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Bewährungsstrafe im Amtsgericht
Ende einer vergifteten Liebe

In diesem Gebäude endete am Mittwoch eine traurige Beziehung.
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mku Olpe. Ein 41-jähriger Mann aus Wenden steht am Mittwoch in Olpe vor dem Amtsgericht. Oder besser: Er fläzt sich ziemlich entspannt in seinem Stuhl. Trotz dreier Anklagen wegen Körperverletzung gegen seine frühere Lebensgefährtin im Herbst 2021 fühlt er sich offenbar recht sicher. Das nützt ihm aber nicht viel. Amtsrichter Peter Krumm verurteilt ihn nach mehr als drei Stunden Verhandlung zu sieben Monaten Haft. Weil es die erste Strafe überhaupt für ihn ist, muss er nicht hinter Gitter. Er bekommt aber einen Bewährungshelfer und die Auflage, 1000 Euro an den Verein „Frauen helfen Frauen“ zu bezahlen.
Der Mann erzählt eine andere Geschichte
Selten dürfte der Direktor des Olper Amtsgerichtes derart verschiedene Versionen von Geschehnissen gehört haben.

mku Olpe. Ein 41-jähriger Mann aus Wenden steht am Mittwoch in Olpe vor dem Amtsgericht. Oder besser: Er fläzt sich ziemlich entspannt in seinem Stuhl. Trotz dreier Anklagen wegen Körperverletzung gegen seine frühere Lebensgefährtin im Herbst 2021 fühlt er sich offenbar recht sicher. Das nützt ihm aber nicht viel. Amtsrichter Peter Krumm verurteilt ihn nach mehr als drei Stunden Verhandlung zu sieben Monaten Haft. Weil es die erste Strafe überhaupt für ihn ist, muss er nicht hinter Gitter. Er bekommt aber einen Bewährungshelfer und die Auflage, 1000 Euro an den Verein „Frauen helfen Frauen“ zu bezahlen.

Der Mann erzählt eine andere Geschichte

Selten dürfte der Direktor des Olper Amtsgerichtes derart verschiedene Versionen von Geschehnissen gehört haben. Nur in einem sind sich alle einig, dass es eine "toxische Beziehung" war.

Der Mann soll seiner langjährigen Freundin am 11. Oktober 2021 die Badezimmertür praktisch ins Gesicht geworfen haben, worauf sie gegen einen Badezimmerschrank stieß, der sich aus der Verankerung löste und auf ihren Kopf fiel. Vier Tage später kam es nach den Akten zu einer Auseinandersetzung, bei der er sie an den Haaren zu Boden riss, auf ihrem Hals kniete und dabei ihr Leben in Gefahr brachte. Am 4. Dezember schließlich soll er sie wieder zu Boden gestoßen, an den Haaren gezogen und ihr mehrfach mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben.

Alles falsch, schüttelt der Mann den Kopf und erzählt stattdessen eine Geschichte, in der er selbst das Opfer ist. Sie hätten mehr als zehn Jahre zusammengelebt, am Ende zunehmend mit Streit über Lappalien, immer wieder sei die Gefährtin grundlos explodiert und gegen ihn gewalttätig geworden. „Ich habe niemals geschlagen. Ich bin kein gewalttätiger Mensch“, versichert der Angeklagte und ebenso, dass er sich in allen drei Fällen nur habe wehren müssen, immer versuchend, vor ihr zu fliehen. Er habe sie auch dreimal zu Boden gebracht, „weil sie heftig um sich schlug und trat“. Immer sei es darum gegangen, sich selbst und auch sie vor sich zu schützen, damit sie sich nicht verletzte. Tatsächlich bekundet eine Nachbarin, ihn gehört zu haben, wie er „Bleib ruhig“ und ähnliche Worte rief.

Die Mutter berichtet von ''unmöglichem Verhalten''

Warum er sich denn bei einer solchen Beziehung nicht getrennt hätte, möchte die Nebenklagevertreterin wissen. „Keine Ahnung. Vielleicht ist das Liebe“, antwortet er flapsig und findet später, dass seine „Ex“ und auch deren Mutter ein einziges Lügengeflecht servieren, und das auch noch schlecht: „Die verarschen sich selbst. Die tun mir nur noch leid.“

Die 39-jährige Nebenklägerin berichtet von einer zwölfjährigen Beziehung, die seit einiger Zeit immer schlechter gelaufen sei. Immer wieder habe es Streit gegeben, der eskaliert sei. Auch sie selbst sei daran nicht unschuldig gewesen. Allerdings habe sie immer wieder die Verletzungen gehabt, sei geschlagen und unvermittelt „nachts aus dem Bett getreten“ worden. Sie habe über längere Zeit versucht, sich zu trennen, es aber wegen diverser Abhängigkeiten nicht geschafft. Aufgrund seiner Drohungen sei sie sogar zur Polizei gegangen, um die Strafanträge zurückzunehmen. 2020 sei ein Strafbefehl über 2800 Euro gegen sie ergangen, weil sie in einem Streitfall die Schuld übernommen habe. 20- oder 30-mal sei die Polizei von Nachbarn gerufen worden. Auch nach ihrem Auszug hätte der Mann sie noch verfolgt und bedroht, wollte ihre Zähne ausschlagen und ihre Haare einzeln herausziehen. Ihre Mutter berichtet von unmöglichem Verhalten des Angeklagten. Für ihn sind das alles Lügen, wenngleich er auf dem Flur in einer Pause anders klingt.

Der Verurteilte denkt direkt über eine Berufung nach

Nach der Beweisaufnahme ist die das Leben gefährdende Behandlung nicht nachgewiesen. Sein Knie war nicht auf ihrem Hals. Dennoch reicht es der Staatsanwältin für drei Körperverletzungen und zehn Monate Haft auf Bewährung plus Geldbuße in Höhe eines Monatsgehaltes. Die Verteidigerin hat dagegen genug Widersprüche in den Aussagen der Ex-Freundin gefunden, um ein „im Zweifel für den Angeklagten“ anzuregen. Allerdings vermeidet sie, den Freispruch direkt zu fordern. Ihr Mandant hatte gehofft, dass seine „Ex“ ihre Aussage noch ändert, bedauert ein wenig, sich nur eine Pflichtverteidigerin genommen zu haben, findet aber letztlich, diese habe doch einen guten Job gemacht.

Amtsrichter Peter Krumm entscheidet auf sieben Monate „mit“ und die 1000 Euro Geldbuße. Der Angeklagte sei nicht vorbestraft gewesen, habe aber wenig Einsicht gezeigt und alle Schuld auf sein Opfer geschoben. Mit Hilfe eines Bewährungshelfers solle er die Taten und sein Verhalten nun aufarbeiten. Der nunmehr Verurteilte denkt allerdings direkt über eine Berufung nach.

Autor:

Redaktion Olpe aus Stadt Olpe

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