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Denkmal in Oberhundem
Peter und Sebastian Meyer leben in der Adolfsburg

Beeindruckend: Die Adolfsburg in Oberhundem.
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yve Oberhundem. „Wollten Sie schon immer mal in einem Traumschloss wohnen?“ Ende der 1990er-Jahre entdeckt Peter Meyer diese Überschrift in einer Zeitung über einer Immobilienanzeige. Damals wohnt er noch in Aachen, ist aber zu Besuch bei seinen Eltern auf dem Campingplatz in Waldenburg bei Attendorn. „Die Zeitung hatten die Stellplatznachbarn“, erinnert sich der 54-Jährige.
Ich treffe Meyer im Gräftenhaus, er sitzt nahe am brennenden Kamin, neben ihm sind freigelegte Mauersteine der Adolfsburg zu sehen. Sie gehört zu den bedeutendsten barocken Adelssitzen im südwestfälischen Raum. Seit 22 Jahren lebt hier Peter Meyer mit seinem Ehemann Sebastian – zunächst zeitweise, ihr Traum vom Wohnen im Schloss hat sich also vor mehr als zwei Jahrzehnten erfüllt.

yve Oberhundem. „Wollten Sie schon immer mal in einem Traumschloss wohnen?“ Ende der 1990er-Jahre entdeckt Peter Meyer diese Überschrift in einer Zeitung über einer Immobilienanzeige. Damals wohnt er noch in Aachen, ist aber zu Besuch bei seinen Eltern auf dem Campingplatz in Waldenburg bei Attendorn. „Die Zeitung hatten die Stellplatznachbarn“, erinnert sich der 54-Jährige.
Ich treffe Meyer im Gräftenhaus, er sitzt nahe am brennenden Kamin, neben ihm sind freigelegte Mauersteine der Adolfsburg zu sehen. Sie gehört zu den bedeutendsten barocken Adelssitzen im südwestfälischen Raum. Seit 22 Jahren lebt hier Peter Meyer mit seinem Ehemann Sebastian – zunächst zeitweise, ihr Traum vom Wohnen im Schloss hat sich also vor mehr als zwei Jahrzehnten erfüllt. Seinerzeit kaufen sie eine Dachgeschosswohnung in dem herrschaftlichen Anwesen mit Gräften und Wällen am Ortseingang von Oberhundem – umgeben von Wasserflächen, damals unverzichtbare Attribute adliger Häuser.

Beeindruckendes Bild der Adolfsburg in Oberhundem

Früher nutzte das Paar die Residenz mit jahrhundertealten Eichenbalken als Zweitwohnsitz. 2018 erwarben die Meyers eine weitere Einheit, das in Stand gesetzte Gräftenhaus, und verlegten ihren Lebensmittelpunkt komplett in den 960 Einwohner zählenden Luftkurort inmitten des Rothaargebirges. „Ich kenne hier mittlerweile jedes Highlight und jeden Schwachpunkt“, erzählt Meyer.

Peter und Sebastian Meyer (v. r.) haben sich vor mehr als zwei Jahrzehnten ihren Traum vom Leben im Schloss verwirklicht.
  • Peter und Sebastian Meyer (v. r.) haben sich vor mehr als zwei Jahrzehnten ihren Traum vom Leben im Schloss verwirklicht.
  • Foto: yve
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Wer durch das Tor auf die zum Teil noch erhaltene Parkanlage schreitet, wird auf den ersten Blick keine Schwachpunkte finden. Viel zu beeindruckend ist das Bild, das sich bietet. Ein ehemaliger Herrensitz mit Vorburg und zwei vorspringenden Pavillontürmen an der Hauptburg auf der Westseite, auf der Hofseite ein quadratischer Treppenturm mit barockem Portal, auf dem Wasser die Trauerschwäne Leopold und Ferdinandine. Errichtet in den 1670er-Jahren, ist die Adolfsburg das zweite Objekt, das die SZ für die Serie „Leben im Denkmal“ bereist.

Ehepaar mit Schwäche für historische Türen

Im Gräftenhaus haben die Meyers Modernes und Antikes gekonnt gepaart, wesentlich rustikaler der Stil in ihrer zweiten Wohnung unter dem Dach. Hier lebt das Ehepaar seine Schwäche für historische Türen, Stühle, Truhen und gusseiserne Leuchter aus. Geschlafen wird unter kunstvollen Stuckornamenten. Über Jahre hinweg arrangieren die Meyers ihre Fundstücke hinter den historischen Gemäuern. Vor zwei Jahren entdecken sie auf einer Online-Plattform zwei Stühle mit dem Fürstenberg-Emblem. „Die könnten einmal hier in der Burg gestanden haben.“ Ein völlig unerwartete Überraschung liegt nur ein Jahr zurück. „In einer alten Schule wurden Türen und Türstöcke aus der Burg gefunden. Das Südsauerlandmuseum hat sie damals beim Umbau aus den Containern gerettet.“ Das sei schlichtweg in Vergessenheit geraten. Otto Höffer, Stadtarchivar aus Attendorn, sei den verschollen Zeitzeugen auf die Spur gekommen. „Jetzt werden sie aufgearbeitet und wieder integriert.“

