SZ

Träumen zwischen Bäumen
Übernachten im Baumhaus

Ob im Winter oder im Sommer – in den beiden Baumhäusern
hinter dem Gasthof „Zu den Linden“ in Oberhundem wird Übernachten zu einem Erlebnis.
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  • Ob im Winter oder im Sommer – in den beiden Baumhäusern
    hinter dem Gasthof „Zu den Linden“ in Oberhundem wird Übernachten zu einem Erlebnis.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

yve Oberhundem. Seit Tagen ist es trüb und nass, auch an diesem Samstag. Eine Witterung wie gemacht fürs Sofa. Unseres bleibt leer. Ich habe Großes vor – oder sagen wir Hohes. Heute heißt es Träumen zwischen Bäumen, eine Nacht in luftiger Höhe. Das Ziel liegt nur eine Dreiviertelstunde entfernt im beschaulichen Oberhundem. Angekommen, parken wir das Auto auf dem öffentlichen Wanderparkplatz direkt vor „Pastors Garten“ beim Stickereimuseum. Wir halten Ausschau nach unserer Unterkunft, sehen sie zunächst nicht. Plötzlich fällt mein Blick auf die spitzen Dächer der Baumhäuser, die hinter dem Gasthof „Zu den Linden“ emporragen. In dem 1814 erbauten Fachwerkhaus leuchtet mitten im Lockdown nur die Notbeleuchtung. Lediglich für Geschäftsreisende öffnen sich die Türen.

yve Oberhundem. Seit Tagen ist es trüb und nass, auch an diesem Samstag. Eine Witterung wie gemacht fürs Sofa. Unseres bleibt leer. Ich habe Großes vor – oder sagen wir Hohes. Heute heißt es Träumen zwischen Bäumen, eine Nacht in luftiger Höhe. Das Ziel liegt nur eine Dreiviertelstunde entfernt im beschaulichen Oberhundem. Angekommen, parken wir das Auto auf dem öffentlichen Wanderparkplatz direkt vor „Pastors Garten“ beim Stickereimuseum. Wir halten Ausschau nach unserer Unterkunft, sehen sie zunächst nicht. Plötzlich fällt mein Blick auf die spitzen Dächer der Baumhäuser, die hinter dem Gasthof „Zu den Linden“ emporragen. In dem 1814 erbauten Fachwerkhaus leuchtet mitten im Lockdown nur die Notbeleuchtung. Lediglich für Geschäftsreisende öffnen sich die Türen. Verwaist auch die Herbergen auf Stelzen. Für den Besuch der SZ dreht sich der Schlüssel nach Wochen des Stillstands wieder. Eigentlich herrscht hier reges Treiben, „Emma“ und „Eliza“ – die einzigen Baumhäuser im gesamten Kreis Olpe – sind das ganze Jahr über heiß begehrt.

Traum aus unbehandeltem Holz

Wir steigen die gut begehbare Treppe zu „Eliza“ hinauf, gehen über die urige Terrasse hinein in einen Traum aus unbehandeltem Holz. Über zehn regionale Sorten sind hier verarbeitet. Der Esstisch aus Apfel, die Innenwände aus Fichte, die Betten ein Mix aus Eiche, Douglasie und Kirsche, Ablagen und Regale aus Robinie oder die Nachtkonsole aus Erle und Birne. Natürlichkeit trifft dabei auf jede Menge Komfort. „Fast alles ist hier maßgefertigt“, erzählt Aferdita Greitemann, die den Gasthof seit zweieinhalb Jahren in Eigenregie führt. Am Bau der angrenzenden Baumhäuser seien ausschließlich heimische Handwerker beteiligt gewesen. „Das war uns ganz wichtig.“ In nur vier Monaten verwirklichen sie hinter dem Gasthof ein echtes Stück Natur auf Stelzen. „Das Wohnklima ist optimal“, so Aferdita Greitemann. Im Gespräch erinnert sie sich an eine Frau, die im Baumhaus erstmals nach Jahren wieder durchgeschlafen habe. „Sie hatte vor Freude Tränen in den Augen.“ Seither komme sie regelmäßig. Wie auch viele Städter, die nach einer Auszeit suchten. „Die Gäste fühlen sich einfach geborgen. Selbst Langeweile ist hier schön“

Häuser passen zum neuen Klientel

Vor einigen Jahren übernachtete die 41-Jährige mit ihren Töchtern in einem Baumhaus am Sorpesee. „Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich dachte an unseren Garten mit den zwei großen Linden.“ Für Aferdita und ihren Ehemann Dirk stand schließlich fest, die ersten Baumhaus-Appartements zwischen Biggesee und Lenne zu bauen – „Eliza“ und „Emma“, benannt nach den Töchtern der Greitemanns, bis heute in der Region etwas Einmaliges. Die Häuser passten zum neuen Klientel des Sauerlandes. „Das hat sich gewandelt“, blickt Aferdita Greitemann zurück. Vor 23 Jahren beginnt sie an Wochenenden im Gasthof „Zu den Linden“ zu arbeiten. Hinter ihrer Familie liegt eine Flucht aus dem Kosovo. Als die Abschiebung droht, wird sie als 19-Jährige von ihrer Chefin, Gabi Brüggemann, adoptiert. „Bis zu ihrem Tod haben wir den Gasthof zusammengeführt.“ Damals sei Urlaub im Sauerland von jungen Menschen belächelt worden, „heute sind die meisten Gäste nicht über 50 Jahre alt.“ Aus einem Renterparadies mit Vollpension sei ein Anziehungspunkt für Familien und Aktivurlauber geworden.

Entdeckungstour im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge

Aber was macht Oberhundem so reizvoll? Als kurz nach unserer Ankunft die ersten Schneeflocken vom Himmel fallen, verlassen wir „Eliza“ für eine kleine Entdeckungstour. Der Spaziergang führt uns über die Hauptstraße in Richtung Wald. Das Geräusch vom plätschernden Bach ist unser Begleiter. Auf Wandertafeln werden uns aussichtsreiche Ziele inmitten des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge versprochen. Für größere Strecken wie über den „Eselspfad“ hoch hinauf zum Alpenhaus ist die Zeit schon zu weit vorangeschritten. Wir wählen einen Rundwanderweg, der durch den Kurpark führt und am Haus des Gastes endet. Langsam wird es dunkel, einsetzender Eisregen beschleunigt unsere Schritte – schnell ins gemütliche Baumhaus und eine warme Mahlzeit. Doch die Küche bleibt heute kalt. An der Ausstattung liegt das nicht. Vielmehr möchten wir den Abholservice der heimischen Gastronomie unterstützen, auch wenn wir die wohlige Stube dafür noch einmal verlassen müssen.

Dachfenster zum Sterne beobachten

Draußen wird es zunehmend ungemütlicher, es stürmt, Eiskristalle legen sich wie ein Decke über „Eliza“. Umso heimeliger ist es drinnen bei Pfefferkrustenbraten und Schnitzel. Unter kuscheliger Bettwäsche schlafen wir später ein. Über uns ein großes Dachfenster zum Sterne beobachten in klaren Nächten.
Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von unseren Gastgebern mit dem festen Versprechen, wiederzukommen. Nach der Krise, nicht beruflich, sondern ganz privat für ein paar Tage Urlaub in der Heimat, die so viel mehr zu bieten hat als viele denken!

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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