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„Virtuelle Rad-Bundesliga“
Julian Braun fährt Rennen auf der Rolle

Das Coronavirus hat auch den Radsport ausgebremst. Alle Veranstaltungen sind abgesagt oder verschoben worden. Der aus Kirchen stammende Julian Braun startet nun in der „Virtuellen Rad-Bundesliga“.
  • Das Coronavirus hat auch den Radsport ausgebremst. Alle Veranstaltungen sind abgesagt oder verschoben worden. Der aus Kirchen stammende Julian Braun startet nun in der „Virtuellen Rad-Bundesliga“.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Kirchen. Das Radeln auf der Rolle zählt nicht zu den liebsten Beschäftigungen von Rennradfahrern. Denn: Es ist monoton und zermürbend. Doch in der Corona-Krise erfreut sich diese Form der sportiven Ertüchtigung steigender Beliebtheit. Zwar kann man derzeit auch draußen weiterhin in die Pedale treten, zumindest allein oder zu zweit, aber die kleinen und großen Rennen sind allesamt abgesagt oder verschoben worden. Um den ambitionierteren Pedaleuren Wettkampfpraxis (und zusätzliche Motivation) zu verschaffen, zeigte sich der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) von seiner kreativen Seite und hob die „Virtuelle Rad-Bundesliga“ aus der Taufe. Dort messen sich die Fahrer auf der Online-Plattform „Zwift“. Im Teilnehmerfeld ist auch der Kirchener Julian Braun.

ubau Kirchen. Das Radeln auf der Rolle zählt nicht zu den liebsten Beschäftigungen von Rennradfahrern. Denn: Es ist monoton und zermürbend. Doch in der Corona-Krise erfreut sich diese Form der sportiven Ertüchtigung steigender Beliebtheit. Zwar kann man derzeit auch draußen weiterhin in die Pedale treten, zumindest allein oder zu zweit, aber die kleinen und großen Rennen sind allesamt abgesagt oder verschoben worden. Um den ambitionierteren Pedaleuren Wettkampfpraxis (und zusätzliche Motivation) zu verschaffen, zeigte sich der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) von seiner kreativen Seite und hob die „Virtuelle Rad-Bundesliga“ aus der Taufe. Dort messen sich die Fahrer auf der Online-Plattform „Zwift“. Im Teilnehmerfeld ist auch der Kirchener Julian Braun.

„Ich absolviere zwar weiterhin draußen meine Trainingsfahrten, um die Fitness zu halten, aber es fehlen die konkreten Ziele, die Rennen, die Wettkämpfe, die der Motivation einen Extra-Schub geben. Daher ist die virtuelle Bundesliga eine gute Alternative. Manche sagen sogar, sie sei die Zukunft des Radsports. So weit würde ich zwar nicht gehen, aber die Bedeutung könnte zunehmen“, meint Braun zum virtuellen „Ritt auf der Rolle“.

Der Widerstand der Rolle wird über Bluetooth definiert

Anders als bei der regulären Rad-Bundesliga auf der Straße, bei der nur die gemeldeten Teams starten können, ist das Programm der „German Cycling Akademie“ offen für alle. In die Rangliste kommen nur Teams, Athletinnen und Athleten, die im Besitz einer BDR-Lizenz sind.

Grundvoraussetzung ist zudem ein Zwift-Account. Außerdem benötigen die Fahrer einen Rollentrainer, einen Pulsmesser und die passende Software. Eine stabile Datenleitung ist für den sportlichen Erfolg unerlässlich. Gefahren wird in virtuellen Welten. Der Widerstand der Rolle wird über Bluetooth definiert.

Heißt im Klartext: Geht es bergauf, muss man kräftiger in die Pedale treten. Geht es bergab, ist es umso leichter. Zudem wird das Windschattenfahren simuliert. Stürze gibt es keine.