„Die Adolfsburg steht seit 1985 unter Denkmalschutz“, erzählt der pensionierte Major und ehrenamtliche Schuldnerberater. Bei der Übernahme durch einen Investor in den 1980er-Jahren sei die große innere Struktur des Schlosses auf Kosten von vielen kleinen Wohneinheiten zerstört worden. Aber die Erleichterung darüber, dass sich überhaupt jemand der Restaurierung angenommen habe, sei vorherrschend gewesen. „Dem Wasserschloss hat der Verfall gedroht, es stand von 1957 bis 1985 leer.“ Auf Brachland zwischen den früher zur Adolfsburg gehörenden und heute ebenfalls bewohnten Lustschlössern sei in den 1970er-Jahren ein Schwimmbad gesetzt worden. Ein Betonklotz, der nach einer Renovierung glücklicherweise ein anderes Bild abgebe. Dennoch sei das weitläufige Gartenparterre rund um das Schloss unwiderruflich auseinandergerissen worden.

42 Wohnungen in der Adolfsburg

Aus den ursprünglich 60 Wohnungen zwischen 32 und 150 Quadratmetern sind mittlerweile 42 geworden. „Einige Eigentümer haben sich frei werdene Einheiten gekauft und diese mit ihrer Immobilie verbunden“, erklärt Meyer. Das funktioniere immer in Absprache mit der Denkmalbehörde. Selbst ein Anstrich müsse genehmigt werden. „Das funktioniert aber reibungslos.“ Die Wohneigentümergesellschaft (WEG), deren Beiratsvorsitzender Meyer ist, habe es sich schließlich zur Aufgabe gemacht, den Zustand des Wasserschlosses mit vom früheren Prunk zeugenden Rittersaal, Kapelle und Fürstbischofs-empore nicht zur erhalten, sondern auch zu verbessern. Die Bewohner, derzeit zwischen 27 und 78 Jahren, stehen im regelmäßigen Austausch. Gewerke übernehmen ausschließlich regionale Unternehmen. „Viele arbeiten hier seit Jahrzehnten“, so Meyer.

Das nächste Großprojekt sei der Austausch der Schieferdächer. Der Treppenturm ist bereits neu eingedeckt. Auch die vier Wetterfahnen sind restauriert und sitzen wieder auf großen goldenen Kugeln, die mit Pech übermalt worden waren. „Vor drei Jahren haben wir die ersten Fördergelder erhalten“, erzählt der 54-Jährige. Die erhofft sich die WEG auch für das neue Dach. Nicht nur die Eigentümer profitierten davon. „Das Denkmal hat sich geöffnet“, weiß Meyer. Früher habe wenig Verbindung zu den Oberhundemern bestanden. „Die Adolfsburg war vor dem Umbau Abenteuerspielplatz, auch ein Jugendclub war hier drin. Die Einheimischen fühlten sich ein wenig um ihre Kindheitserinnerungen betrogen.“

"Heute ist das Wasserschloss unsere Heimat"

Heute schenken die Meyers in der Vorweihnachtszeit bei der Adventsfenster-Aktion Glühwein aus, heißen Gäste nicht nur im Hof, sondern auch im Haus willkommen. Zudem soll der erste Spendentag der WEG mit örtlichen Vereinen und Institutionen im September nicht einmalig bleiben. „Früher war das Wasserschloss immer unsere Fluchtburg, heute ist sie unsere Heimat. Die tiefen Gräben sind weg, das Denkmal ist im Dorf angekommen.“ Wie Peter Meyer selbst, der im Zuge der vergangenen Kommunalwahlen als neues Mitglied für die CDU in den Gemeinderat eingezogen ist und dort als „Burgmanager“ natürlich auch den Denkmalschutz wachsam im Auge behält.

Vom Verfall bedroht Der Name des Wasserschlosses ist auf den Erbauer Johann Adolf von Fürstenberg zurückzuführen, der es in den 1670er-Jahren wahrscheinlich nach Plänen von Ambrosius von Oelde errichten ließ. Das historische Anwesen war einst Erholungs- und Alterssitz, adliger Herrensitz und Jagdschloss. Während des Zweiten Weltkrieges war das Schloss Unterkunft für Evakuierte, von 1946 bis 1956 Missionsschule der Missionare von der Heiligen Familie, bevor diese in Altenhundem bauten, dann folgte ein jahrzehntelanger Leerstand, das Schloss war vom Verfall bedroht. 1985 wurde es von einem Investor restauriert und mit der Schaffung von Eigentumswohnungen einer neuen Nutzung zugeführt. Seither steht die Burg unter Denkmalschutz.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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