Mit fast 30 ist Schluss
Romy Kölzer beendet Profi-Tennis-Karriere

Der Schläger wird an den Nagel gehängt: Nach fünf Jahren als Tennis-Profi beendet Romy Kölzer mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft in der Damen-Bundesliga ihre Karriere.
  • Der Schläger wird an den Nagel gehängt: Nach fünf Jahren als Tennis-Profi beendet Romy Kölzer mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft in der Damen-Bundesliga ihre Karriere.
  • Foto: imago
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

carlo Köln/Brachbach. Bei ihrem zweiten Saison-Auftritt für den TC Bredeney in der 1. Damen-Bundesliga hat es die Tennis-Spielerin Romy Kölzer dann doch noch erwischt. Doch die 3:6, 2:6-Niederlage am letzten Spieltag gegen die Bulgarin Dia Evtimova konnte beim 5:4-Sieg der Essener gegen das Team WWK Luitpoldpark München die gute Laune nicht trüben – weder bei der gebürtigen Brachbacherin noch bei ihrer Mannschaft: Romy Kölzer und Bredeney holten zum ersten Mal den Titel des Deutschen Mannschafts-Meisters.

Nur zwei Tage nach dem letzten Saisonspiel stand Romy Kölzer bereits auf einem völlig anderen Court, hatte am Montag ihren ersten Arbeitstag bei einem Unternehmen in Köln als Business-Coach. „Ich habe meine Karriere als Tennis-Profi beendet“, erklärt die 29-Jährige. Zuvor hatte sie schon auf ihrem Instagram-Auftritt mit den Worten „Liebes Tennis“ ihren Rücktritt offiziell gemacht. „Vor langer Zeit habe ich mich in Dich verliebt“, schrieb Romy Kölzer, „wir haben viele Höhen und Tiefen gehabt, aber eines hat sich nie geändert, meine Leidenschaft für Dich.“

Entscheidung ein Jahr gereift

Ein spontaner Schritt, die Karriere im Profi-Tennis jetzt zu beenden? „Nein“, betont Romy Kölzer, „die Entscheidung ist seit einem Jahr gereift.“ Dabei war sie im April, ein halbes Jahr nach ihrem ersten Erfolg im Einzel bei einem ITF-Turnier im November in Heraklion (Griechenland) auf Kreta und nach einer fünfmonatigen Verletzungspause (Bänderriss bei den Deutschen Meisterschaften im Dezember), in den Tennis-Zirkus zurückgekehrt. In guter Form und mit neuen Zielen, wie sie damals in einem Interview mit der Siegener Zeitung erklärte: „Ich habe im letzten Jahr gemerkt, welches Potenzial in mir steckt.“

In Antalya (Türkei) folgten binnen drei Wochen drei Erstrunden-Niederlagen bei ITF-Turnieren. Danach schlug sie bei keinem Turnier mehr auf. Vielmehr sah sich Romy Kölzer in ihrer Einschätzung zur aktuellen Lage im Tennis-Szene bestätigt: „Es tut sich gerade nichts.“

30 und nicht 20

Wegen der Corona-Pandemie seien die Ranglisten eingefroren, es sei so schwer, sich im Ranking zu verbessern und so bei besseren Turnieren antreten zu können. In eineinhalb Jahren sei die Situation wieder besser, betont sie. „Die Frage ist, wie viele Jahre kann man in den Sport investieren“, erklärt die aktuelle 22. der deutschen Rangliste, „ich bin ja keine 20 mehr.“ Als jüngere Spielerin habe man diese Zeit, Romy Kölzer dagegen feiert in wenigen Tagen ihren 30. Geburtstag.

Seit 2016 war die Tennisspielerin, die zu Jugendzeiten beim TC Brachbach und TV Eiserfeld den Schläger geschwungen hat, als Berufsspielerin unterwegs. Nachdem sie damals ihr Studium in den USA mit einem Bachelor in Kommunikations-Wissenschaften und einem Master in Sports Leadership abgeschlossen hatte. Als College-Spielerin habe sie sich „mit Tennis mein Studium finanziert“. Und schon da eine ganz eigene Basis für für kommenden Jahre als Tennis-Profi verinnerlicht, wie sie auf ihrer Homepage schreibt: „Mit Bachelor und Master lässt sich die WTA-Welt einfacher betreten als für manch anderen.“

Träume bleiben unerfüllt

Innerhalb von gerade einmal zehn Monaten spielte sich Romy Kölzer gleich unter die Top 600 der Weltrangliste, kletterte bis auf Position 395. Ein ITF-Turnier im Einzel, zwei ITF-Turniere im Doppel gewann sie, stand im Halbfinale der Deutschen Meisterschaften. Den Traum von „an die Weltspitze“ und „an Grand Slams teilnehmen“, wie sie es einst auf ihrer Internet-Seite formulierte, konnte sie nicht verwirklichen. Sie habe aber viel „über mich, die Welt und den Sport gelernt“, betont Romy Kölzer heute.

Im neuen Lebensabschnitt will der nun ehemalige Tennis-Profi aus dem Siegerland Unternehmern und deren Firmen zeigen, wie sie sich besser organisieren, dabei Zeit einsparen und den Profit vergrößern können. Dafür ist Romy Kölzer nach zwei Jahren in Frankfurt nun nach Köln umgezogen. Und nimmt in den neuen Job mit, dass „Erfolge im Sport für jeden wertvoll sind“. Mit diesen Werten: „Grundeinstellung, Disziplin, Willenskraft und ein Ziel haben.“

Sportbegeisterung bleibt

Zum Abschied aus dem Profi-Tennis sei der Bundesliga-Triumph mit Bredeney ein großes Erlebnis gewesen: „Das war eine coole Atmosphäre, jeder hat sich reingehangen.“ Und Romy Kölzer schwärmt von einer „super Mannschaft“, unter anderem mit der Olympia-Teilnehmerin Anna-Lena Friedsam: „Ich bin happy, dass die Mannschaft mir vertraut hat.“

Sie werde nun „nicht mehr jeden Tag Tennis spielen“, sagt Romy Kölzer, sich aber weiter fit halten. Preisgeld-Turniere und im nächsten Jahr für Bredeneys Zweitvertretung die Regionalliga stehen auf ihrem Plan, auch ohne den bisherigen Trainings-Aufwand. „Irgendwas muss ja hängen geblieben sein“, schmunzelt der Business-Coach. Künftig soll so auch Zeit bleiben für andere Sport-Interessen wie Beachvolleyball, Yoga oder Fitness. „Vielleicht spiele ich auch noch mal Handball“, freut sich Romy Kölzer auf die Zukunft. Wie einst, lange vor dem Profi-Tennis, beim RSV Eiserfeld.

Autor:

Carsten Loos

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