Kreisparteitag ohne Experimente

CDU-Mitglieder schenkten Kreisvorstand erneut das Vertrauen / neuer Schatzmeister gewählt

mik Heinsberg. »Keine Experimente«, sagten sich die 214 stimmberechtigten CDU-Mitglieder, die am Samstag den Kreisparteitag in der Heinsberger Schützenhalle besuchten. Und machten ihren alten Kreisvorstand zum neuen. Dabei gab es für den Vorsitzenden, den CDU-Landtagsabgeordneten Theo Kruse, 97,6 Prozent der Stimmen. Doch auch die vier stellvertretenden Kreisvorsitzenden freuten sich über bayerische Ergebnisse: Hans-Georg Cremer (Finnentrop) erhielt 90 Prozent, Hans-Otto Hille (Lennestadt) und Wolfgang Teipel (Attendorn) 91 Prozent der Stimmen. Das beste Ergebnis erhielt die alte und neue stellvertretende Kreisvorsitzende Irmgard Grebe-Quast (Wenden). Vielleicht als Belohnung für ihre Bemerkung: »Machen Sie mich nicht zur Quotenfrau. Wenn Sie mir vertrauen, dann geben Sie mir Ihre Stimme, ansonsten nicht.« So geschah es: 92 Prozent der Mitglieder wählten Grebe-Quast zur Stellvertreterin.

Von diesem Prozentsatz konnte Finnentrops Bürgermeister Dietmar Heß nur träumen. Nur 70,6 Prozent der CDU-Mitglieder wählten ihn zum neuen Schatzmeister. Und Heß wusste auch, warum: »Die, die gegen mich gestimmt haben, trauen mir nicht zu, so unterhaltsame Berichte vorzutragen, wie mein Vorgänger.« Dafür gab es Applaus. Mehr noch für den scheidenden Schatzmeister und dessen letzten Bericht. Nach 33 Jahren im Amt stellte sich Julius Grünewald (75) nicht mehr zu Wahl. Neben den nüchternen Zahlen – zum 11. November um 11.11 Uhr betrug das Vermögen 578000 e – gab es jeder Menge Seitenhiebe für Freund und Feind. Unter anderem für diejenigen, die mit ihrem »sozialistischen Blödsinn« das Biomassekraftwerk verhindern wollen. Bleiben wird die Metapher, mit der Grünewald seinen Eindruck zu Beginn seiner Tätigkeit im Jahr 1953 bebilderte: »Du sitzt am Piano und kannst nicht Klavier spielen. Doch dafür kann es auch kein anderer.«

Dass Julius Grünewald den Platz am Piano mehr als besetzte und sehr wohl zu spielen wusste, bestätigten ihm die CDU-Mitglieder mit rauschendem Beifall. Und Kreisvorsitzender Theo Kruse bedankte sich für »wohlwollende und warmherzige Ratschläge« beim »Urgestein der CDU Deutschlands«. Soviel zum Frohsinn in der Heinsberger Schützenhalle.

Denn mit sorgenvoller Miene schilderte Theo Kruse die politische Lage Deutschlands zwischen Reformstau und Kuhhandel im Vermittlungsausschuss. Kruse warnte vor abnehmender Wahlbeteiligung, die alle Lager träfe. Der Landtagsabgeordnete erinnerte daran, dass die »Goldenen Zeiten« in der Kommunalpolitik vorbei seien. Dazu Kruse: »Die Kommunen haben die politische Autonomie weitgehend verloren.« Das ließ sich auch drastischer formulieren: »Den Letzten beißen die Hunde.« Der Kreisvorsitzende prognostizierte härtere Tage: »Beim Solidaritätsgedanken gilt: Nicht alles für jeden.« Es sei an der Zeit, »volkswirtschaftlich in Generationen zu denken und nicht betriebswirtschaftlich in Jahresabschlüssen«.

Die drei Dauermiseren Deutschlands sind, laut Kruse: 1. Zu wenig Arbeit, 2. ein katastrophales Bildungssystem und 3. die aufgeblähte Bürokratie. Die traurige Botschaft des Landtagsabgeordneten am Samstag, an dem laut DGB-Slogan Papi dem Sohnemann gehört: »Wir müssen alle mehr arbeiten.«

Daran hielten sich die CDU-Mitglieder und wählten in der Folge 25 Beisitzer zum Kreisvorstand, zahlreiche Delegierte zum Bundes- und Landesparteitag sowie zur Bezirksversammlung. Zwischen den Wahlgängen referierte Karl-Josef Laumann, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Arbeit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, über den Generationenvertrag.

Und der Generalsekretär der CDU-NRW, Hans-Joachim Reck, stimmte die CDU-Mitglieder auf die kommenden Wahlkämpfe ein. Recks Strategie, um die Wähler zu berühren: ordnungspolitische Wachstumsdebatte und emotionale Ansprache. Dazu passte aus Sicht des Ortsverbandes Kirchhundem das beste Wahlergebnis des Kreisparteisamstags: Im Kirchhundemer Ortsteil Heinsberg wählten 98,5 Prozent der Mitglieder Annelie Röttgers aus Kirchhundem wieder zur Schriftführerin. Und das ganz ohne Frauenquote.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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