Mosaiksteinchen des Kreises

Heike Kaufmann, Doris Kennemann, Christoph Henrichs, Amelie Grote, Elisa Braunsdorf, Uli Selter, Benedikt Höniger, Lehrer Peter Peil und Dr. Roswitha Kirsch-Stracke (v. l.) nach der Preisverleihung.  Foto: soph
  • Heike Kaufmann, Doris Kennemann, Christoph Henrichs, Amelie Grote, Elisa Braunsdorf, Uli Selter, Benedikt Höniger, Lehrer Peter Peil und Dr. Roswitha Kirsch-Stracke (v. l.) nach der Preisverleihung. Foto: soph
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

soph  „Wer die Wahl hat, hat die Qual“, sagt schon der Volksmund und auch Doris Kennemann wählte diesen Spruch bei der Begrüßung zur Preisverleihung im Rahmen des diesjährigen Wettbewerbs „Heimat lebt!“ im Kulturgut „Schrabben Hof“ am Dienstag. Erneut hatte der Kreisheimatbund Olpe drei herausragende Arbeiten von Schülern der Oberstufe prämiert, die von den Fachlehrern mit „gut“ oder „seht gut“ bewertet und an die Wettbewerbskommission weitergeleitet worden waren. Und die hatte nun besagte „Qual“, aus den Arbeiten die drei besten auszusuchen.

„Wir betrachten die Arbeiten durch die Brille des Kreisheimatbundes“, so Doris Kennemann. Die Kriterien sind dabei klar festgelegt: Der Kreis Olpe muss in der Arbeit eine Rolle spielen, ohne dass dabei sensationelle Entdeckungen gemacht werden müssen. Es gehe viel mehr um Mosaiksteinchen, die nach und nach ein Gesamtbild ergeben. „Unsere Preisträger haben gezeigt, dass sie einen Blick für dieses kleinen Steinchen haben und sie in einen größeren Rahmen einordnen können.“

Das zweite Kriterium: die Vorstellung neuer Erkenntnisse. Bei ihren Themen konnten die Preisträger wenig auf Vorarbeiten zurückgreifen. „Den allergrößten Teil haben sie sich mit erheblichem Zeitaufwand selbst erarbeitet und daher mit ihren Arbeiten einen wertvollen Beitrag zur heimatgeschichtlichen Aufarbeitung geleistet“, honorierte die Beisitzerin des Kreisheimatbundes. Das letzte Kriterium betrifft die heimatgeschichtliche Relevanz: Die gewonnenen Erkenntnisse sollen einen Mehrwert für die Bewohner des Kreises bieten.

Die ausgewählten Arbeiten erfüllen alle diese drei Kriterien, wie die nachfolgenden Laudatoren deutlich machten. Christoph Henrichs, 2. Vorsitzender des Kreisheimatbundes, machte den Auftakt und würdigte die Arbeit von Elisa Braunsdorf. Die Schülerin des Gymnasiums Maria Königin in Altenhundem hatte sich der Frage „Soll in Finnentrop-Serkenrode eine Windenergieanlage gebaut werden?“ gewidmet. Die „klare Kante“, die Elisa Braunsdorf in ihrer Arbeit beziehen würde, die Darstellung der Gründe, die gegen eine solche Anlage sprechen und die dargelegten Zweifel an der Effektivität der Windkraft im Allgemeinen seien dabei nur drei Aspekte. Was die Arbeit einmalig hervorhebe, sei die Umfrage, die die Schülerin selbst erstellte und durchführte. Dabei zeigte sich klar: Grundsätzlich befürworten die Bewohner den Bau von Windkraftanlagen – nur bitte nicht in Serkenrode. „Man mag zur Windenergie stehen, wie man will, aber die Arbeit überzeugt fachlich und auch durch die klare Stellungnahme der Preisträgerin als unmittelbar Betroffene.“

Nächster Preisträger war Benedikt Höniger, ebenfalls vom Gymnasium Maria Königin. Sein Thema lautete: „Welche ökologischen und sozioökonomischen Auswirkungen haben die seit dem Orkan Kyrill angelegten Weihnachtsbaumkulturen auf Altenvalbert?“ Vorsitzende Dr. Roswitha Kirsch-Stracke, skizzierte, wie er auf die Quintessenz der Arbeit – „Der Weihnachtsbaum als der neue Brotbaum“ – gekommen sei. Demnach sei bis zu Kyrill 2007 die Fichte dieser besagte „Brotbaum“ der hiesigen Waldbauern gewesen.

Dem Neuanfang mit Fichten ebenso wie der Umstellung auf Mischwald stand der Anbau von Nordmann-Tannen entgegen. Denn die wachsen schneller und konnten so die Existenz sichern, wie die Zahlen zeigten: Der Weihnachtsbaumverkauf bringt im Kreis Olpe 200 Mill. Euro, bietet 2000 Menschen einen festen Arbeitsplatz und sichert 2500 Saisonarbeitern einen Verdienst. Aus diesen Gründen entstanden die so genannten Weihnachtsbaumplantagen, wobei der junge Autor zwischen konventionellem und ökologischem Anbau unterscheidet und sich klar für den Bio-Baum ausspricht, der zwar ein Mehr an Arbeit erfordert, aber in der Produktion nachhaltiger und umweltschonender ist. Beide Laudationen hatte Josef Rave, Mitglied der Wettbewerbskommission, geschrieben, der bei der Verleihung verhindert war.

Amelie Grote vom St.-Ursula-Gymnasium Attendorn hat ein geschichtliches Thema gewählt: „Der Widerstand des evangelischen Pfarrers Johannes Thomä in Attendorn gegen das nationalsozialistische Regime“. Uli Selter, Laudator, Beisitzer und ehemaliger Grundschullehrer der Preisträgerin, hob den forschungsorientierten Ansatz der Arbeit hervor. Denn über Johannes Thomä gebe es schließlich kein Buch mit geklärten Fragen und so arbeitete sie mit lokaler Literatur, Auszügen aus Archiven oder den Erzählungen von Zeitzeugen. „Ihr deutliches Interesse an den Gesamtzusammehängen, ihre prägende evangelische Herkunft und Erziehung und ihr risikobewusstes Vorgehen in einer Story mit unbekanntem Ausgang lassen eine interessante Mixtur entstehen.“

Als Honorierung ihrer Arbeit erhielten die drei Schüler jeweils eine Urkunde, einen Gutschein für ein Buch aus der Schriftenreihe des Kreises Olpe und ein Preisgeld in Höhe von 200 Euro, gestiftet von der Sparkasse. „Solange es solche jungen Menschen gibt, die sich engagiert und dynamisch mit ihrer Heimat auseinandersetzen, sind wir gerne bereit auch weiter die Qual der Wahl auf uns zu nehmen“, fasste Doris Kennemann zusammen.

Die Preisverleihung war eingebettet in eine Führung durch den „Schrabben Hof“ für alle Interessierten und die Regularien der Jahresmitgliederversammlung sowie den Vortrag von Gemeindearchivar Martin Vormberg über „Zaubereiprozesse am kurfürstlichen Gericht Bilstein“.

Autor:

Katja Fünfsinn (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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