SZ

Handwerkskunst „made in Ottfingen“
Robert Koch ist passionierter Pfeifenbauer

Robert Koch ist Angestellter beim Olper Finanzamt, gelernter Kfz-Mechaniker und Bauzeichner -  und am Abend als Autodidakt leidenschaftlicher Pfeifenbauer.
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  • Robert Koch ist Angestellter beim Olper Finanzamt, gelernter Kfz-Mechaniker und Bauzeichner - und am Abend als Autodidakt leidenschaftlicher Pfeifenbauer.
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yve  Ottfingen.  Auf den ersten Blick sehen sie wie gewöhnliche Holzstücke aus, augenscheinlich variieren nur die Farbgebungen – von hell bis tiefschwarz. Robert Koch greift zur Flasche und sprüht Wasser auf eine Oberfläche und plötzlich scheint es, als erzähle sie von einem bewegten Leben. Eine dichte und markante Maserung wird sichtbar, eine Struktur, die später einer Pfeife ihren eigenen Charakter verleiht. Bereits fertige Unikate liegen auf der Werkbank. Die Korpora aus feinstem Naturmaterial – Ziricote, Olive, Magnolie, Mooreiche, Eben- und Wüsteneisenholz, letzteres eins der schwersten und härtesten auf der Welt.
Zwischen Holmen und Mundstücken aus Ebonit verleihen Applikationen aus Horn oder Knochen der Handwerkskunst Einzigartigkeit. Hergestellt in Ottfingen an der Thomasstraße.

yve  Ottfingen.  Auf den ersten Blick sehen sie wie gewöhnliche Holzstücke aus, augenscheinlich variieren nur die Farbgebungen – von hell bis tiefschwarz. Robert Koch greift zur Flasche und sprüht Wasser auf eine Oberfläche und plötzlich scheint es, als erzähle sie von einem bewegten Leben. Eine dichte und markante Maserung wird sichtbar, eine Struktur, die später einer Pfeife ihren eigenen Charakter verleiht. Bereits fertige Unikate liegen auf der Werkbank. Die Korpora aus feinstem Naturmaterial – Ziricote, Olive, Magnolie, Mooreiche, Eben- und Wüsteneisenholz, letzteres eins der schwersten und härtesten auf der Welt.
Zwischen Holmen und Mundstücken aus Ebonit verleihen Applikationen aus Horn oder Knochen der Handwerkskunst Einzigartigkeit. Hergestellt in Ottfingen an der Thomasstraße. Dort lebt Robert Koch mit seiner Familie. Der 54-Jährige ist Angestellter beim Olper Finanzamt, gelernter Kfz-Mechaniker und Bauzeichner, am Abend als Autodidakt leidenschaftlicher Pfeifenbauer. Darüber möchte die SZ mehr erfahren und schaut ihm in seiner Werkstatt über die Schultern. Musik läuft im Hintergrund, ein Ofen sorgt hier für wohliges Arbeiten, Polier-, Band- und Tellerschleifmaschinen ruhen noch.

"Das hier stammt von einem Walrosspenis“

Robert Koch holt eine Kiste hervor. Ein Geweih schaut heraus, anderes weckt weitaus mehr Interesse. Jahrtausende alte Knochen von Mammuts, dabei Elfenbein der Stoßzähne, in Frostböden Sibiriens konserviert, von Sammlern und Wissenschaftlern in Sommermonaten geborgen, wenn das Eis antaut und die Schichten des Permafrostes in Bewegung geraten. „Das hier stammt von einem Walrosspenis.“ Robert Koch legt ein Stück des versteinerten Knochens auf den Tisch, der im Ganzen bis zu 60 Zentimeter groß sein kann. Gewaltig wirkt der gekrümmten Hauer eines Warzenschweins, beeindruckend marmoriert hingegen die Beschaffenheit der harten Schädelplatte eines Moschusochsens – für Koch „eine der schönsten Hornsorten im Tierreich.“ „Ich verwende sehr gerne Applikationen, die für Pfeifen unüblich sind“, erzählt der Ottfinger.
Wenn die Tür seiner Werkstatt hinter ihm zufällt, „tauche ich in eine andere Welt, die mir den perfekten Ausgleich zum Berufsalltag bietet“. Koch entwickelt seine Passion für den Pfeifenbau schrittweise. Zunächst ist das Herstellen von Obertonflöten und Didgeridoos eine bereichernde Erfahrung, die Arbeit mit dem warmen Rohstoff wird mehr und mehr zu seinem Metier. Vor einigen Jahren steht der 54-Jährige auf dem Kreuztaler Weihnachtsmarkt am Stand von Tobias Scheffe, der in Kredenbach die „Tosch Genusshütte“ betreibt. „Da lag ein Stück Holz mit einer Pfeife drauf“, erinnert er sich. Wenig später kauft er ein Exemplar in Kredenbach, gebaut von Tobias Scheffe. Schnell stand fest, „das möchte ich auch können“.

