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Ur-Wald reichte bis ins Siegerland
390 Millionen Jahre alte Pflanzen gefunden

Diese Malerei zeigt, wie der Ur-Wald vor 390 Millionen Jahre ausgesehen haben könnte. Auf die Fossilien gestoßen sind Matthias Remmel (Steinbruch Otto Schiffarth, l.) und Walter Lob (Steinbruch BGS, r.) Stephan Halbach, Leiter der Lindlar-Touristik, kündigte an, die Erkenntnisse für touristische Zwecke ausnutzen zu wollen.
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  • Diese Malerei zeigt, wie der Ur-Wald vor 390 Millionen Jahre ausgesehen haben könnte. Auf die Fossilien gestoßen sind Matthias Remmel (Steinbruch Otto Schiffarth, l.) und Walter Lob (Steinbruch BGS, r.) Stephan Halbach, Leiter der Lindlar-Touristik, kündigte an, die Erkenntnisse für touristische Zwecke ausnutzen zu wollen.
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tip Krombach/Olpe. Vielleicht muss die Geschichte unserer Region ein Stück weit neu geschrieben werden. Denn Forschungen, die ihren Ursprung im Oberbergischen Kreis hatten, haben ergeben: Die Ausläufer des ältesten Waldes der Welt zogen sich über Teile des Kreises Olpe bis ins Siegerland. Eine Erkenntnis, die vor allem für Touristiker interessant sein dürfte. Aber auch die Wirtschaft könnte davon profitieren.
Eine archäologische Sensation
Herbst 2008: In einem Steinbruch in Lindlar – einer oberbergischen Gemeinde, etwa 30 Kilometer östlich von Köln gelegen – tritt bei Arbeiten an einer neuen Sohle Erstaunliches zu Tage. Ein Fossil wird von den mächtigen Baggern ausgegraben.

tip Krombach/Olpe. Vielleicht muss die Geschichte unserer Region ein Stück weit neu geschrieben werden. Denn Forschungen, die ihren Ursprung im Oberbergischen Kreis hatten, haben ergeben: Die Ausläufer des ältesten Waldes der Welt zogen sich über Teile des Kreises Olpe bis ins Siegerland. Eine Erkenntnis, die vor allem für Touristiker interessant sein dürfte. Aber auch die Wirtschaft könnte davon profitieren.
Eine archäologische Sensation
Herbst 2008: In einem Steinbruch in Lindlar – einer oberbergischen Gemeinde, etwa 30 Kilometer östlich von Köln gelegen – tritt bei Arbeiten an einer neuen Sohle Erstaunliches zu Tage. Ein Fossil wird von den mächtigen Baggern ausgegraben. Das ist an sich in Steinbrüchen keine Sensation, denn je nach Gesteinsschicht tummelt sich immer wieder das eine oder andere Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Doch diesmal ist alles anders. Der Glückstreffer – die betreffende Gesteinsschicht ist nicht dicker als gerade einmal einen Meter – ist nicht weniger als eine archäologische Sensation.

Wissen sie eigentlich, was sie hier für einen Schatz gefunden haben?
Peter Giesen
Diplom-Geologe

Zwei komplette, versteinerte Pflanzen gefunden

Für den Betreiber war der Fund anfangs zumindest ungewöhnlich. Matthias Remmel, Chef des Schiffarth-Steinbruchs, erinnert sich: „Das Teil, das wir gefunden haben, sah anders aus, als alles andere, was wir bislang so zu Gesicht bekommen hatten.” Gemeinsam mit Hans-Walter Lob, der den benachbarten Steinbruch der BGS-Bergische Grauwacke führt, nahm man Kontakt zum renommierten Wuppertaler Diplom-Geologen Peter Giesen auf. Der kam vorbei, wurde fündig und wandte sich an die beiden Geschäftsführer: „Wissen Sie eigentlich, was Sie hier für einen Schatz gefunden haben?”, habe dieser gefragt, erzählt Lob.

Die Fundstücke aus den Steinbrüchen waren echte Glückstreffer: Die Gesteinsschicht ist nur etwa einen Meter dick.
  • Die Fundstücke aus den Steinbrüchen waren echte Glückstreffer: Die Gesteinsschicht ist nur etwa einen Meter dick.
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Wussten sie zunächst nicht, doch Giesen konnte schnell aufklären: Es handelte sich um zwei komplette, etwa anderthalb Meter hohe Pflanzen. Komplett versteinert, von den Wurzeln bis zur Krone. Die Fossilienfunde, die aus der Ära des Mitteldevons stammen, waren rund 390 Millionen Jahre alt. Es handelte sich um Versteinerungen von Urfarnen, baumförmige Pflanzen, die damit noch vor der Zeit der Dinosaurier einen Wald bildeten. Auch Pflanzen der Gattung Weylandia fand man auf, zum ersten Mal im Mitteldevon. Nach jahrelangen Forschungen fand Giesen heraus, dass damit dort der nachweislich älteste Wald der Welt gestanden haben muss.

Funde sollen für touristische Zwecke genutzt werden

Die so genannte Mühlenbergschicht, in der man die Ur-Bäume fand, reicht wissenschaftlich erwiesen vom Oberbergischen bis in die heutigen Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein (hier mindestens bis auf die Krombacher Höhe) hinein. Das belegen Veröffentlichungen von Paläontologen und Geologen aus den frühen 2000er-Jahren. In Lindlar will man sich diese Erkenntnisse nun touristisch zu Nutzen machen. Stephan Halbach, Leiter der Lindlar-Touristik: „In unserem Grauwacke-Museum, welches in diesem Jahr eröffnet werden soll, werden wir die Versteinerungen des ältesten Waldes des Welt zu zentralen Exponaten machen.”

Kann man die historisch bedeutsamen Funde nun auch in Siegen-Wittgenstein und Olpe verwerten? Durch die Mühlenbergschicht zieht sich jedenfalls auch der Ursprung des Quellwassers, welches Bierbrauer unserer Region nutzen – das könnte ein Vermarktungscoup werden. Der heimische Tourismus hat das Thema bislang noch nicht aufgegriffen.

Diese Malerei zeigt, wie der Ur-Wald vor 390 Millionen Jahre ausgesehen haben könnte. Auf die Fossilien gestoßen sind Matthias Remmel (Steinbruch Otto Schiffarth, l.) und Walter Lob (Steinbruch BGS, r.) Stephan Halbach, Leiter der Lindlar-Touristik, kündigte an, die Erkenntnisse für touristische Zwecke ausnutzen zu wollen.
Die Fundstücke aus den Steinbrüchen waren echte Glückstreffer: Die Gesteinsschicht ist nur etwa einen Meter dick.
Autor:

Tim Plachner

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