Rennen werden gestreamt und live moderiert

Die Serie umfasst fünf Rennen, zwei wurden bereits absolviert. Die Distanz beträgt zwischen 40 und 60 Kilometern, sodass die Rennen zwischen 50 und 80 Minuten dauern. Der genaue Streckenverlauf wird jeweils einige Tage vor den Rennen bekanntgegeben. Diese werden gestreamt und live moderiert.
Es gibt drei verschiedene Wertungskategorien: Elite männlich (ab Jahrgang 2001), Elite weiblich (ab Jahrgang 2001) sowie die Teamwertung männlich und weiblich (auch Mixed). Die Gesamtführenden bekommen ein Führungstrikot zugeschickt.

Bei den ersten beiden Veranstaltungen waren rund 200 Fahrer am Start, eine Handvoll kam von Brauns Team SKS Sauerland NRW, zu dem der Kirchener Anfang des Jahres vom Kölner Radsport-Team Dauner Akkon gewechselt war.

"Man fährt absolut am Limit"

Die große Frage: Wie hat es sich angefühlt, ein virtuelles Rennen zu fahren? „Ungewohnt“, sagt Braun, der den Radsport semiprofessionell betreibt und im „wahren Leben“ BWL an der Universität Siegen studiert und dort gerade seinen Master im Bereich Controlling und Risikomanagement macht. „Es ist natürlich nicht das gleiche Feeling wie auf der Straße, aber besser als gar keine Wettkampfpraxis zu haben“, so Braun.

Bei den beiden bisher ausgetragenen Rennen kam der deutsche Mannschaftsmeister von 2017 auf die Plätze 37 und 55 – und dabei ganz schön aus der Puste. „Das war enorm anstrengend. Man fährt absolut am Limit. Ich hatte mir im Zimmer zwei Ventilatoren aufgestellt, sonst überhitzt man“, beschreibt der 24-Jährige die hohe Intensität während der virtuellen Rennen, die für Braun und die anderen Pedaleure auch aus Vermarktungsgründen von Bedeutung sind. Denn durch das Streaming im Internet haben Sponsoren die Möglichkeit, sich einem größeren Publikum zu präsentieren.

Das ist in der „realen“ Welt derzeit nicht möglich, da alle Veranstaltungen abgesagt oder in den Spätsommer bzw. Herbst verschoben wurden – und da „ballt“ es sich dann. „Ich denke, dass vor August gar nichts passieren wird. Ich befürchte vielmehr, dass viele Rennen ganz ausfallen werden – selbst wenn weitere Lockerungen kommen sollten“, meint Braun.

Besonders die kleineren Veranstaltungen wird es wohl treffen. „Denn bei denen kommt neben der Schwierigkeit, die vorgegebenen Hygienekonzepte umzusetzen, erschwerend hinzu, dass sie hauptsächlich von lokalen Sponsoren unterstützt werden. Angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie benötigen die Unternehmen aber selbst jeden Euro“, mutmaßt Braun, der eigentlich in dieser Saison beabsichtigt hatte, bei der Deutschland-Tour, der Deutschen Meisterschaft im Einzelzeitfahren sowie beim Paar-Zeitfahren Duo Normand in Frankreich zu starten. Auch die Bundesliga-Rennen kann er (zumindest vorerst) ad acta legen.

„Da waren wir noch guter Dinge“

Dabei hatte die neue sportliche Aufgabe bei SKS Sauerland NRW so vielversprechend für den Radrennfahrer aus dem Kreis Altenkirchen begonnen. Ende Januar bestritt er mit seinen neuen Teamkollegen (Braun: „Wir haben eine super-nette Truppe beisammen“) die Mallorca Challenge. Anschließend absolvierten Braun und Co. bis Mitte Februar ein Trainingslager auf der Sonneninsel, um die Grundlagen für eine ebenso erfolgreiche wie intensive Saison zu schaffen. „Da waren wir noch guter Dinge“, sagt der Zeitfahr-Spezialist rückblickend mit einem Schmunzeln.

Dass er wenige Wochen später nur noch Wettkämpfe auf der Rolle in einer virtuellen Radsport-Welt bestreiten darf, hätte Braun damals ganz sicher nicht gedacht. Es ist aber die Realität.

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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