Morgen gehen die letzten Gäste

Jugendherberge Oberhundem schließt / Herbergsvater wechselte nach Hilchenbach

win Oberhundem. Morgen verlassen die Schüler der Hans-Böckler-Realschule aus Bochum die Jugendherberge Oberhundem. Wenn Herbergsvater Peter Schlichting hinter ihnen den Schlüssel herumdreht, geht eine Ära zu Ende. Denn die Bochumer sind die letzten Gäste, die die Jugendherberge Oberhundem bewohnen. 1959 eröffnet, verlor die idyllisch gelegene Einrichtung in den letzten Jahren immer mehr Gäste. Als sich Anfang des Jahres herausstellte, dass größere Investitionen zu tätigen wären, zog das Herbergswerk in Hagen die Notbremse – »schweren Herzens«, wie Markus Quast, Mitarbeiter der Marketingabteilung, gegenüber der SZ betonte. Doch die allein von 2004 auf 2005 um 20 Prozent geschrumpften Gästezahlen hätten es nicht zugelassen, die von Baufachleuten errechneten rund 1,2 Mill.e in eine Dachsanierung und die Erneuerung von Sanitäranlagen in die Hand zu nehmen.

Für Herbergsvater Peter Schlichting ändert sich Einiges. Zum zweiten Mal im Leben zog er von einer Jugendherberge in eine andere. Vor 18 Jahren wechselte er von Oer-Erkenschwick nach Oberhundem und trat in die Fußstapfen des legendären Karl Falk, nun trat er die Nachfolge von Karin Boelsen in Hilchenbach an. Die Adresse ändert sich kaum: Statt »Wilhelm-Münker-Weg«–lautet sie nun »Wilhelm-Münker-Straße«. Die Herberge in Hilchenbach ist kleiner, sie hat 86 gegenüber 106 Betten in Oberhundem. Der Abschied von »seiner«–Jugendherberge fällt ihm nicht leicht. Tausende von Gästen hat er hier begrüßt und versorgt, viele Zivildienstleistende und Mitarbeiter waren seine Weggefährten. Offiziell ist die Herberge in Oberhundem bereits seit dem 31. Oktober geschlossen. Für die Gruppe, die seit vielen Jahren nach Oberhundem kam, gab es an just dem gebuchten Wochenende in Hilchenbach aber keinen Platz, so dass Peter Schlichting für die Bochumer noch einmal in Oberhundem aufschloss.

Viele der Gruppen, die seit Jahren nach Oberhundem kamen – oft Schulorchester, die ihre Probenwochenenden in der Jugendherberge buchen – wird Peter Schlichting mit nach Hilchenbach nehmen. Markus Quast, übrigens ein gebürtiger Schönauer: »Wir hoffen, dass ein Teil der Belegung mit nach Hilchenbach geht.«–Denn die dortige Herberge hat das gleiche Problem wie viele andere Landherbergen: Während der Hochsaison könnte das Haus nicht groß genug sein. Davor und danach bricht die Belegung ein.

Die typischen Gäste solcher Herbergen sind längst nicht mehr die Wandersleute von einst, sondern Schulklassen und Vereine. Wanderer sind zwar nach wie vor herzlich willkommen, ziehen aber oft den größeren Komfort von Hotels vor. Dementsprechend haben sich die Herbergen zunehmend auf Schulklassen eingestellt. Immer erfolgreicher: die Erlebnispädagogik, die zusammen mit Der Jugendherberge Oberhundem hat wohl eine andere Einrichtung in der unmittelbaren Nähe das Genick gebrochen: Die immer weitere Reduzierung der Öffnungszeiten des Panoramaparks haben dafür gesorgt, dass viele Schulklassen ein anderes Ziel in Angriff genommen haben. Denn für die Lehrer bedeutet eine Attraktion wie der Panoramapark, dass ein Tag der Schullandfahrt ganz von allein mit Programm gefüllt ist.

Das Gebäude der Jugendherberge gehört dem Landesverband des Herbergswerks mit Sitz in Hagen. Demnächst wird ein Gutachterausschuss die Räume begutachten und eine Wertschätzung abgeben, dann will das Herbergswerk die Anlage verkaufen. Möglich, dass ein Investor zuschlägt, der die Herberge an den benachbarten Ferienpark anbindet. Das Interieur wird komplett vom Herbergswerk abgeholt. Ob Teller, Betten, Schränke oder Gabeln: Seit Jahren hat das Herbergswerk die Einrichtung ihrer Häuser standardisiert, so dass sich andere Herbergen aus der Oberhundemer Einrichtung bedienen können. Was übrig bleibt, wird gespendet oder entsorgt. Die fünf Mitarbeiterinnen, die Herbergsvater Schlichting zur Hand gingen, müssen sich neue Stellen suchen. Die Zivildienstleistenden sind zu anderen Herbergen in Berlin und Tecklenburg gewechselt.

Das früher dichte Jugendherbergsnetz in der Region wird damit erneut löchriger. In den vergangenen Jahren wurden die Häuser in Bad Berleburg, Siegen und Burbach geschlossen. Im Kreis Olpe ist es die erste echte Schließung einer Jugendherberge. Zwar wurde das Haus in Attendorn aufgegeben, im Gegenzug aber das alte Krankenhaus in Heggen zur neuen Herberge umgewandelt. Die Olper Herberge, am alten Freibad Im Dohm gelegen, gibt es auch nicht mehr, dafür wurde aber seinerzeit die große Jugendherberge Biggesee in Stade neu eröffnet.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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