SZ

Ottomotor raus, Elektromotor rein
Historischer VW "Bulli" umgebaut

Der 1964 gebaute VW-Bus fährt nun topaktuell und abgasfrei – auch dank Ladetechnik aus dem Sauerland. Wie die Ladesäule, stammt auch der Laderegler im Auto von Mennekes.
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  • Der 1964 gebaute VW-Bus fährt nun topaktuell und abgasfrei – auch dank Ladetechnik aus dem Sauerland. Wie die Ladesäule, stammt auch der Laderegler im Auto von Mennekes.
  • Foto: Fa. Mennekes
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win Göttingen/Kirchhundem. Oldtimer sind rollendes Kulturgut. Als fahrende Denkmäler halten gepflegte oder neu aufgebaute historische Autos Erinnerungen wach und dokumentieren technischen Fortschritt. Und doch sorgen Oldtimer bei manchen Zeitgenossen für Unmut, schicken sie doch zumeist ungefilterte Abgase in die Umwelt, und selbst nachgerüstete Katalysatoren mancher Veteranen schaffen es nicht, Abgase so zu reinigen wie es bei Neufahrzeugen möglich ist. Zwar gibt es Untersuchungen, dass das Erhalten eines Autos umweltfreundlicher ist als alle paar Jahre ein neues zu kaufen, aber mancher Oldtimerfreund blickt mit Sorge in die Zukunft, die Fahrverbote bringen könnte.

win Göttingen/Kirchhundem. Oldtimer sind rollendes Kulturgut. Als fahrende Denkmäler halten gepflegte oder neu aufgebaute historische Autos Erinnerungen wach und dokumentieren technischen Fortschritt. Und doch sorgen Oldtimer bei manchen Zeitgenossen für Unmut, schicken sie doch zumeist ungefilterte Abgase in die Umwelt, und selbst nachgerüstete Katalysatoren mancher Veteranen schaffen es nicht, Abgase so zu reinigen wie es bei Neufahrzeugen möglich ist. Zwar gibt es Untersuchungen, dass das Erhalten eines Autos umweltfreundlicher ist als alle paar Jahre ein neues zu kaufen, aber mancher Oldtimerfreund blickt mit Sorge in die Zukunft, die Fahrverbote bringen könnte. Derzeit befreit das H-Kennzeichen, das für mindestens 30 Jahre alte Autos beantragt werden kann, vor dem Fahrverbot in Umweltzonen: Ein solches Auto wird diesbezüglich wie eines mit grüner Plakette behandelt.

Und da kommt ein Handwerker und baut seinen 1964 vom Band gerollten Wagen so um, dass er genau dieses H-Kennzeichen verliert. Und dennoch hat das, was der Göttinger Ingo Stephan gemacht hat, Sinn. Denn sein „Bulli“ darf nun ein E-Kennzeichen tragen, das elektrisch betriebenen Autos zusteht.
Der VW-Transporter, den alle „Bulli“ nennen, auch wenn er wegen einer Mannesmann-Pistenraupe so nie heißen durfte, ist einer der begehrtesten Oldtimer in Deutschland und hat seinen Wert in den vergangenen Jahren derart gesteigert, dass viele ihn als Wertanlage nutzen.

"Ur-Bulli" so original wie möglich

Das war bei Ingo Stephan anders: Als er sich Ende 2003 selbstständig machte, suchte er ein Firmenfahrzeug, wollte aber wenig Geld dafür ausgeben. Er schaffte sich rechtzeitig vor dem „Bulli-Boom“ den intern „Typ 2 T1“ genannten „Ur-Bulli“ an, der noch über eine geteilte Frontscheibe verfügt, und restaurierte ihn. „Das Fahrzeug war ein Hingucker nach der Restauration und brachte immer wieder Aufmerksamkeit für unsere Firma“, so Ingo Stephan. 2019/2020 entschied er sich, das Auto mit einem elektrischen Antrieb auszustatten. Gesagt, getan: Der 44-PS-Motor wurde demontiert, ebenso der Tank. Stephans Ziel: „„Der ,Bulli’ sollte so original wie nur möglich bleiben.“ Und das ist bei einem Oldtimer leichter vollbracht als bei einem modernen Auto, müssen hier doch viele „Helfer“ nicht vom Motor versorgt werden, weil es sie schlicht nicht gibt, etwa Servolenkung oder Bremskraftverstärker.

Änderungen sind umkehrbar

„Bis auf ein paar Bohrungen habe ich die Struktur des Autos nicht verändert“, so Stephan im Gespräch mit der SZ. Das heißt: Im Prinzip ist der komplette Umbau umkehrbar. Selbst das Getriebe blieb, wo es war – werksneue Elektroautos verfügen üblicherweise über gar kein solches. Ingo Stephan setzte eine Adapterplatte ein, die das VW-Getriebe mit dem Elektromotor verbindet, der eigentlich für Linde-Gabelstapler gebaut wurde. „Ich nutze sogar das originale Gaspedal; der Bowdenzug reicht weiterhin bis in den Motorraum, ist da aber nicht mehr mit einem Vergaser verbunden, sondern betätigt den Poti, der die Leistung des Elektromotors regelt.“ Äußerlich zeigen nur zwei Zusatz-Anzeigen über dem Lenkrad, dass kein Verbrenner im Heck arbeitet, sondern ein E-Motor.

Ladetechnik aus dem Sauerland

Die gesamte Ladetechnik stammt aus dem Sauerland: Sowohl beim dreiphasigen Laderegler als auch bei der Wallbox, an der der „Bulli“ geladen wird, entschied sich Ingo Stephan für Produkte von Mennekes aus Kirchhundem. Das hat Gründe. Ingo Stephan, Mitinhaber eines Elektrofachbetriebs: „Wir sind Qualitätspartner von Mennekes. Gleichzeitig verdankt die Elektromobilität in Europa viel dem Typ-2-Stecker, der maßgeblich von Mennekes mit vorangetrieben wurde. Und die Wallbox wird hier in Deutschland produziert. Das hilft auch in Sachen Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung.“
Dass bei Mennekes bei der Wahl des Steckernamens an den VW Typ 2 gedacht wurde, kann getrost als Gerücht abgetan werden – dass ein Typ 2 mal mit einem gleichnamigen Mennekes-Stecker geladen würde, hat mit Sicherheit niemand je geahnt.

Eine Botschaft für die Kunden

Ingo Stephan schätzt, dass die Umrüstung 20.000 Euro gekostet hat – die 100 bis 120 Stunden Arbeit in der Hinterhofwerkstatt mit Sohn und Mitarbeiter nicht eingerechnet. Aber für Stephan zählen andere Werte, unter anderem das Marketing: „Wenn wir die E-Mobilität, also Ladeinfrastruktur, für unsere Kundinnen und Kunden aufbauen, dann ist der E-Bulli natürlich ein passender Botschafter.“

Der 1964 gebaute VW-Bus fährt nun topaktuell und abgasfrei – auch dank Ladetechnik aus dem Sauerland. Wie die Ladesäule, stammt auch der Laderegler im Auto von Mennekes.
Zwei Displays über dem Fahrersitz zeigen Daten wie Ladezustand oder Restreichweite. Ansonsten ist der Umbau von außen nicht zu erkennen.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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