Bundesweite Razzia (Update)
Zoll durchsucht Wohnungen in Kirchen

Schlag gegen die organisierte Kriminalität: Dabei war der Zoll auch in Kirchen im Einsatz.

nb/sz Kirchen/Freudenberg/Berlin. Über 2200 Beamte von Zoll und Bundespolizei sind am Mittwoch in einer großangelegten Aktion gegen eine mutmaßliche Schleuserbande vorgegangen. Bei der bundesweiten Razzia durchsuchten Kräfte auch zwei Objekte in Kirchen. Rund 20 Kräfte des Zolls Münster waren an der Sieg im Einsatz. Bis in den Nachmittag wurden mögliche Beweismittel aus Wohnungen im Gebiet zwischen Rathaus und Lutherkirche geschafft.

Das ist der klassische Fall von dem, was wir Ausbeutung nennen.
Christine Höfele, Staatsanwältin

Möglicherweise steht auch die Razzia Ende Juni an der Austraße (die SZ berichtete) mit der aktuellen Aktion in Zusammenhang – damals waren wegen des Vorwurfs des Veruntreuens von Arbeitsentgelt sowie der Beihilfe zum Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz Räume durchsucht worden.

Unterlagen in Freudenberg sichergestellt

Bei der Razzia am jetzigen Mittwoch, so bestätigte Andreas Graf, Pressesprecher des Hauptzollamtes Potsdam gegenüber der SZ, wurden auch Räume eines Unternehmens in Freudenberg durchsucht.
Im Siegerland, ohnehin kein Schwerpunkt der Maßnahmen, gab es jedoch keine Verhaftungen, sondern hier wurden Unterlagen sichergestellt. „Es ist eine der größten Einsätze, die Zoll und Bundespolizei gemeinsam gefahren haben“, blickte Graf am späten Nachmittag auf die gesamte Aktion zurück.

Mutmaßliche Kopf der Organisation verhaftet

Bis zu 1000 Menschen aus der Republik Moldau, der Ukraine und anderen Staaten sollen die Schleuser illegal als EU-Bürger ausgegeben und zur Arbeit nach Deutschland gebracht haben. Bei den Razzien wurden insgesamt etwa 50 Orte durchkämmt und Millionensummen beschlagnahmt. Neun Verdächtige wurden verhaftet, jeweils drei in Berlin, Brandenburg sowie in Bremen und Umgebung.

Zur Täterorganisation sollen vorwiegend Deutsche und Russen gehören. Der mutmaßliche Kopf der Bande, ein 49-jähriger Mann, sei in Bremen verhaftet worden, teilte Staatsanwältin Christine Höfele bei einer Pressekonferenz mit. Es seien sehr hierarchische Strukturen und ein „konspiratives Geflecht“ aus verschiedenen Unternehmen – oft Briefkastenfirmen – aufgebaut worden. Zu der oberen Ebene sollen demnach auch ein 62 Jahre alter Steuerberater, der ebenfalls in Bremen verhaftet wurde, ein Berliner Ehepaar und ein 47 Jahre alter Verdächtiger gehören, der nördlich von Bremen in Niedersachsen gestellt wurde.

Mit gefälschten Papieren eingeschmuggelt

Den insgesamt 20 Beschuldigten diverser Nationalitäten wird vorgeworfen, die angeblichen EU-Bürger mit Hilfe von gefälschten Papieren hierher gebracht zu haben. Denn Bürger aus den 27 Staaten der Europäischen Union dürfen ohne weiteres in Deutschland wohnen und arbeiten – im Gegensatz zu Bürgern aus Drittstaaten wie der Ukraine oder Moldau (früherer Name Moldawien), die dafür Genehmigungen bräuchten. Die Schleuser sollen die eingeschmuggelten Menschen mit Hilfe eigener Leiharbeiterfirmen in Deutschland und im Baltikum an Logistikunternehmen vermittelt haben. Diese sollen davon nichts gewusst haben und selbst betrogen worden sein. Die Ermittler kündigten aber an, sich die Verträge genau anzuschauen.

In drei Jahren Umsatz von 33 Millionen Euro

Die Arbeitnehmer kamen nach Darstellung der Staatsanwaltschaft freiwillig, lebten aber hier unter ärmlichsten Bedingungen und hätten harte Arbeit verrichtet. Teils mussten sich die eingeschleusten Arbeitnehmer ihr Essen aus dem Müll zusammenklauben, wie es weiter hieß. Denn die Schleuser hätten sich für das Fälschen der Papiere und die Unterbringung von den Arbeitnehmern bezahlen lassen. Sie hätten Arbeitsentgelte einbehalten und Sozialabgaben nicht abgeführt. „Das ist der klassische Fall von dem, was wir Ausbeutung nennen“, so Höfele. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Firmen in den vergangenen drei Jahren einen Umsatz von 33 Millionen Euro machten.

Es seien national und international mehr als 80 Konten gesichert sowie Immobilien, teure Autos und weitere Luxusgüter beschlagnahmt worden. Auf die Spur kam der Potsdamer Zoll der Bande nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei einer Kontrolle zu Schwarzarbeit im Jahr 2019. Einige Verdächtige seien noch unbekannt. Die Vorwürfe lauten auf Verdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern, Urkundenfälschung, organisierte Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung sowie Geldwäsche.

--- Erstmeldung ---

nb Kirchen. Bis in den Nachmittag waren im Kirchener Zentrum fast 20 Beamtinnen und Beamte des Hauptzollamtes Münster im Einsatz. Sie durchsuchten zwei Objekte im Wohngebiet zwischen Rathaus und Lutherkirche. Die Aktion an der Sieg war Teil einer bundesweiten Razzia mit über 2200 Kräften. Der Schlag gegen die organisierte Kriminalität richtete sich insbesondere gegen eine Schleuserbande. Haupteinsatzorte waren Berlin und Brandenburg, aber die Beamten waren noch in zehn weiteren Bundesländern aktiv.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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