Fichten flitzen am Seilkran bergauf

Bodenschonende Technik bei Durchforstungsarbeiten in Heinsberg im Einsatz

Heinsberg. »Fichtenflitzer«–heißt eine der Hauptattraktionen des Panoramaparks. Dabei handelt es sich um eine Achterbahn, mit der Menschen umhergefahren werden. Der wahre Fichtenflitzer ist derzeit in einem Waldgebiet bei Heinsberg zu bewundern. Hier flitzen die Fichten tatsächlich. Per Seilkran werden die am steilen Hang gefällten Bäume bergauf gezogen.

In den Alpen entwickelt

Die Technik stammt aus den Alpen. Oberhalb des Durchforstungsgebiets wird die Seilkranmaschine aufgestellt. Sie verfügt über einen zehn Meter hohen Masten. Von diesem wird ein stählernes Tragseil ins Tal gezogen und hier an einem Baum befestigt. Ein Forstarbeiter fällt Bäume, ein anderer hängt sie an den Kranhaken, der mit der Kraft eines 110-PS-Dieselmotors am Tragseil entlang läuft. Per Funk gibt der Forstarbeiter im Tal dann das Startkommando. Zunächst wird der Baum mit dem dicken Ende angehoben. Der Wipfel schleift über den Boden. Mit einer Geschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde saust der Baum bergauf zum Seilkranmasten. In Heinsberg kommt ein einmaliges Gefährt zum Einsatz: In österreichisch-finnischer Kooperation ist im Auftrag der Sunderner Firma Klute-Lenze eine Kombination aus Seilkran und Vollernter entstanden. Firmenchef Gregor Klute-Lenze erklärt: »Wir haben das Gerät bauen lassen, weil wir im Sauerland an vielen Stellen nicht mit dem Lkw arbeiten können.«–Der Platz vor Ort ist knapp bemessen, Ganzbäume könnten nur in geringer Stückzahl gelagert werden. Daher die einzigartige Kombination. Der Maschinenbediener sitzt in seiner Rundumsicht-Kabine. Wenn der Arbeiter im Wald den Befehl zum Abtransport gegeben hat, fährt der Seilkran den Baum bis auf zehn Meter an die »Bergstation« heran. Ab diesem Zeitpunkt muss der Maschinenbediener übernehmen. Er steuert den Baum weiter in Position und legt ihn ab. Dann muss er aussteigen und das Seil lösen. Zurück in der Kabine, schickt er den Seilkran wieder ins Tal. Dann übernimmt er die Steuerung des Vollernterkopfs, der von einem weiteren, 120 PS starken Dieselmotor betrieben wird, mit dessen Hilfe die Maschine auch gefahren wird. Dieser Kopf packt sich den Baum, längt ihn wunschgemäß zentimetergenau ab und legt ihn auf einen Stapel. Inzwischen ist meist schon der nächste Baum aus dem Tal angekommen, und das Spiel beginnt von neuem.

Enorme Pumpwirkung

Normalerweise, so erläutert Forstinspektor Peter Kalin vom Forstbetriebsbezirk Heinsberg, würden derartige Waldstücke mit Vollerntern bearbeitet, die in den Bestand hineinfahren. In diesem Fall greife man zum Seilkran, weil das Gelände noch vor 41 Jahren ein Hangmoor gewesen sei. Die Fichten hätten quasi von sich aus gezeigt, dass sie hier fehl am Platze seien: In dem feuchten Boden finden sie keinen richtigen Halt und fallen um. Nun wird kräftig durchforstet. Die Fichten und Sitkafichten fallen. Je weniger Bäume da sind, desto feuchter und damit naturnäher wird auch der Standort wieder. Forstinspektor Kalin: »Die Fichte hat eine enorme Pumpwirkung und zieht das Wasser aus dem Boden. Wenn wir die Fichten heraushauen, kann sich der natürliche Bewuchs wieder ansiedeln.« Normale Maschinen würden in dem feuchten Untergrund nur schwer zurechtkommen, außerdem hätte ihre Anwendung eine enorme Bodenverdichtung zur Folge. Daher der Einsatz des Seilkrans.

Ganzjährig im Einsatz

Bis zu 450 Meter weit kann das Seil in den Wald hinein gespannt werden. Die gefällten Fichten werden auf dem Weg hinter der einzigartigen Seilkran-Vollernter-Kombination abgelegt. Ist das Durchforsten beendet, wird der Seilkran abgebaut und das Doppelgerät fährt zum nächsten Einsatz. Ein Lkw kann dann rückwärts an das zum Abtransport bereit gelegte Holz heranfahren und es zum Sägewerk bringen. Die Nachfrage nach der Seilkrantechnik ist groß. Gregor Klute-Lenze: »Die Maschine ist ganzjährig im Einsatz.«win

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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