unten an Seilen gehalten. Der Kran schwenkt in Richtung Vierungsturm.

Im ersten Anlauf reicht die Höhe des Auslegers noch nicht ganz aus, um mit dem Bauteil über den Turm zu kommen. Kein Problem. Der Kran hat Reserven. So kommt das Stahlteil wieder auf die Lindenstraße. Der Gittermast, lang wie ein Sattelzug, wird steil gestellt. Die Hakenhöhe kann so noch einmal um zehn Meter auf 80 zulegen.

Ein zweites Mal heben die acht Tonnen Stahl ab – und stehen nun zentral über dem Turm. Jetzt vorsichtig ablassen. Frank Pokoj, bei der Firma Sinner für die Montage zuständig, ist auf dem Gerüst im Einsatz und hat seine wachsamen Augen überall. Über Funk gibt er Anweisungen an Kranfahrer Räwel, der unten im 350-Tonnen-Kran sitzt.

Auf dem Kirchhof steht ein dritter Autokran, am Haken einen Korb. Von diesem aus hält ein Mitarbeiter mit einem Seil das Bauteil in Position. Zwei weitere Seile werden vom Gerüst aus straff gehalten. Der größte Feind bei der gesamten Aktion wäre jetzt Wind. „Unsere Gebete sind erhört worden“, sagt Eisel: „Unsere Verbindungen nach oben scheinen intakt zu sein.“

Die gigantische Konstruktion senkt sich behutsam peu á peu am Vierungsturm entlang. Im Blick auch die Stützen: Das Kirchendach kommt näher. Jetzt wird es noch einmal richtig knifflig. Die Träger müssen durch die ins Dach geschnittenen schmalen Öffnungen. Eine Herausforderung. Und auch sie gelingt, stellen alle Akteure erleichtert fest.

Die Behelfskonstruktion passt genau auf die eigens auf das Mauerwerk aufgebrachten Betonpolster. Pokoj und sein Team verschrauben nun alles.

Eisel sieht man die Erleichterung an. „Architekt Sonntag ist es hervorragend gelungen, Firmen und Fachleute zu organisieren, die in der Lage waren, die schwierige Kranaktion zu meistern“, lobt er. Eine Schrecksekunde habe er gehabt, als Haltegurte des Krans die Turmbekrönung touchiert hätten. Sie soll ebenfalls restauriert werden, auch wenn das bis zu 10 000 Euro kosten kann. Doch die Gelegenheit ist günstig. Und über Spenden freut man sich.

Autor:

Rainer Schmitt (Freier Mitarbeiter) aus Betzdorf

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