Neue Servicestelle im DRK-Kreisverband Olpe
Diskriminierung aktiv begegnen

Karin Blumentrath (r.) ist Beraterin der neuen Servicestelle Antidiskriminierung des DRK-Kreisverbandes. Gemeinsam mit Aydan Abali, Leiterin der Integrationsagentur, stellte sie das neue Angebot vor.
  • Karin Blumentrath (r.) ist Beraterin der neuen Servicestelle Antidiskriminierung des DRK-Kreisverbandes. Gemeinsam mit Aydan Abali, Leiterin der Integrationsagentur, stellte sie das neue Angebot vor.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

mari Olpe. Diskriminierung hat nicht nur auf Bundesebene, sondern auch im Kreis Olpe zugenommen. Ob rassistische Diskriminierung, Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts, einer Behinderung, des Lebensalters, der Religion, der sexuellen Identität oder der Weltanschauung – die Zahlen haben sich nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Deutschland fast verdoppelt. Wurden 2019 noch 3200 Fälle gemeldet, waren es im Vorjahr mehr als 6000.

Im Kreis Olpe hat sich bislang die Integrationsagentur mit solchen Fällen beschäftigt. Sie konnten jedoch aufgrund vieler anderer Aufgaben nicht ausreichend abgedeckt werden. Das ist nun anders. Der DRK-Kreisverband integrierte eine der mehr als 40 vom Land NRW geförderten Servicestellen Antidiskriminierung in sein Beratungsangebot.

Vorstellung am Donnerstag

Was dem steigenden Bedarf Rechnung trägt, denn bislang gab es auf Landesebene lediglich fünf oder sechs Servicestellen. „Die neue Servicestelle ist eine wichtige und ergänzende Aufgabe innerhalb unseres Verbandes“, betonte Vorstandsmitglied Torsten Tillmann. Er stellte am Donnerstag das Angebot gemeinsam mit der neuen Serviceleiterin Karin Blumentrath und der Leiterin der Integrationsagentur, Aydan Abali, vor.

„Es richtet sich an alle Menschen aus dem Kreis Olpe, die sich ungerecht behandelt fühlen und dadurch oft tiefgründig verletzt sind. Von Diskriminierung betroffen zu sein, heißt für Ratsuchende oft, zu lernen mit Erfahrungen von Einschränkung von Teilhabe und Verweigerung von Würde umzugehen. Bei uns können sie im geschützten Raum das Gespräch suchen und erhalten durch uns und unsere vernetzten Partner, die bis zur Justiz reichen, langfristig Hilfestellung. Sie werden individuell beraten und gefördert, ihre Rechte zu erkennen und durchzusetzen. Ziel ist es, durch Mediation gerichtliche Verfahren zu vermeiden, die oft mit erheblichen Kosten verbunden sind“, so Karin Blumentrath, die das neue Angebot bereits bei den Bürgermeisterin im Kreis Olpe und bei den Leitern der Sozialämter vorstellte.

Ältere und behinderte Menschen besonders betroffen

Die 61-Jährige Siegenerin ist seit 1986 in verschiedenen Funktionen beim DRK-Kreisverband tätig, die letzten fünf Jahre in der regionalen Flüchtlingsbetreuung. Durch ihre Erfahrungen weiß sie, wo in Sachen Benachteiligung im ländlichen Kreis Olpe vor allem der Schuh drückt: bei älteren und behinderten Menschen. Diese beiden Bereiche sollen deshalb besondere Schwerpunkte ihrer Beratungstätigkeit darstellen.

„Im Jahr 2017 lebten im Kreis Olpe 134 449 Menschen, davon waren zehn Prozent nicht deutscher Abstammung. 44 Prozent waren älter als 50 Jahre“, wies Aydan Abali auf die demografische Alterung hin. Sie weiß aus ihrer Tätigkeit, dass besonders Ausländer und Migranten unter Diskriminierung leiden. „Viele von ihnen sind Frauen, auch noch aus der ersten und zweiten Gastarbeitergeneration. Sie haben sprachliche Barrieren und wissen nicht, wo sie Hilfe suchen sollen. Ihre Behindertenangelegenheiten werden oft abgelehnt und wenn sie sich woanders Hilfe suchen, müssen sie für die Beratung bezahlen, obwohl sie kaum Geld zum Leben haben. Dann werden sie zum zweiten Mal Opfer.“

Arbeit soll wichtige Impulse setzen

Einer Klientin habe man durch die Integrationsagentur leider nicht helfen können. „Sie hatte durch ihren schizophrenen und gewalttätigen Sohn psychische Probleme und wurde arbeitslos. Weil sie überfordert war, hat sie die Vormundschaft an ihre Anwältin abgegeben. Diese hat sich aber um nichts gekümmert, sie hat die Post nicht geöffnet und nicht bearbeitet und hat es versäumt, die Anträge der Klientin auf Arbeitslosengeld einzureichen. Deshalb kamen auf die Frau, die ohnehin kein Geld hatte, diverse Kosten zu. Wir konnten leider nichts machen, doch jetzt ist das anders. Die Stelle Antidiskriminierung ist offiziell und wir könnten vor dem Familiengericht eine Enthebung der Vormundschaft beantragen.“

Neben der Arbeit in konkreten Einzelfällen soll die Antidiskriminierungsarbeit Impulse für institutionelle und strukturelle Veränderungen geben. Diskriminierende Praktiken sollen über die landesweiten Kompetenzverbünde, mit denen die Servicestellen in ständigem Kontakt stehen, sichtbar gemacht und thematisiert werden, so dass Sensibilisierungs- und Veränderungsprozesse in Unternehmen, Organisationen und Verwaltungen in Gang gesetzt und begleitet werden.

In den Bereichen Alter und Behinderung wirkt Karin Blumentrath in den Kompetenzverbünden mit. Sie ist montags bis freitags telefonisch von 9 bis 17 Uhr unter (0 27 61) 26 43 oder mobil unter (01 70) 6 74 09 80 zu erreichen. Termine können auch per E-Mail (blumentrath@kv-olpe.de) vereinbart werden. Wenn Veränderungen in den Pandemie-Beschränkungen eintreten, wird sie auch in den Einrichtungen des DRK-Kreisverbandes in Lennestadt und Finnentrop vor Ort sein und ihre Klienten persönlich aufsuchen.

Autor:

Marianne Möller

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