Lediglich ein "Konkurrent"

Vor etwa sechs Jahren verkauft Robert Koch seine erste Pfeife, „die es nur einmal auf der Welt gibt, fernab üblicher Serienproduktion.“ Der Ottfinger hat im Kreis Olpe lediglich einen „Konkurrenten“, der Freund und Lehrmeister zugleich ist. Es ist Hermann Hennen aus Emlinghausen, der Robert Koch seinerzeit in die Geheimnisse des Pfeifenbaus einweiht. Beim Besuch der SZ hält der 54-Jährige Bruyère-Holz in seinen Händen, ein Werkstoff, der Schönheit, Lebensdauer und ausgezeichnete Raucheigenschaften in sich vereint. „Für den Pfeifenbau eine prädestinierte Sorte.“ Bruyére stammt von der wildwachsenden Baumheide im Mittelmeerraum, aus einem Kantel ihrer Knolle dreht und formt Robert Koch Pfeifen, deren Wert steigt, je makelloser die Maserung ist.

„Hauptsache, es ist ungewöhnlich“

Die Konturen und die Achsen zum Bohren seiner individuellen Entwürfe zeichnet der Autodidakt auf den Kantel, „ich suche mir vorher den bestmöglichen Verlauf der Maserung aus“. Koch geht zur Drehbank und demonstriert, wie er den Bruyère-Block bearbeitet. „Erst muss die Rauchkammer, dann den -kanal gebohrt werden. Die Verbindungen müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein.“ Der Kantel wird erneut gedreht und um das Zapfenloch ergänzt. „An der Schleifscheibe bringe ich den Kopf grob in Form.“ Raspeln, Sandpapier und Feilen sind jetzt sein Werkzeug – „Zeit für den Feinschliff, bis alles lupenrein ist.“ Beizen, Ölen, Wachsen, Hochglanzpolieren und der Aufsatz des passenden Mundstücks vollenden die Unikate. „Zehn bis 15 Stunden Arbeit stecken im Bau einer Pfeife“, so Koch. Einige Köpfe werden rustiziert, andere sandgestrahlt. Meist dann, wenn Fehlerstellen zurückbleiben. Das sei der Unkalkulierbarkeit vom Innenleben des Holzes geschuldet. „In der Wurzel des Buyère-Holzes beispielsweise verwachsen sich mitunter kleine Sandkörner“, weiß Koch. Beim Sandstrahlen werden die vermeintlichen Schönheitsfehler unsichtbar, beim Rustizieren die Oberfläche mit Meißel oder Stechwerkzeug ebenso. So entstehen „rauhe“ statt glatte Pfeifen mit unvergleichlichen Reliefs.
Heute sind es nicht mehr nur Pfeifen, die Robert Koch kreiert. Auf nickelfreien Ringe – anthrazit oder vergoldet – dreht er Oberflächen aus den Schätzen seiner Kiste oder aus Edelhölzern. Ob ein pechschwarzes Schmuckstück aus Ebenholz, Olive, Palme, Gestockte Buche oder Taguanuss. „Hauptsache, es ist ungewöhnlich“, sagt der 54-Jährige. Wie die Tatsache, dass derartige Kunstwerke „made in Ottfingen“ sind und mitten im „Wendschen“ in Kochs uriger Werkstatt entstehen – ein Besuch lohnt sich alle mal!
„Rauchgenuss aus einem Pfeifchen aus Mooreiche, die über Jahrtausende ,gereift‘ ist, ist einfach einmalig“, verabschiedet sich der 54-Jährige, stellt die Musik und auch den Ofen aus – bis zum nächsten Tag, dann bearbeitet Robert Koch wieder Holz, aus dem Träume geschnitzt werden

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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