Verbreitung intimer Aufnahmen
Junge Frau klagt auf Schmerzensgeld

win Olpe. Der Prozess am Donnerstag im Olper Amtsgericht hätte sich als Anschauungsunterricht für junge Menschen geeignet, um ihnen nachdrücklich vor Augen zu führen, welche Folgen der nachlässige Umgang mit digitalen Medien zur Folge haben kann. Auf der Anklagebank: ein 29-jähriger Mann, ihm gegenüber neben dem Vertreter der Staatsanwaltschaft: seine sieben Jahre jüngere Ex-Freundin, die in einem Adhäsionsverfahren als Nebenklägerin im Strafverfahren auftrat. Ihr Ziel: ein Schmerzensgeld von 10 000 Euro.
Angeklagt war ein Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz, das in diesem Fall freilich relativ wenig mit dem Begriff „Kunst“ zu tun hat. Es ging darum, dass der Angeklagte Filme und Fotos auf Sex-Homepages hochgeladen haben sollte, und das gegen den Willen der jungen Frau. Zudem soll er Fotos von drei anderen jungen Frauen aus Olpe auf eine Pornoseite hochgeladen haben, wobei es sich dabei nicht um pornografische Bilder, sondern von Facebook oder Instagram „gestohlene“ Fotos handelt, die vom Angeklagten allerdings mit den Klarnamen der jungen Frauen und sexuell anzüglichen Titeln wie „heiße Amateurin“ versehen worden sein sollen.
Dass es Filme und Fotos gab, stand außer Frage – Bilder bzw. Standbilder davon fanden sich reichlich in der Anklageschrift und den beigefügten Akten. Sie zeigten die Nebenklägerin mal angezogen, mal nackt, und bei den Nacktaufnahmen war sie nicht immer allein, sondern auch gemeinsam mit dem Angeklagten, auch beim Geschlechtsverkehr bildlich festgehalten.
Der Angeklagte räumte das Hochladen auch unumwunden zu. Allerdings habe er die Fotos der drei Frauen nicht von deren Seiten auf Instagram oder Facebook herunterkopiert, sondern aus Ordnern, die bereits auf der Porno-Seite vorhanden gewesen seien. Davon gebe es Hunderte, er habe zufällig eine der ihm bekannten jungen Frauen entdeckt und dann gezielt gesucht. Da müssten aber andere Menschen für verantwortlich gemacht werden, die diese Ordner angelegt hätten. Es tue ihm leid, er wisse, dass das falsch gewesen sei, die Bilder weiterzuverbreiten. Er habe aber inzwischen sein Leben im Griff, sei von Olpe weggezogen und arbeite wieder, „ich will das alles hier abschließen und das hinter mich bringen“. Bei den als Zeuginnen geladenen jungen Frauen entschuldigte er sich.
Das ist mir sehr auf die Psyche geschlagen.
Nebenklägerin
Ex-Freundin des Angeklagten
Zu den Vorwürfen hinsichtlich der Nebenklage allerdings erklärte der Angeklagte, die Fotos und Videos seien von ihm und der jungen Frau gemeinsam hochgeladen worden: „Wir wollten den Horizont ein bisschen erweitern und suchten jemanden, der mit uns zusammen Spaß haben wollte.“
Das schilderte die junge Frau deutlich anders: Sie sei verliebt gewesen und sei eine sehr schwierige Beziehung mit dem Angeklagten eingegangen. Dabei habe er sie eingesperrt und geschlagen. Auf intensives Nachfragen von Verteidiger Marcel Tomczak räumte sie dann ein, beim Hochladen der pornografischen Bilder und Videos neben dem Angeklagten gesessen zu haben, „anfangs war ich damit auch einverstanden“. Mehrfach verwies sie auf einen vorausgegangenen Prozess, der stattgefunden habe, „weil er mich geschlagen und eingesperrt hat“. Doch stellte sich heraus, dass der Angeklagte in diesem Fall freigesprochen worden war.
Der Angeklagte und sein Verteidiger stellten die Frage in den Raum, warum die junge Frau über ein Jahr gewartet habe, bis sie sich in psychiatrische Behandlung begeben habe, womit sie die Schmerzensgeldforderung unter anderem begründet hatte. Sie begründete das damit, dass sie nach dem ersten Prozess davon ausgegangen sei, dass ihr Ex-Freund alle Videos und Bilder aus den Portalen gelöscht habe, doch dann habe ihr eine Freundin ein Bildschirmfoto geschickt, auf dem die Nebenklägerin weiterhin zu sehen war. Dies habe sie sehr schockiert und frustriert. „Das ist mir sehr auf die Psyche geschlagen, wenn solche Bilder für jeden zugänglich im Internet stehen.“
Da sich aber klar herauskristallisierte, dass die junge Frau zumindest anfangs mit dem Hochladen der Dateien einverstanden war und dem Angeklagten offenbar nie konkret abverlangt hatte, die einvernehmlich überlassenen Bilder und Filme zu löschen, stellte Richterin Nicole Höhmann das Verfahren ein.
„Wir haben hier Sachen gehört, die das Schmerzensgeld deutlich nach unten drücken.“ Die kriminelle Energie des Angeklagten sei „nicht sehr hoch“ gewesen, die Daten nicht zu löschen, auch wenn der angerichtete Schaden deutlich höher sei. Als Auflage muss der Angeklagte 500 Euro als Schadenswiedergutmachung an die Nebenklägerin zahlen.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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