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Jugendschöffengericht in Olpe
Schwerer sexueller Missbrauch: Damals 20-Jähriger geht Beziehung mit 13-Jähriger ein

Unter anderem am Bahnhof in Siegen ereignen sich die Taten: Zwischen Herbst 2018 und Anfang 2019 nimmt ein heute 23-Jähriger sexuelle Handlungen an einer damals 13-Jährigen vor und musste sich jetzt vor Gericht dafür verantworten.
  • Unter anderem am Bahnhof in Siegen ereignen sich die Taten: Zwischen Herbst 2018 und Anfang 2019 nimmt ein heute 23-Jähriger sexuelle Handlungen an einer damals 13-Jährigen vor und musste sich jetzt vor Gericht dafür verantworten.
  • Foto: René Traut
  • hochgeladen von Michael Sauer

yve Olpe. Die Anklageschrift ist gewichtig: schwerer sexueller Missbrauch von Kindern in gleich mehreren Fällen zwischen Herbst 2018 und Anfang 2019. In dieser Zeit nimmt der heute 23-jährige Angeklagte sexuelle Handlungen an einer Minderjährigen vor, fordert die damals 13-Jährige zum Oralverkehr und zum Versenden von Nacktbildern sowie eines Videos mit eindeutigem Inhalt auf. Die Taten ereignen sich am Siegener Bahnhof, im Auto sowie in den elterlichen Wohnungen des Beschuldigten und der Siegenerin. Seinerzeit ist der Angeklagte 20 Jahre alt.

„Das stimmt alles so“, räumt der heute 23-Jährige aus Finnentrop unumwunden nach den Ausführungen von Staatsanwalt Rainer Hoppmann ein. Auch, dass ihm die Zeugin gesagt habe, erst 13 Jahre alt zu sein.

yve Olpe. Die Anklageschrift ist gewichtig: schwerer sexueller Missbrauch von Kindern in gleich mehreren Fällen zwischen Herbst 2018 und Anfang 2019. In dieser Zeit nimmt der heute 23-jährige Angeklagte sexuelle Handlungen an einer Minderjährigen vor, fordert die damals 13-Jährige zum Oralverkehr und zum Versenden von Nacktbildern sowie eines Videos mit eindeutigem Inhalt auf. Die Taten ereignen sich am Siegener Bahnhof, im Auto sowie in den elterlichen Wohnungen des Beschuldigten und der Siegenerin. Seinerzeit ist der Angeklagte 20 Jahre alt.

„Das stimmt alles so“, räumt der heute 23-Jährige aus Finnentrop unumwunden nach den Ausführungen von Staatsanwalt Rainer Hoppmann ein. Auch, dass ihm die Zeugin gesagt habe, erst 13 Jahre alt zu sein. „Das hat mich überrascht, ich dachte erst, sie sei älter.“ Er habe die Schülerin bei einer Zusammenkunft der Religionsgemeinschaft kennengelernt, der beide zugehörig seien. „Wir haben zunächst nur Nachrichten geschrieben.“ Bei den viermaligen Treffen sei es dann immer zu Intimitäten gekommen. „Ich habe nicht gewusst, dass ich mich damit strafbar mache.“ Der Beschuldigte spricht im Gericht auch von einer gemeinsamen Shoppingtour. „Ich war verliebt in sie und sie in mich.“ Er habe die Beziehung jedoch beendet. „Sie war eifersüchtig, eigentlich wollte ich eine Pause, ich habe mich aber dann nicht mehr gemeldet.“ Darüber sei die heute 16-jährige Siegenerin enttäuscht gewesen.

Prozess vor Jugendschöffengericht: Beamte stellen Laptop und Handy sicher

Zur Anzeigenerstattung bei der Kreispolizeibehörde kommt es Ende Juni 2019, Beamte durchsuchen die Wohnung des Angeklagten, stellen einen Laptop und sein Mobiltelefon sicher.

Ich habe nicht gewusst, dass ich mich damit strafbar mache.
23-Jähriger aus Finnentrop
Angeklagter

Aufgrund des Geständnisses des 23-Jährigen muss die Geschädigte, die am Dienstag als Nebenklägerin auftritt, nicht in den Zeugenstand treten. Des Weiteren decke sich der Inhalt der Ermittlungsakte mit den Angaben des 23-Jährigen, so Richter Richard Sondermann als Vorsitzender des Olper Jugendschöffengerichts, das nach einer Beratung einen der fünf Anklagepunkte einstellt. Die Strafe für die Aufforderung zum Versenden der besagten Whatsapp-Nachrichten falle neben der im Verfahren zu erwartenden Strafe nicht beträchtlich ins Gewicht. Die verbleibenden vierfachen Verbrechenstatbestände legt das Gericht zudem als minder schwere Fälle aus.

Prozess vor Jugendschöffengericht: Jugendgerichtshilfe attestiert Reifeverzögerungen

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe erkennt vor den Plädoyers keine schädliche Neigungen seitens des Angeklagten. Rückblickend auf den Tatzeitraum, der immerhin drei Jahre zurückliege, attestiert sie dem 23-Jährigen eine Reifeverzögerung. Diese begründet sie mit einem „holprigen schulischen und beruflichen Werdegang“. Der Angeklagte sei damals selbst noch unerfahren gewesen – „das Opfer war seine erste Freundin“. Die Anwendung des Jugendstrafrechts halte sie für angemessen.

Auch er sehe bei dem Angeklagten keine schädliche Neigung, so Staatsanwalt Hoppmann. Es seien auch weitere strafmildernde Aspekte in Betracht zu ziehen, „unter anderem war die Liebesbeziehung von beiden gewollt“, auch sei der 23-Jährige nicht vorbelastet. Aber Unwissenheit schütze bekanntlich vor Strafe nicht. Seine Forderung: die Zahlung einer Geldsumme an die Geschädigte und eine angemessene Zahl an Sozialstunden. „Einen Arrest halte ich für nicht notwendig.“

Prozess vor Jugendschöffengericht: 700 Euro und 40 Stunden gemeinnützige Arbeit

„Ich glaube ihm das nicht“, bezieht sich Rechtsanwalt Wolf Heller als Vertreter der Nebenklägerin in seinem Plädoyer auf die Behauptung des Angeklagten, sich nicht im Klaren darüber gewesen zu sein, etwas Verbotenes zu tun. Ein Kind mit 13 Jahren sei noch nicht in der Lage, selbst zu entscheiden. Seine Mandantin jedenfalls sei sehr belastet. Die Höhe der Zahlung an die Geschädigte solle daher auch nicht unter 1000 Euro liegen.

„Der Staatsanwalt hat bereits alles gesagt, ich schließe mich an“, sagt die Verteidigerin des Finnentropers, Rechtsanwältin Katharina Batz – nicht ohne zu ergänzen: „Ich glaube ihm“, was natürlich nicht die Strafbarkeit verhindere. Der Angeklagte selbst entschuldigt sich vor der Urteilsverkündung bei der Geschädigten sowie deren Mutter, die am Dienstag neben ihrer Tochter im Saal 37 sitzt.
Das Jugendschöffengericht waltet dann im Sinne von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der 23-Jährige muss 700 Euro an die Siegenerin zahlen sowie 40 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Das Urteil ist rechtskräftig.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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