Amtsgericht: 1800 Euro Strafe für Täter
Zufallsopfer von hinten attackiert

Jan H. wurde am Betzdorfer Amtsgericht zu 90 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt.
  • Jan H. wurde am Betzdorfer Amtsgericht zu 90 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt.
  • Foto: dach
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

nb Niederfischbach. Veilchendienstag: In Niederfischbach ist der bunte Zug durch den Ort gezogen. Jetzt, am Abend, wird noch an vielen Orten ordentlich gefeiert.

So auch im Traditionslokal „Fuchshof“. Doch für einen der Gäste sollte der Abend im Krankenhaus enden. Er war reines Zufallsopfer von Jan H., der sich nun vor Richterin Anke Puntschuh verantworten musste.

„Da ist alles schiefgelaufen, den Abend“, so der 33-jährige Angeklagte über die Ereignisse am 5. März. Viel genauere Angaben konnte er allerdings nicht machen, denn, so ließ er über seinen Verteidiger wissen: Er habe da nur mehr „Erinnerungsinseln“. Er sei den ganzen Tag mit einem Kumpel unterwegs gewesen, habe bestimmt so 30 Bier und dazu Schnaps intus gehabt.

Und das alles, obwohl er eigentlich besser auf Alkohol verzichten sollte, leidet Jan H. (Namen geändert) doch unter einen schweren psychischen Erkrankung und nimmt täglich Medikamente.

Dass das an jenem Abend „so nach hintern losgehen würde“, das habe er jedoch nicht geahnt, so der 33-Jährige auf der Anklagebank des Betzdorfer Amtsgerichts. Die Vorwürfe selbst bestritt er nicht. Und die wogen schwer: Jan H. soll den 24 Jahre alten Partygast Malte M., der arglos an einem Stehtisch weilte, von hinten an den Haaren gepackt, zu Boden geworfen und dann dessen Kopf auf die Fliesen geknallt haben. Malte M. trug dabei eine Gehirnerschütterung, Blutergüsse, Schürfwunden und einen Nasenbeinbruch davon, dessen Folgen er nach wie vor spürt.

Er sei herumgeschleudert worden, so der 24-Jährige: „Danach gingen bei mir auch schon die Lichter aus.“ Als er dann wieder zu sich gekommen sei, habe er Jan H. nur noch davonrennen sehen.

Der Angeklagte, der im Gericht einen ruhigen und auch zerknirschten Eindruck machte, erklärte das Ganze mit einem „Blackout“. „Das tut mir auch alles leid, das war nicht meine Absicht“, wandte er sich an sein Opfer. Warum er gerade Malte M. angriff, das konnte nicht geklärt werden. Die beiden kannten sich nach eigenen Angaben nicht. Warum er denn so viel Alkohol getrunken habe, wollte Richterin Puntschuh noch von Jan H. wissen. „Ich habe mich von meinem Freund verleiten lassen“, so die Antwort des Beschuldigten, der beteuerte, seitdem die Hände vom Alkohol zu lassen.

Was die Richterin schon hatte anklingen lassen, sah auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft so: Aus der zunächst angeklagten gefährlichen Köperverletzung wurde eine einfache Körperverletzung. Es sei bei Jan H. kein planmäßiges Vorgehen zu erkennen gewesen und der Angriff im Zustand verminderter Schuldfähigkeit erfolgt.

Als Pluspunkte für Jan H. wertete die Anklage seine Entschuldigung und sein bis dato blütenreines Vorstrafenregister. Allerdings: Das Opfer habe ganz erhebliche Verletzungen davongetragen. Somit lautete die Forderung auf eine Geldstrafe – und zwar 90 Tagessätze à 20 Euro.

Ganz anders sahen dies der Anwalt der Nebenklage und der Verteidiger, wenn auch ihre Anträge erwartungsgemäß in entgegengesetzte Richtungen gingen. Der Anwalt von Malte M. hielt eine mindestens sechsmonatige Haftstrafe zur Bewährung für angemessen, der Verteidiger von Jan H. hielt eine Verwarnung nebst der Auflage, einen monatlichen Betrag an das Opfer zu zahlen, für sinnig.

Anke Puntschuh folgte allerdings dem Antrag der Staatsanwaltschaft – und so muss Jan H. nun insgesamt 1800 Euro berappen.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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