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Bauleute warten auf Material
Nicht nur Holz wird immer knapper

Drainage-Rohre werden üblicherweise aus PVC hergestellt und gehören damit derzeit zur Mangelware auf Baustellen. Im Gegenzug steigen die Preise ins Unermessliche.
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  • Drainage-Rohre werden üblicherweise aus PVC hergestellt und gehören damit derzeit zur Mangelware auf Baustellen. Im Gegenzug steigen die Preise ins Unermessliche.
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win Olpe. Die Lage ist ernst auf dem Bau. Zunächst trifft es die Bauhandwerker und -unternehmer, danach unausweichlich die Bauherrinnen und -herren: Das Material wird knapp. Gemeint ist diesmal ausnahmsweise nicht das Holz, das trotz augenscheinlichem Überangebot in Folge der Borkenkäferkalamität in großer Menge nach China und die USA exportiert wird (die SZ berichtete mehrfach). Diesmal geht es um fast alle anderen Baustoffe, die industriell hergestellt werden. Akute Probleme gibt es bereits bei allem aus Polyvinylchlorid, meist kurz als PVC abgekürzt.

Das sind beispielsweise Abfluss- oder Drainagerohre, aber auch manche Dichtbahnen. Auch Kabelisolierungen werden aus PVC hergestellt.

win Olpe. Die Lage ist ernst auf dem Bau. Zunächst trifft es die Bauhandwerker und -unternehmer, danach unausweichlich die Bauherrinnen und -herren: Das Material wird knapp. Gemeint ist diesmal ausnahmsweise nicht das Holz, das trotz augenscheinlichem Überangebot in Folge der Borkenkäferkalamität in großer Menge nach China und die USA exportiert wird (die SZ berichtete mehrfach). Diesmal geht es um fast alle anderen Baustoffe, die industriell hergestellt werden. Akute Probleme gibt es bereits bei allem aus Polyvinylchlorid, meist kurz als PVC abgekürzt.

Das sind beispielsweise Abfluss- oder Drainagerohre, aber auch manche Dichtbahnen. Auch Kabelisolierungen werden aus PVC hergestellt. Frank Clemens ist Kreishandwerksmeister für Siegen-Wittgenstein und Olpe, selbstständiger Dachdeckermeister und Obermeister seiner Innung im Kreis Olpe. Er erfährt es am eigenen Leib und hört es von Kollegen: „Beim Styropor etwa gibt es schon acht Wochen Lieferfristen, bei Polyethylen-Dachbahnen dasselbe“, so Clemens.

Viele Ursachen kommen zusammen

Das besonders Tragische an der Situation: Es gibt dafür keine spezielle Ursache, sondern eine Vielzahl von Gründen. Da ist einerseits die Corona-Krise, die dafür gesorgt hat, dass das Bauen boomt. Viele Heimwerker haben Projekte begonnen, die entsprechendes Material erfordern, und andere Hausbesitzer haben wegfallende Urlaube genutzt, um das so gesparte Geld in Baumaßnahmen zu investieren.

Dann kam die Blockade des Suezkanals mit der Folge, dass Schiffe mit Spezialchemikalien oder anderen begehrten Rohstoffen ausblieben und ungezählte Fabriken die Produktion herunterfahren mussten – die Folgen sind bis heute spürbar. Schiefer und andere Natursteine sind knapp, weil die Gruben und Brüche Corona-bedingt nur mit halber Kraft gefahren werden können. Ähnliches gilt für Splitt, Zement, Sand und Steine. Ein Werk, das wichtige Zusatzstoffe für bestimmte Kunststoffe herstellt und fast ein Viertel des Weltmarkts beliefert, ist abgebrannt und hat die Lage weiter verschlimmert.

Kreishandwerksmeister Frank Clemens erlebt im eigenen Betrieb und hört von Kolleginnen und Kollegen die Dramatik der Lage.
  • Kreishandwerksmeister Frank Clemens erlebt im eigenen Betrieb und hört von Kolleginnen und Kollegen die Dramatik der Lage.
  • Foto: Jörg Winkel
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Und wenn dann irgendwo Material ankommt, steigen die Preise – manche haben sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Clemens: „Das führt natürlich bei ganz vielen Kollegen zu Problemen, denn wenn Aufträge vergeben sind, dann sind die Preise fest.“ Preise, die Bauhandwerker aufgrund jahrelanger Erfahrung festgelegt haben und die nun oft kein auskömmliches Arbeiten möglich machen „Derzeit werden in Angebote fast immer Tagespreise für das Material hineingeschrieben, um überhaupt arbeiten zu können“, so Clemens.

"Die Zahlen, die aufgerufen werden, sind unglaublich."
- Bernd Arns, Bauunternehmer

Das bestätigt auch der Hünsborner Bauunternehmer Bernd Arns: „Uns trifft es noch nicht so hart wie die Holzverarbeiter, aber das Thema Holz holt uns ja auch schon beim Schalungsbau ein.“ Dramatischer werde es beim Thema schlüsselfertiges Bauen, „da ist der Zimmerer ja mit dabei, und die Zahlen, die aufgerufen werden, sind unglaublich.“ Arns geht davon aus, dass außer den faktischen Engpässen durchaus auch eine gewollte Verknappung bestimmter Zuliefermaterialien eine Rolle spiele. Der Mangel an PVC-Rohren sorge beim Bauen für enorme Verzögerungen, „weil man damit anfängt, die kann ich ja nicht nachträglich unter die Bodenplatte schieben“. Arns: „Wir steuern zurzeit nur auf Sicht, und es gibt Firmen, die trotz voller Auftragsbücher schon vorsorglich Kurzarbeit angemeldet haben.“

Alle Gewerke betroffen

Betroffen seien sämtliche Gewerke, denn „wenn die Kette unterbrochen ist, geht das Jonglieren los“. Der Maler könne nicht anfangen, bevor die Wände verputzt seien. „Anfang des Jahres habe ich das noch belächelt, aber dass das so lange vorhält, hätte ich nie gedacht. Man kann nur hoffen, dass es sich stabilisiert.“

Auch Malermeister Jürgen Fleischer aus Rüblinghausen, gemeinsam mit Armend Sulaj Inhaber des Olper Malerfachbetriebs Fleischer/Sulaj, ist einer der Bauhandwerker, die die Folgen der Materialknappheit spüren: beim Trockenbau direkt – ob Spanplatten, Dachlatten, Dämmwolle oder Rigips: „In Olpe gab es gar nichts mehr, Wir haben den Rest in Siegen geordert, damit unsere Baustellen weiterlaufen.“ Bestimmte Design-Bodenbeläge habe er gegen Vorkasse jetzt schon bestellen müssen für Baustellen, die im August/September anstünden. Und selbst wenn Material da ist, beispielsweise Farbe, zögen hier die Preise dermaßen an, dass „einem schwindlig wird“. Eine Situation, die nur Verlierer kennt: im ersten Rang die Bauhandwerker, im zweiten diejenigen, die sie engagieren. Ende offen.

Drainage-Rohre werden üblicherweise aus PVC hergestellt und gehören damit derzeit zur Mangelware auf Baustellen. Im Gegenzug steigen die Preise ins Unermessliche.
Kreishandwerksmeister Frank Clemens erlebt im eigenen Betrieb und hört von Kolleginnen und Kollegen die Dramatik der Lage.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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