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Intensiver Jazzabend mit dem Omer Klein Trio in Kreuztal
Alarm in der Weißen Villa

Einen intensiven Jazzabend mit Weltmusik-Einflüssen bescherte das Omer Klein Trio einem erlesenen Publikum in der Weißen Villa in Kreuztal (v. l.): Omer Klein, Haggai Cohen-Milo und Amir Bresler.
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  • Einen intensiven Jazzabend mit Weltmusik-Einflüssen bescherte das Omer Klein Trio einem erlesenen Publikum in der Weißen Villa in Kreuztal (v. l.): Omer Klein, Haggai Cohen-Milo und Amir Bresler.
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aww Kreuztal. Drei Musiker schlagen in der Weißen Villa Alarm, dass die Wände wackeln: Das israelische Omer Klein Trio ließ am Donnerstagabend nichts anbrennen und bescherte dem kleinen, handverlesenen Publikum von den ersten Tönen an einen hoch intensiven, mit mediterranen Weltmusik-Elementen gespickten Jazzabend. Mit dem Repertoire seines aktuellen, im Frühjahr erschienenen Albums „Radio Mediteran“, einer musikalischen Hommage an das für die drei Musiker in ihren Sozialisationsgeschichten bedeutsame Mittelmeer, bestritten Komponist Omer...

aww Kreuztal. Drei Musiker schlagen in der Weißen Villa Alarm, dass die Wände wackeln: Das israelische Omer Klein Trio ließ am Donnerstagabend nichts anbrennen und bescherte dem kleinen, handverlesenen Publikum von den ersten Tönen an einen hoch intensiven, mit mediterranen Weltmusik-Elementen gespickten Jazzabend. Mit dem Repertoire seines aktuellen, im Frühjahr erschienenen Albums „Radio Mediteran“, einer musikalischen Hommage an das für die drei Musiker in ihren Sozialisationsgeschichten bedeutsame Mittelmeer, bestritten Komponist Omer Klein (Piano, Sequential-Synthesizer, Percussion), Kontrabassist Haggai Cohen-Milo und Drummer Amir Bresler den weit überwiegenden Teil eines nachgerade rauschhaften, ekstatischen Konzerts, das Jazz, arabische Melodielinien und Motive wie auch zuweilen freitonal Anmutendes, Neutönendes zu einer zutiefst organischen Symbiose führte. Das Besondere daran: Die in diesen Zeiten schon bald inflationär gebrauchte Vokabel „Crossover“ musste den Zuhörerinnen und Zuhörern zwei Stunden lang nicht ein einziges Mal in den Sinn kommen, denn Omer Kleins Musik ist alles platt Folkloristischen entkleidet und wirkt im schönsten Sinne „original“.

Genussvolle musikalische Entdeckungen

Aus dem verspielten, orientalisch angehauchten Klavierthema des Openers „Our Sea“ etwa entwickelt sich ein furioses Improvisationsspiel, das auch in Sachen Klangfarben nicht nur die Standards bedient: Der fabulöse Trommler Amir Bresler darf sich polyrhythmisch über gestrichenen Basstönen und sperrigen Analogsynthi-Sounds austoben. Bei „Tripoli“ mit seinem straighten Beat und den solistischen Retro-Synthesizer-Klängen kommt – wie nicht selten an diesem Abend – fast schon Jazzrock-Feeling auf. Doch gemütlich einrichten darf sich das Publikum nicht: Immer wieder kommt etwas Zickiges, Sperriges oder Synkopiertes um die Ecke, das den Wohlfühl-Faktor runterfährt und erhöhte Aufmerksamkeit einfordert. Das beschert genussvolle musikalische Entdeckungen und schürt die Neugierde auf das, was wohl als Nächstes kommen wird.

Große Expressivität und hohes Energielevel

Dass alle drei Ausnahmekönner sind, die ihr Handwerkszeug virtuos beherrschen, ist das eine. Das andere ist die außerordentliche Expressivität, mit der das energetische Trio zu Werke geht. Das hohe dynamische Level, die große kompositorische und improvisatorische Komplexität, die Rasanz und der beständig treibende Groove, beispielhaft beim ausgedehnten, vielgestaltigen Schlussstück „Yemen“ mit seinen orgiastischen Soli (Drums! Piano!), packen die Zuhörer mit festem Griff und lassen sie kaum mehr los. Die Ruhepause mit dem atmosphärischen „Desert Trip“ und dem fast poppig-balladesken „Sofia Baby“ bildet einen wohltuenden Kontrast, ebenso die Reminiszenz an die Tradition mit Charlie Parkers heftig swingendem Blues „Relaxin' At Camarillo“ mit starkem Basssolo. Und noch einmal ruhig wird es ganz zum Schluss bei der Zugabe: Mit einem sanften „Rausschmeißer“ schickt das Omer Klein Trio die rund 50 Konzertbesucher beglückt nach Hause.

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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